18. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Haben Sie schon einmal richtig Hunger gehabt? Ich meine einen echten Hunger! Sind sie schon einmal länger ohne Mahlzeit gewesen? Wenn sie wirklich einen ganzen Tag nichts essen, werden Sie sofort merken, wie wichtig das tägliche Brot ist, was das für Folgen hat. Der Magen knurrt und sie spüren sofort, was das für Auswirkungen hat, wenn der Kühlschrank leer ist, wenn ich kein Geld habe, um mir etwas zu kaufen, oder wenn es keine Geschäfte gibt, wo ich etwas bekommen kann.

Ich glaube, in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft können wir bei diesem Thema nicht wirklich mitreden. Wir können uns das nicht vorstellen, was es heißt hungern zu müssen. Wir können uns alles kaufen, was wir zum täglichen Leben brauchen. Vielleicht weiß es die ältere Generation noch. Ich spreche von der Generation meiner Eltern, aus den Jahren während des Krieges und hauptsächlich die Nachkriegsjahre. Diese Generation weiß vielleicht noch was das ist, Hunger zu haben, auf etwas verzichten zu müssen, mit dem Allernötigsten auszukommen. Aber meine Generation und die Kinder haben diese Erfahrung nicht mehr gemacht. Sie weiß nicht, was das Wort „Hunger“ bedeutet. Und doch gibt es in vielen Ländern der Erde dieses Problem der Ernährung. Sogar die Mehrheit der Menschen hungert. Zweidrittel der Menschheit lebt in Elend. Was können wir tun? Ich denke jetzt nicht nur an Geld spenden. Nein! Ich denke auch an unser konkretes Leben. Wie verhalten wir uns? Wie gehen wir mit dem Essen um? Sind wir dankbar für das tägliche Essen? Und an eines denke ich auch. Sie werden sich vielleicht wundern. Wir könnten uns bemühen alles, was auf dem Teller ist aufzuessen und nicht gleich, wenn es einem nicht mehr schmeckt stehen zu lassen. Das betrifft jetzt nicht nur die Kinder. Wie oft sehe ich es in Gasthäusern, dass Erwachsene so und so viel auf dem Teller stehen lassen und das wird dann weggeschmissen. Sicherlich gibt es das, dass wir nicht mehr können. Ich sehe dann, dass sich manche eine Alufolie bringen lassen. Besser als wegschmeißen. Denken wir doch an die Armen, die nichts haben. So manches Opfer können wir da bringen. Sollen wir nicht Vorbild sein?

Liebe Brüder und Schwestern! Jeder Mensch braucht etwas zu essen. Wenn man hungrig ist und nichts hat, kann man nicht so recht froh sein, dann ist man oft schlecht aufgelegt.

So war es auch bei den Israeliten, die durch die Wüste zogen. Sie sehnten sich nach den Fleischtöpfen in Ägypten. Sie vergaßen plötzlich die Quälereien, die sie mit den Ägyptern durchmachen mussten und erinnerten sich daran, dass sie dort wenigstens etwas zu essen hatten. Sie haben solange gemurrt, bis Gott sich erbarmte und das Brot vom Himmel regnen ließ, das Manna. Manhu, das bedeutet: „Was ist das?“ So etwas haben sie noch nie gesehen. Ob es ein wirkliches Wunder war oder ob es natürlich zu erklären ist, ist egal. Das ist nicht so wichtig. Es war aber sicherlich für die Israeliten ein großes Zeichen Gottes.

Die Leute wollten satt werden. So war es auch bei den Leuten, die Jesus nachliefen. Sie hungerten! Sie hungerten aber nach der Speise für das irdische Leben. Sie sind noch von der Brotvermehrung verblendet, die sie falsch verstanden haben. Jesus wollte sie damit hinführen zur Speise, die nicht mehr hungrig macht. Er selbst ist diese Speise, dieses Brot, das Brot des Lebens, das lebendige Brot, das vom Himmel kommt. Die Brotvermehrung war eine Vorbereitung seiner Jünger darauf, dass er sich selbst uns zur Speise geben will. „Wer von diesem Brot isst, wird dann in Ewigkeit leben.“

Die Leute wollten Brot für das irdische Leben. Jesus aber will sich selbst schenken in der Gestalt des Brotes für das überirdische Leben. Auch heute dürfen wir dieses lebendige Brot empfangen, in der heiligen Kommunion.

Am Ende seines Lebens hat Jesus das, was er hier angedeutet hat, erfüllt. Es war am Gründonnerstag, an dem er das Sakrament, die Eucharistie, eingesetzt hat und am Karfreitag, wo sein Leib dann für uns hingegeben wurde, wo er sich für uns geopfert hat, wo er sich für unsere Sünden hingeschenkt hat. „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.“ Vielleicht gelingt es uns heute dieses Geheimnis, dieses heilige Geschehen besonders innig und andächtig mitzufeiern. Amen.

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