22. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir.“ Jesus möchte von uns das Gebet des Herzens. Er möchte kein Plappergebet. Immer wieder müssen wir uns diese Frage stellen bei unserem Gebet, bei unserer Mitfeier der hl. Messe: Bin ich mit dem Herzen dabei? Sprechen nur meine Lippen? Wo sind meine Gedanken? Versuche ich wirklich ganz bei der Sache zu sein?

Ich weiss, wir können nicht immer 100% uns auf das konzentrieren, wenn wir beten. Das ist aber auch nicht das Entscheidende. Wichtig ist das Herz, unsere Einstellung. Warum gehe ich in die Messe, in die Kirche? Warum feiere ich am Sonntag den Gottesdienst mit? Ist es nur, weil ich muss, weil die Kirche es unter schwerer Sünde verpflichtet, als Pflicht den Katholiken hinstellt? Gehe ich nur in die Kirche, weil die Eltern mich als Kind schicken oder geschickt haben? Oder ist doch mein Herz dabei, die Liebe dabei?

Ich erinnere an die Begebenheit, die dem hl. Pfarrer von Ars passiert ist, als er in der Kirche einen Mann sah, der dort lange Zeit still verharrte. Auf die Frage, was er denn da mache, antwortete er: Ich schaue Gott an und er schaut mich an. Er hat nicht viele Worte gemacht. Er hat ihn nicht mit den Lippen geehrt, sondern sein Herz war bei Gott. Seine Augen waren bei Gott, d.h. die Liebe Gottes lässt ihn hier verweilen.

Oder ein zweites Beispiel, das mich selber so beeindruckt hat, als ich es gelesen habe. Das ist der hl. Edith Stein passiert, als sie noch nicht bekehrt war. Sie war in einem schönen Dom in Deutschland, nur um ihn zu besichtigen. Da kam eine alte Frau mit ihrem Einkaufskorb in die Kirche, ging in die Bank und kniete sich kurz nieder. Dann verließ sie die Kirche. Wir wissen nicht, ob sie gebetet hat, was sie gebetet hat. Wir wissen nur, dass das so einen tiefen Eindruck auf die Edith Stein gemacht hat, dass dies mit ein Anstoß war für ihre Bekehrung. Sie begegnete einer Frau, die Gott mit dem Herzen geehrt hat. Denn was trieb sie in die Kirche? Die Liebe, die Liebe zu Gott! Sie hat sicher kurz gebetet, aber es war auf alle Fälle kein Plappergebet nur mit den Lippen.

Das Volk ehrt mich oft nur mit den Lippen. Haben wir nicht auch Gott oft nur mit den Lippen geehrt? Haben wir uns bemüht gut zu beten? Nehmen wir uns doch wieder öfter Zeit zum Beten, zum Sprechen mit Gott! Er wartet darauf! Wie viel Zeit verwenden wir vor dem Fernseher am Abend oder mit anderen oft unnützen Dingen? Wo bleibt das Gebet?

Ich habe mich einmal mit einer Philippinin unterhalten und war sehr überrascht über die Frömmigkeit dieses Volkes, das fast zu 100% katholisch. Sie hat erzählt, dass es bei ihrer Familie eine Selbstverständlichkeit ist, dass sie nicht nur am Sonntag in die Messe gingen, sondern auch immer am Mittwoch und am Freitag. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass sie jeden Tag am Abend den Rosenkranz gemeinsam beten. Der Rosenkranz ist kein Plappergebet. Der Rosenkranz ist ein Betrachtungsgebet. Sie haben ihn aus Liebe gebetet und alles, was man aus Liebe tut, da ist das Herz dabei und dann ehrt mich das Volk nicht mit den Lippen. Und diese Religiosität ist dort bei vielen Familien der Fall.

Haben wir das Gebet des Herzens verlernt? Haben wir verlernt dem lieben Gott die Ehre zu geben? Wir wollen selber uns bemühen, unsere Gebete mit Liebe zu sprechen. Wir wollen selber wieder überlegen, ob nicht auch wir wieder mehr Gott bitten sollen: Schenke uns das Gebet des Herzens, damit wir nicht Plappern wie die Heiden, die meinen, sie fänden Erhörung, wenn sie viele Worte machen. Er ist der Gott der Liebe und er will das Gebet der Liebe aus freiem Willen und mit der Freude des Herzens. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email