25. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Sie haben bestimmt schon einmal ein Kind gefragt, was es werden will. Kinder träumen oft etwas großes zu werden, berühmt, reich, mächtig, einflussreich, usw. Wenn man sie fragt, spielt manchmal das Geld eine Rolle, damit sie sich viel leisten können. Oder sie möchten einen wichtigen Posten, wo sie Macht haben, andere unter sich haben und wo sie befehlen können. So manche Kindheitsträume verfliegen wieder, doch wenn wir die Arbeitswelt beobachten, finden wir bei manchen dieses Streben wieder. Wir entdecken immer wieder Menschen, die Karriere machen wollen, die was werden wollen, die sehr ehrgeizig sind, die natürlich das große Geld machen wollen, um sich dann ein schönes Leben einrichten zu können.

Es ist dies ein sehr menschliches Streben, das beim einen mehr, beim anderen weniger ausgeprägt ist. Auch unter den Aposteln ist nun dies festzustellen. Sie möchten wissen, wer von ihnen der Größte ist! Wer steht über dem anderen? Wer ist der Erste? Wer gilt mehr?

Obwohl Jesus ihnen gerade noch versucht hat zu erklären, was mit ihm geschehen wird: dass er leiden muss, dass sie ihn töten werden, obwohl sie ihn nicht verstanden, fragen sie nicht nach dem Sinn seiner Worte, sondern ihnen ist in diesem Augenblick etwas anderes wichtig. Sie diskutieren die Rangfolge. Unermüdlich bemüht sich Jesus seinen Aposteln die falsche Messiasvorstellung zu nehmen, und sie trauten sich nicht, ihn zu bitten, er möge es ihnen nochmals erklären. Dafür streiten sie über die Macht und die Reihenfolge der Plätze im Reich Jesu. In welchem Reich? In einem Reich, wo Jesus als Messias herrscht, ein Messias, der aber nicht leiden darf. Gerade das haben sie falsch verstanden.

Sie reden über die Rangfolge der Apostel und denken sich ein irdisches Reich, eine jüdische Befreiungsorganisation vielleicht. Gerade diese Gedanken will Jesus ihnen wegnehmen.

Er setzte sich und rief die Zwölf. Sie sollen sich wahrscheinlich in einem gemütlichen Kreis um ihn herumsetzen. Gespannt warteten sie, was nun kommen wird. Ihr schlechtes Gewissen bedrückte sie, denn sie ahnten, dass Jesus ihre Gedanken weiß. Jetzt kommt der entscheidende Satz: „Wer der Erste sein will, soll der Letzte von allen und der Diener aller sein.“ Jesus verurteilt nicht ihr Streben der Erste, der Größte zu sein, aber er stellt klar die Weichen. Er sagt ihnen, was sie tun müssen, um der Erste zu sein.

In diesem Satz wird sich besonders Petrus angesprochen gefühlt haben. Ist doch er auserwählt worden, der Erste zu sein: Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Immer wieder wird er sich daran erinnern. Gerade in den Situationen, wo er versagt hat: Als er Jesus dreimal verleugnet, als der Hahn krähte, als ihn Jesus dreimal fragte: Liebst du mich? Es trifft ihn ins Herz. Ich soll der Erste sein? Und ich bin doch ein Versager. Aber wenn ich klein und demütig bin, dann bin ich der Erste. Die Szene spielt wahrscheinlich im Haus des Petrus in Kafarnaum nicht zufällig. Petrus ist tatsächlich bestimmt der Erste zu sein. Aber es gilt für ihn, dies richtig zu verstehen, nicht um zu herrschen, um Gewalt auszuüben, um sich bedienen zu lassen, sondern er ist der Erste, um zu dienen.

Was heißt „Diener-sein“? „Diener-sein“ heißt nicht nur kein Pascha zu sein, sondern heißt viel mehr. „Diener sein“ heißt nicht nur fleißig sein, nicht faul sein, sondern auch offene Augen für die Not der Mitmenschen haben, freiwillig helfen. „Diener sein“ heißt nicht nur seine Pflicht erfüllen, sondern heißt besonders auch, Christus nachfolgen und dies mit allen Konsequenzen des Leidens, d.h. auch den Kreuzweg mitgehen.

Das alles heißt „Diener sein“. „Diener sein“ lernt man aber nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis. Jeder Mensch spürt das Kreuz, das ihm auferlegt ist. Wenn wir es im Geiste Jesu annehmen, sind wir Diener und zugleich der Größte.

Wir dürfen danach streben der Erste zu sein. Wir sollen es sogar. Jesus hat dieses Streben nicht verurteilt. Erster ist aber nur, wer Diener aller ist. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email