3. Sonntag im Jahreskreis
2018 B
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten die Berufung der beiden Brüderpaare. Jesus geht am See entlang und ruft ihnen zu: Folget mir nach. Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Ich möchte nun Reporter spielen und dem Simon Petrus einige Fragen stellen: Es soll ein fiktives Interview sein.

 

Reporter: Simon, du bist von Beruf Fischer. Was hast du als Fischer gemacht?

Simon: Na, es war jeden Tag dasselbe: in aller Frühe aufstehen, auf den See hinausfahren und die Netze auswerfen; die gefüllten Netze dann wieder einholen, an Land bringen und schließlich die Fische auf dem Markt verkaufen. Dann waren auch noch die gerissenen Stellen im Netz zu flicken, die Boote zu reinigen und instand zu halten.

Reporter: Warst du mit deiner Arbeit zufrieden?

Simon: Nun, ich hätte eigentlich ganz zufrieden sein können. Mein Beruf hat mir Freude gemacht. Mit den Fischen, die ich gefangen und verkauft habe, konnte ich dazu beitragen, dass viele andere Menschen etwas zu Essen haben. Und von dem Verdienst konnte ich ganz gut leben. Aber ich hatte schon öfter überlegt, ob es wirklich das ist, was Gott von mir will, oder ob er mit mir nicht noch etwas anderes vor hat, als tagein, tagaus zu fischen. Außerdem warteten wir alle sehnsüchtig auf den Messias und haben oft darüber gesprochen, wann er denn wohl kommen wird.

Reporter: Du warst gerade bei der Arbeit, als Jesus am Ufer des Sees vorbeikam und dir und deinem Bruder zurief, ihr solltet ihm nachfolgen. „Ich werde euch zu Menschenfischern machen“, sagte Jesus zu euch. Wie hat Jesus dieses Wort gemeint? Ist das nicht abstoßend, Menschen ihrer Freiheit berauben und sie einfangen?

Simon: Jesus hat damit etwas ganz bestimmtes sagen wollen. Wir sollen die Menschen mit unseren Netzen nicht einfangen, sondern auffangen. Ein Netz bietet Sicherheit und Halt. Wenn im Zirkus die Artisten hoch oben auf dem Seil oder am Trapez ihre Darbietungen zeigen, dann haben sie oft unter sich ein Netz gespannt, das sie auffangen kann, falls jemand abrutscht und abzustürzen droht. Wir sollen den Menschen also nicht ein Netz überwerfen, sondern höchstens unterwerfen.

Reporter: Als Jesus dich und deinen Bruder gerufen hat, da habt ihr nicht lange überlegt. Ihr habt eure Boote festgemacht und seid ihm, einem fremden Menschen, gefolgt. Wie kamst du dazu, deinen Beruf, mit dem du deinen Lebensunterhalt verdient hast, aufzugeben und einer ungewissen Zukunft entgegenzugehen?

Simon: So ganz fremd war mir Jesus zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr. Mein Bruder Andreas hat mir schon von ihm erzählt. Er war ganz begeistert von ihm. Mein Bruder war zuerst bei Johannes dem Täufer. Dieser hat sie dann aber auf Jesus aufmerksam gemacht. Er sagte mir, es sei der Messias. Als ich Jesus nun kennenlernte, bemerkte ich sofort, dass ich ihm vertrauen und mich auf ihn verlassen kann. Ich habe seinen Ruf mit dem Herzen gehört. Und habe eigentlich nur darauf gewartet, dass er mich direkt anspricht. Mit Freude habe ich alles liegen gelassen und bin ihm nachgefolgt. Jesus hat das von mir gewollt. Er ruft immer wieder bestimmte Menschen in seine Ganznachfolge. Wir sollen dann alles hinter uns lassen, alles verlassen und ohne Zögern ihm nachfolgen.

Reporter: Es ist öfter das Wort Messias gefallen. Ihr habt auf ihn gewartet. Was gab euch die Sicherheit, dass es auch wirklich Jesus ist, auf den ihr wartet?

Simon: Letztendlich ist der Glaube eine Gnade. In mir wuchs die feste Überzeugung, Jesus ist der Sohn Gottes. Später hat uns Jesus ja einmal gefragt, für wen wir ihn halten und ich bekannte es dann öffentlich. Jesus sprach in diesem Augenblick davon, dass dies sein Vater im Himmel mir offenbart hat, dass es also ein Gnadengeschenk ist und ich mich wiederum nicht zu wichtig nehmen darf, weil ich dies sagen durfte.

Wenn ich zurückblicke auf die Zeit, die ich mit Jesus verbringen durfte, auf die vielen Wunder, die er gewirkt hat, auf die Krankenheilungen, auf die Totenerweckungen, usw., da kann man gar nicht zweifeln. Gott hat mich gerufen, und ich habe es später keinen Augenblick bereut, dass ich meine Netze liegen ließ und ihm nachgefolgt bin.

Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email