1. Adventssonntag B 2020
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1. Adventssonntag 2020 B

Messtexte | Word-Dokument

Es gibt ein Adventlied, das beginnt mit den Worten: „Advent du stille Zeit.“ Und jedes Jahr sehnen sich die Menschen nach dieser stillen Zeit und haben viele Menschen diese stille Zeit vermisst und gejammert, wie hektisch der Advent dann doch wieder geworden ist: Einkaufen, Weihnachtsgeschenke, dies besorgen, dahinfahren, hier ein wichtiger Termin und dort eine Veranstaltung. Nie kommt man zur Ruhe. Und dieses Jahr sind wir gezwungen, zumindest den Beginn des Advents so zu leben, wie es sich gehört: Ein bisschen zurückschrauben, zu Hause bleiben und die Stille genießen. Wir sind im Lockdown. Diesmal gibt es deswegen fast keine Termine und keine Zusammenkünfte, zumindest bis 6.12. und wir wissen noch nicht, wie stark gelockert wird. Es gibt nicht so viele Treffen mit anderen Personen, sondern wir können zu Hause Einkehr halten und nachdenken, was der Advent wirklich bedeutet. Advent ist nicht Besäufnis bei einem Weihnachtsmarkt. Advent ist nicht Glühwein trinken bei den Adventstandln. Advent ist nicht hektisch von einem Geschäft zum anderen fahren. Christlicher Advent ist anderes. Christlicher Advent ist Vorbereitung auf Weihnachten. Christlicher Advent ist warten auf das Christkind. Advent heißt Ankunft. Wir warten auf die Ankunft Christi und wir wollen uns auf diese Ankunft gut vorbereiten. Wir wollen wachsam sein. Wir wollen nicht schlafen, wenn der Herr kommt.

Im heutigen Evangelium ist wiederum, so wie letzten Sonntag, vom Jüngsten Gericht die Rede! Letzte Woche waren es die Schafe und die Böcke, die Christus voneinander trennt und dieses Mal der Aufruf: Seid wachsam. Ihr wisst nicht, wann der Hausherr kommt. Irgendwann ist es so weit. Es kommt die Zeit, da wird Jesus wiederkommen in Herrlichkeit. Einmal wird der letzte Tag hier auf Erden sein, und Jesus wird kommen auf den Wolken des Himmels als Richter. Es geht dann um die Ewigkeit. Es geht an diesem Tag des Jüngsten Gerichts um den Ort, wo wir einmal für immer sein werden und das ist etwas Zentrales, etwas Entscheidendes, etwas Essentielles für uns persönlich, etwas ganz Wichtiges, um nicht zu sagen, das Wichtigste!

Diese Woche am Dienstag war ein Evangelium, da ist mir ein Wort in Erinnerung geblieben. Jesus sagt: „Es wird an vielen Orten Seuchen geben. Das muss als Erstes geschehen, aber das Ende kommt nicht sofort.“ Momentan stecken wir tief drin in so einer Seuche. Für mich waren diese Gedanken und Prophezeiungen, die wir in den Evangelien lesen, immer so fern und oft so nichtssagend. Sie betrafen mich nicht. Wenn es da heißt: „Es werden Kriege und Unruhen kommen.“ Ich habe keinen Krieg erlebt. „Es wird gewaltige Erdbeben geben.“ Ich habe keines erfahren. „Es werden Hungersnöte ausbrechen.“ Ich kenne keinen Hunger. Aber jetzt lebe ich in einer Zeit, wo alle Masken tragen und ganz wenige nur in die Kirche dürfen. Jetzt merke ich, dass jeder Abstand hält. Jetzt sehe ich vor meinen Augen, da ist etwas gekommen, von dem Jesus gesprochen hat, und zwar auch in Österreich! Das hat mich schon nachdenklich gemacht. Was will Gott mir damit sagen? Und ich bin überzeugt, diese Dinge geschehen, um die Welt wachzurütteln, um mich wachzurütteln und mir zu sagen, dass ich auch wachrütteln muss, denn viele Menschen erkennen diese Zeichen gar nicht. Müssen nicht wir Prediger das den Leuten auslegen, dass es ein Zeichen ist umzukehren, dass es ein Hinweis ist, mehr zu beten, dass der liebe Gott uns damit eine Gnade schenken will. Es ist für alle Menschen eine große Gnade, die diese Zeichen in der Richtung deuten, dass sie ihr eigenes Leben noch mehr hin auf Gott ausrichten sollen.

Advent ist die Zeit der Vorbereitung! Also, tu was. Mach was Gutes in diesen 4 Wochen. Nicht vor dem Fernseher! Nütze die Zeit zu etwas Gutem, richtige Adventbesinnung, mehr Gebet, öfter etwas Gutes tun, vielleicht auf liebgewordenes verzichten, die Augen aufmachen, wo könnte jemand meine Hilfe brauchen und wo habe ich mich von Gott entfernt.

Ich wünsche Ihnen, dass dieses Jahr der Advent nicht nur im öffentlichen Leben anders verläuft, sondern auch in ihrem inneren geistlichen Leben anders. Ich meine damit, dass sie in diesen 4 Wochen näher zu Gott finden. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021