4. Adventssonntag B 2020
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4. Adventssonntag 2020 B

Messtexte | Word-Dokument

Im Evangelium hörten wir die bekannte Verkündigungsstelle. Das erste „Ave Maria“ wird gesprochen. Der Engel Gabriel grüßt die Gottesmutter und überbringt einen göttlichen Plan, dem sie zustimmen wird. Die Folge ist die Menschwerdung Gottes.

Es gibt ein Gebet, bei dem wir in Kurzform an diese Geheimnisse erinnert werden, und das ist der Engel des Herrn. Der Engel des Herrn passt besonders gut in die Adventzeit, aber nicht nur! Er wird auch das große Glockenzeichen genannt, weil die Glocken uns dreimal am Tag an dieses Gebet erinnern: in der Früh, Mittag und am Abend.

Seit wann läuten die Glocken zu diesen Zeiten? Das Abendläuten wurde von den Franziskanern im 13. Jahrhundert eingeführt. Der hl. Franziskaner Bonaventura hat 1263 den Gläubigen beim Abendgebetläuten empfohlen ein Mariengebet zu beten. Im 14. Jahrhundert kam das Morgenläuten dazu und im 15. Jahrhundert das Mittagsläuten. 1571 hat der heilige Papst Pius V. den Engel des Herrn eingeführt, der besonders gegen die Türkengefahr gebetet wurde.

In den katholischen Gebieten wurde dieser Brauch durchaus bis vor gar nicht so langer Zeit von vielen Gläubigen praktiziert, sodass die Bauern, wenn sie am Feld die Glocken läuten hörten, die Arbeit unterbrachen, den Hut abnahmen und den Engel des Herrn beteten. Ich kann mich noch erinnern, als ich als Jugendlicher mit meinen Cousins einmal Fußball spielte und die Glocken läuteten, haben wir das Spiel unterbrochen und gebetet. Leider ist das heutzutage fast ganz abgekommen und in Vergessenheit geraten. Man hört leider höchstens noch, dass sich hin und wieder, Menschen über den Glockenlärm aufregen.

Das schöne Gebet, der Engel des Herrn, hat drei Teile.

  1. „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist.“ Gott spricht immer wieder zu uns durch seine Boten. Die kaum nachvollziehbare Botschaft war, dass sie ohne Zutun eines Mannes ein Kind empfangen wird. Maria konnte es nicht fassen, weil sie mit keinem Mann zusammenlebte und fragte, wie das geschehen soll. Der Engel erklärte es ihr: Das Kind ist vom Heiligen Geist. Maria empfing also als Jungfrau. Dies ist ein wunderbares göttliches Geheimnis, über das leider oftmals entwürdigend gespottet wird.
  2. „Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.“ Maria stimmt zu. Sie ist einverstanden mit dem Plan Gottes. Sein Wille soll geschehen. Sie ist die Magd des Herrn. Hier klingt deutlich ihre Demut durch. Sie ist eine Dienerin, die sich ganz klein vor Gott macht, sich tief erniedrigt und damit bereit ist, Gott in ihrem Schoß aufzunehmen.
  3. „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.“ Der dritte Teil des „Engel des Herrn“ ist die Weihnachtsbotschaft des Evangelisten Johannes. Er beginnt sein Evangelium mit den Worten, die uns an die ersten Worte der Heiligen Schrift erinnern: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Er schreibt: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Ein paar Zeilen weiter lesen wir: Und das Wort ist Fleisch geworden. Johannes der Täufer war die Stimme eines Rufers in der Wüste. Er begleitet uns auch in diesen Wochen des Advents. Jesus ist das Wort selbst. Dieses Wort ist Fleisch geworden. Gottes Sohn wird Mensch wie wir, und wir haben ihn nicht aufgenommen. Die Herbergen waren überfüllt. Doch jeder von uns kann dies anders machen und ihn in seinem Herzen aufnehmen.

Dreimal am Tag läuten also die Glocken zum Engel des Herrn. Wer ihn betet, der öffnet sein Herz für Jesus. Erinnern wir uns wieder öfter daran und vielleicht gelingt es uns in diesen Tag vor Weihnachten besonders, dass wir dieses Adventgebet, den Engel des Herrn, wenn wir die Glocken läuten hören, auch beten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021