Christtag 2020
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christtag 2020 B

Messtexte | Word-Dokument

Es hat einmal einer den Gott der Christen mit den antiken Göttern verglichen und gesagt: „Der Gott der Christen ist weit vom menschlichen Leben entfernt. Er sitzt irgendwo in seinem Jenseits und schaut auf die Menschen von oben herab. Er kennt ihre Probleme nicht, stellt hohe Ansprüche an sie und versteht keinen Spaß. Wenn ich dagegen z.B. an die griechischen Götter denke, an ihren abenteuerlichen Lebenswandel, an ihre humorvollen Intrigen und an ihre Vorliebe für den Genuss, dann empfinde ich sie als sehr freundlich.“

Dieser Mensch, der das gesagt hat, hat das Christentum nicht verstanden. Der wirkliche christliche Glaube ist ihm praktisch völlig fremd. Er hat Weihnachten vergessen. Unser Christengott ist eben nicht dort im Jenseits geblieben und hat eben nicht nur von oben herabgeschaut, sondern ist selbst herabgekommen. Er ist einer von uns geworden, damit wir nicht sagen können, er kennt unsere Probleme nicht. Er selbst hat uns gezeigt, dass es möglich ist, die Gebote zu halten. Er selbst hat uns zwar schon hohe Ansprüche gegeben, aber er möchte uns dazu ermutigen danach zu streben. Diese Zielvorgabe ist groß, aber auch wunderschön. Lebe diese Liebe, die uns Gott vorgelebt hat! Und Gott versteht sehr wohl auch viel Spaß, aber nicht Ausgelassenheit. Er ist ein Gott, der Humor hat, der uns viel Freude schenken möchte, besonders zu Weihnachten, dem Fest der Freude.

Heute feiern wir, dass er nicht nur im Jenseits irgendwo sitzt und sich nicht um uns kümmert, sondern dass er die Not von uns gesehen hat und dass er sich aufgemacht hat, zu uns zu kommen, um Not und Leid mit uns zu teilen und Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Menschwerdung Gottes ist für uns Trost und eine Hilfe, dass wir keine Angst vor diesem erhabenen Gott haben müssen. Vor einem kleinen Kind, das in einer Krippe liegt, braucht sich kein Mensch zu fürchten. „Fürchte euch nicht!“ So sprach der Engel. „Der Retter ist geboren.“ Weihnachten ist nicht das Fest der Furcht, sondern der Freude.

Ich möchte ihnen die richtigen 3 „F“ von Weihnachten sagen. Nicht Furcht, sondern Freude.

Weihnachten ist auch nicht das Fest der Feindschaft, sondern des Friedens. Weihnachten ist nicht das Fest der Finsternis, sondern der Freundlichkeit, die Licht in die Welt bringt. Der menschenfreundliche Gott schenkt Frieden und Freude in unsere Herzen.

Wir freuen uns über die richtigen „F“ von Weihnachten: Freude, Friede und Freundlichkeit. Diese 3 „F“ müsst ihr aus dem FFF können.

Wenn man etwas aus dem ff (Effeff) kann, dann beherrscht man die Sache vorzüglich. Die Herkunft ist ungeklärt. Eine der vielen Erklärungen, die es gibt, ist, dass es ein Kürzel aus der italienischen Stadtverwaltung ist. Die Prüfung eines Antrags eines Bürgers durch die Gemeindeverwaltung wurde mit einem F abgeschlossen für „fiat“, „es geschehe“. Wenn der Bürgermeister dem Gesuch ebenfalls zustimmt, hängt man ein weiteres „f“ an, also „fiat, fiat“. Das bedeutet: Es geschehe ohne weitere Verzögerung.

Mich erinnerte das an die Antwort Marias. Sie sprach auch „fiat“ „mir geschehe“ zum Engel, und als Gott diese Zustimmung hörte, sagte er das zweite „fiat“. D.h. Es geschehe ohne weitere Verzögerung. „Und sie empfing vom Heiligen Geist“. Das ist die eigentliche Menschwerdung Gottes: 9 Monate vor Weihnachten am 25.3. feiern wir es: Maria Verkündigung.

Bei uns kam nun die Folge dieses FF (fiat fiat). Das ist Freude und Friede. Aus dem ersten F wurde Freude und aus dem zweiten F wurde der Friede. Und wenn ihr alles aus dem FFF beherrscht, dann wisst ihr, dass die Freundlichkeit auch noch dazugehört; und das ist die Nächstenliebe. Wer Weihnachten kapiert hat, der hat den inneren Frieden, der freut sich über die Geburt des Gottessohnes und der ist freundlich zum Mitmenschen, der wird die Liebe Gottes an andere weitergeben, der kann alles aus dem FFF. Nicht Furcht, Feindschaft und Finsternis ist Weihnachten, sondern Freude, Friede und Freundlichkeit. Das sind die richtigen drei F von Weihnachten, die wir im Herzen tragen. Möge Weihnachten in diesem besonderen Jahr viele Herzen erreichen, auch wenn wir Abstand halten müssen. Möge Weihnachten in diesem Jahr bei dir frisch und fröhlich ankommen, indem du viel Freude ausstrahlst und dass andere deine Freundlichkeit merken. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021