Christmette 2020
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Christmette 2020 B

Messtexte | Word-Dokument

Wir befinden uns in einer sehr ernsten Zeit. Wir stehen in einer Pandemie, die wir so noch nie erlebt haben. Wir kennen Leute, die krank oder vielleicht sogar an Corona gestorben sind. Ich habe jetzt schon einige Male im Krankenhaus auch auf der Intensivstation solchen infizierten Menschen die Krankensalbung gespendet, die dann an Covid gestorben sind. Ich habe am Montag das erste Begräbnis von einer Coronakranken gehabt. Das ist alles ernst, aber ich habe bei der Vorbereitung auf dieses Fest und diese Predigt ein bisschen im Internet gesucht, ob ich nicht etwas finde, das uns ein bisschen aufheitert, ob es vielleicht auch Weihnachtsgedanken dazu gibt, die zum Schmunzeln sind. Wir feiern ja heute Weihnachten, die Geburt Christi und wollen nicht traurig darüber sein. Verstehen sie also folgende Gedanken nicht falsch, die ein bisschen humorvoll sind.

Dieses Jahr war es so, dass Maria und Josef keine Herberge fanden, weil im ganzen Land wegen Corona Beherbergungsverbot herrschte. Wir sind auch bei unserer Herbergsuche nicht in die Häuser gegangen.

Als ein Wirt sagte, er hätte eine Krippe, erschrak Josef, weil er Angst vor einer Grippe mit dem Buchstaben „G“ hatte. Als Josef dann in den Stall ging und alles vorbereitete, las man davon, dass im Stall, in dem die Krippe stand, kein Hygienekonzept erarbeitet wurde und auch kein Desinfektionsmittel vor dem Stall aufgestellt wurde, weil man nicht mit Besuch rechnete. Weiters hörte man, dass die Heiligen Drei Könige Einreiseschwierigkeiten hatten, weil sie 10 Tage in Quarantäne mussten, und dass die Hirten dann nur mit Maske und Abstand in den Stall durften. Die Hirten durften auch nicht Flöte spielen, weil das wegen der Viren zu gefährlich war und dem Kind in der Krippe auch kein Lied singen. Die Engel, die das Gloria sangen, waren im Freien und durften singen. Die Hirten durften dem Jesuskind nur ein Schaffell schenken, das vorher desinfiziert wurde. Darüber waren aber Maria und Josef sehr dankbar, denn im Stall war es teilweise sehr kalt, weil sie nach einer gewissen Zeit immer wieder lüften mussten. Und das Beste, was ich gelesen habe, war, dass ein Hirte Klopapier und Hefe schenkte, denn diese beiden Dinge hatte er noch vom 1. Lockdown im Keller übrig.

Man könnte sicher noch mehr finden. Ich muss euch heute aber enttäuschen. In der Bibel steht nicht: In jener Zeit erließ Kaiser Kurz den Befehl, dass jeder in seine Heimatstadt gehen muss, um sich testen zu lassen. Nein!

Und der Engel hat auch nicht folgendes gesagt: Ich verkünde euch eine große Freude: Heute ist euch der Impfstoff geboren! Das soll euch als Zeichen dienen. Der Arzt wird dir schon bald mit einer Maske und Handschuhen eine Spritze in den Oberarm geben. Ebenfalls nein! Die Weihnachtsbotschaft lautet anders: Die Freude ist: Heute ist euch der Heiland geboren.

Deswegen sind wir in die Kirche gekommen und haben die Kirche geschmückt, haben die Krippe aufgebaut und haben die Christbäume wieder aufgestellt.

Der Christbaumgemeinde Maria Laach will ich heute diesen Christbaum erklären. Der Brauch einen Christbaum aufzustellen, ist etwa 500 Jahre alt. Interessanterweise hat man tatsächlich auf diese ersten Bäume Äpfel gegeben, die an den Paradiesbaum erinnern. Erst viel später wurden die Äpfel u.a. durch Christbaumkugeln ergänzt und ersetzt. Bis heute aber blieben sie als Speise, denken wir an Weihnachts- und Bratäpfel, glasierte und überzuckerte Äpfel, usw.

Im Paradies wurde diese Frucht vom Baum in der Mitte zum Sündenfall, weil Adam und Eva unerlaubterweise davon gegessen hatten. Das frühe Christentum hat sich für den Apfel entschieden, der im lateinischen „malum“ heißt. Dieses geschriebene Wort „malum“ hat  nicht nur den Sinn Apfel, sondern kann auch „Böse“ bedeuten. „Sed libera nos a malo“ auf Deutsch: „sondern erlöse uns von dem Bösen“, so beten wir im Vater unser.

Wenn man also auf den Christbaum Äpfel getan hat, erinnerte man sich daran, dass durch den Paradiesesbaum das Menschengeschlecht verloren ging und das Böse siegte. Durch die Geburt Christi aber kam Heil und Rettung für die gefallene Menschheit. Dieser Jesus hat uns dann auf einem anderen Baum, dem Baum des Kreuzes erlöst. Dieser Zusammenhang bleibt! Das ist der Grund der Menschwerdung und wenn auf einem bekannten Bild – die Anbetung der Könige (niederländische Maler Rogier van der Weyden 15. Jh.) - über dem Stall ein Kreuz gemalt wurde, dann ist das kein Fehler, sondern Absicht, um den Grund für sein Kommen auszudrücken: die verlorene Menschheit wieder zu erlösen. Freuen wir uns heute trotz aller Einschränkungen, die wir dieses Jahr haben. Tod und Krankheit sind Folge dieser Ursünde und Jesus kam auf die Welt, um uns von dieser Erbschuld zu befreien. Mit großer Dankbarkeit dürfen uns daran erinnern und heute diese Christmette feiern. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021