1. Fastensonntag B 2021
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1. Fastensonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Mit dem Aschermittwoch sind wir in die 40-tägige Fastenzeit eingetreten. Es ist die Vorbereitungszeit auf Ostern. Die Kirche erinnert uns daran, dass auch Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet hat. Dort wurde er vom Satan in Versuchung geführt. Es heißt aber auch im heutigen Evangelium, dass ihm die Engel dienten. Das sind die guten Engel, die die Prüfung Gottes bestanden haben. Satan war ursprünglich auch ein guter Engel: Luzifer – der Lichtträger. Er wollte aber plötzlich nicht mehr dienen: „non serviam“. Er wollte plötzlich selbst angebetet werden.

Die Versuchung des Menschen zu allen Zeiten ist genau das: Der Mensch will sich selbst in den Mittelpunkt stellen. Der Mensch möchte oft bewundert, bestaunt und schließlich angebetet werden. Da fühlt man sich wohl, wenn andere Menschen einen ehren, würdigen und anerkennen. Doch gerade das ist die große Gefahr.

Und deswegen spricht Jesus immer wieder von Umkehr: Kehrt um und glaubt an das Evangelium. Die Fastenzeit ist die Zeit, in der wir wieder intensiv unsere Gottesbeziehung überdenken sollen. Diene ich Gott? Wir wollen uns nach innen kehren, Einkehr halten und aus dieser Einkehr zu einer Umkehr kommen. Entfernen wir alles, was uns in unserem Herzen zu Gott hindert. Dazu ist es manchmal notwendig, dass wir, so wie Jesus es 40 Tage lang tat, in die Wüste gehen, dass wir in die Einsamkeit gehen, in die Stille gehen, dass wir fasten, dass wir Opfer bringen, dass wir Überwindungen wieder üben, die Tugenden in uns stärken, die Laster bekämpfen, die schlechten Neigungen niederringen und die Hauptsünden beherrschen: d.h. den Zorn in Schach halten, den Neid und den Geiz kontrollieren, die Trägheit überwinden, die Keuschheit üben, der Unmäßigkeit entgegenwirken und den Stolz bezwingen. Natürlich müssen wir durch die Corona-Pandemie schon länger Opfer bringen, gewisse Überwindungen machen, Maske tragen, auf Kontakte verzichten usw. Aber auch hier können wir uns besinnen, diese Dinge aus Liebe zu Gott tun und das alles bewusst aufopfern und dem lieben Gott schenken.

Umkehr heißt also nicht unbedingt, dass wir den Weg zurückgehen, sondern den Weg in Zukunft mit Gott gehen, den Weg neu überdenken. Sie kennen vielleicht den Witz: Ein Mann kommt betrunken aus dem Wirtshaus heraus und will schwankend nach Haus gehen. Er begegnet dem Pfarrer, der sofort merkt, was mit ihm los ist. Besorgt sagt er zu ihm: Mein Sohn, kehr um! Worauf dieser, zwar etwas verwundert, umkehrt und wieder ins Wirtshaus hineingeht.

Jesus und die Kirche möchten mit dem Aufruf zur Umkehr, uns ermuntern, dass wir unserem Leben eine neue Ausrichtung geben. Wir sollen unser Leben auf Gott hin ausrichten. Wir sollen überlegen und in unserem Herzen nachforschen, wo wir falsche Wege gegangen. Versuchen wir herauszufinden, wo die Kompassnadel von Gott abweicht. Wir müssen das Gewissen, unser innerer Kompass, neu eichen und neu justieren. Wenn die Kompassnadel nicht ganz genau nach Norden zeigt, werden wir unser Ziel nicht erreichen.

So möge die Fastenzeit eine Zeit sein, in der wir intensiv auf Gott zu gehen und ihn mit unserem inneren Kompass versuchen zu treffen, sodass wir den Weg nach Golgota finden, der aber nicht am Kreuz endet, sondern vor dem leeren Grab, das für uns ein Zeichen ist, dass Jesus auferstanden ist. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021