4. Fastensonntag B 2021
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4. Fastensonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

40 Jahre musste das Volk Israel nach dem Auszug aus Ägypten durch die Wüste wandern, bevor es ins gelobte Land ziehen konnte. Die Zahl 40 ist eine heilige Zahl und kommt öfter in der Heiligen Schrift vor. 40 Tage dauerte die Sintflut. 40 Tage fastete Jesus in der Wüste. 40 Tage dauert auch unsere Fastenzeit, bis wir zu Ostern die Auferstehung Jesu feiern dürfen.

In diesen 40 Jahren mussten die Israeliten viele Entbehrungen durchmachen. Unter anderen war einmal eine schreckliche Schlangenplage. Gott schickte diese als Strafe für ihre Ungeduld, ihre Undankbarkeit und weil sie immer wieder murrten. Viele Juden wurden von diesen giftigen Schlangen gebissen und starben.

Diese 40 Jahre bedeuten im übertragenen Sinn unsere Lebensjahre hier auf Erden, bevor wir in das gelobte Land, in den Himmel, einziehen können. In diesem mühevollen Leben müssen wir auch oft Entbehrungen durchmachen. Momentan hat die Coronaplage ebenfalls viele Entbehrungen zur Folge. Eine große Anzahl von Menschen wurde und wird vom gefährlichen Coronavirus angesteckt und ist auch schon daran gestorben.

Mose hatte damals eine kupferne Schlange gemacht und diese an einer Stange erhöht. Wer auf diese erhöhte Schlange hinaufblickte, musste nicht sterben. Und Jesus nimmt beim Gespräch mit Nikodemus darauf Bezug und sagt: „Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm ewiges Leben hat.“

Jesus hat alle Sünden, alle Krankheiten, alle Leiden auf sich genommen und uns durch seinen Tod, erhöht am Kreuz, erlöst. Der Blick nun zu ihm ist immer die Erlösung und die Rettung auch in der heutigen Zeit.

In unserer Plage müssen also ebenfalls alle medizinischen Anstrengungen mit unserem flehentlichen Gebet zu Gott unterstützt werden. Wir wollen ihn innig bitten, er möge uns endlich davon befreien. Das Gebet ist der Blick zum erhöhten Christus am Kreuz.

Ohne den Blick auf Christus sind wir mutlos und ungeduldig so wie damals die Israeliten. Nur mit dem Blick auf Christus bekommen wir Kraft bei den Entbehrungen nicht zu verzagen, und nur durch den Blick auf Christus bekommt das Leid der Coronakrise einen Sinn und eine Bedeutung.

Das Böse hier auf Erden ist immer wieder ein Rätsel, aber das Böse und das Übel ist eine Tatsache, und wir können es nicht wegleugnen oder die Augen davor verschließen. Es ist seit der Ursünde hier, und wir werden immer wieder damit konfrontiert, sei es in der Begegnung mit Krankheiten oder auch in der Erfahrung von Schuld und Sünde. Die Folge der Erbsünde war der Tod. Der Mensch hat seither eine verwundete Menschennatur.

Damals haben sie also, nachdem sie von einer Schlange verwundet wurden, auf die erhöhte Kupferschlange geblickt. Wenn wir von der bösen Schlange, dem Teufel, verwundet werden, wenn wir seiner Versuchung zustimmen, ist es das Beste, wenn wir sofort auf den erhöhten Christus am Kreuz blicken und seine Barmherzigkeit erbitten. Dieser Blick wird uns heilen, weil wir durch die barmherzigen Augen Christi angeschaut werden, von denen Heil und Erlösung ausgehen. Es ist der Blick der Liebe, den Jesus vielen Kranken schon zu seinen Lebzeiten zugeworfen hat. Wenn Jesus jemand anschaut, dann sieht er bei diesem nicht nur das Äußere, sondern sein Blick trifft immer ins Herz.

So ist auch umgekehrt, unser Blick auf sein geöffnetes Herz, ein Blick in seine unergründliche Barmherzigkeit. Deswegen hat ein römischer Soldat mit seiner Lanze in die Seite gestochen, nicht nur, um sich zu überzeugen, dass er wirklich tot ist, sondern um es für uns zu öffnen. Es flossen Blut und Wasser hervor. Dieses Blut fließt bei jeder heiligen Beichte, die wir ablegen. Wir werden bei diesem Sakrament der Buße reingewaschen im Blut des Lammes. Suchen wir also immer wieder dieses geöffnete Herz Jesu mit unseren Blicken und erbitten wir seine große Barmherzigkeit, die uns tröstet und die uns Vergebung schenken wird. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021