5. Fastensonntag B 2021
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5. Fastensonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Im heutigen Evangelium hörten wir, dass einige Griechen unter den Pilgern, die beim Paschafest in Jerusalem Gott anbeten wollten, auf Philippus zugehen, weil sie Jesus sehen möchten. Wenn die wüssten, dass Jesus Gott ist und ihn nun sehen, dann könnten sie genau das tun, was sie in Jerusalem tun wollen, nämlich ihn, Gott anbeten!

Jesus aber ignorierte eigentlich diese Bitte und antwortete sehr seltsam darauf: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ Dies sagt Jesus auch zu uns. Natürlich müssen wir auf unser Leben achten und dürfen es nicht leichtfertig aufs Spiel setzen, aber wir sollen nicht zu sehr am eigenen Leben hängen und es festklammern in allen Situationen. Jeder muss einmal sterben. Viele Christen haben ihr Leben als Märtyrer für die Kirche hingegeben, ja hingeben müssen, weil sie nicht ihren Glauben verleugnen wollten und sind dadurch so ein Weizenkorn geworden, das viel Frucht brachte. Aus dem Blut der Märtyrer wuchs die Kirche nämlich zu neuer Kraft.

Jesus meint mit diesem Satz aber auch sich selbst. Er musste sterben, um Frucht zu bringen. Sein Kreuzestod war notwendig und war die Grundvoraussetzung, um den „Beweis“ für seine Gottheit durch seine Auferstehung bringen zu können.

Und dann sagt Jesus noch am Schluss: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.“ Jesus ist anziehend geworden. Nicht nur damals wollten viele Menschen Jesus sehen, sondern auch heute wollen wir Jesus sehen und hängen deswegen Kreuze auf, um Jesus als Gekreuzigten anzuschauen. Wie viele schauen auf das Kreuz und schöpfen Kraft für ihr Leben! Es ist für einen Nichtchristen schwer verständlich und nicht einleuchtend, dass wir, die wir an Jesus glauben, auf ein Leidenswerkzeug blicken, um uns Trost und Zuversicht zu holen, aber es ist so, weil wir wissen, dass Jesus nicht im Tod geblieben ist! Er hat alle an sich gezogen.

Wenn wir sagen, dass etwas anziehend ist, dann meinen wir meistens etwas Schönes. Aber Jesus am Kreuz mit seinen Wunden und mit seinem blutigen Angesicht ist nicht etwas Schönes! Aber doch ist es so, dass der Blick auf das Kreuz uns Kraft und neuen Mut gibt, weil wir wissen, dass er den Tod am Kreuz durch seine Auferstehung überwunden hat und uns dadurch erlöst hat.

Dieser Satz „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.“ bezieht sich ebenfalls auf unsere Sünden. Man könnte es auch so formulieren: „Wenn ich von der Erde erhöht bin, werde ich alle Sünden an mich ziehen.“ Er will unsere Sünden haben. Er hat alle diese Sünden hinaufgetragen nach Golgota. Er möchte, dass wir sie ihm schenken! Er wartet darauf. Dazu ist er in unsere Welt gekommen. Wir können alles bei ihm abladen.

Wie schwer drückt uns oft die eigene Schuld, und sie belastet unser Gewissen. Die Beichte nimmt diese Last fort, die oft wie ein Kreuz uns fast erdrückt.

Jesus Christus ist selber so ein Simon von Cyrene, der ihm das Kreuz abgenommen hat und der das Kreuz nun auch uns abnimmt und der diese so schwere Last dann selbst auf sich lädt.

Es ist doch wunderbar, wenn wir nach der Beichte wieder ohne Sünden sein können! Nach dem Tod kommt ja das Gericht, das entscheidet, wo wir einmal für immer sein werden. Ich vergleiche es gerne mit einer Waage. Auf die eine Seite werden die Heiligen, unser Schutzengel und besonders die Muttergottes alle unsere guten Werke hinauflegen und uns so verteidigen. Wenn wir Gutes getan haben, wenn wir jemanden geholfen haben, wenn wir gebetet haben usw. Auf die andere Seite legt der Ankläger, der Teufel, alle unsere Fehler, Sünden und schlechten Werke hinauf. Nun hoffen wir, dass sich die Waage auf die Seite der guten Werke neigt, und dass eben auf diese Seite mehr gelegt werden kann, denn dann haben wir das Ziel erreicht.

Es gibt nun ein Mittel, wo sich der Teufel besonders ärgert, weil mit einem Schlag sofort auf seiner Seite der Waage nichts mehr draufliegt und alles entfernt wird: die heilige Beichte! Hiermit kippt die Waage automatisch auf die gute Seite und wir sind gerettet.

Und es gibt keine „Antibeichte“! Das heißt, der Teufel hat keine Möglichkeiten, die guten Taten auf der einen Seite der Waage zu entfernen. Sammeln wir also in unserem Leben viele guten Taten, die nie ausgelöscht werden können!

Wenn wir öfter beichten, auch wenn wir keine schweren Sünden haben, hilft uns das auf unserem Weg zur Heiligkeit und schiebt auch jeden noch so kleinen Staub auf dieser Waagschale weg. Sie schenkt uns viele Gnaden und gibt uns Kraft, besser zu werden. Sie gibt uns Mut, den Kampf gegen die Sünde weiter fortzusetzen und nicht aufzugeben. Die Mutlosigkeit ist ja die größte Waffe Satans. Wir bekommen durch die öftere Beichte auch ein viel feineres, zarteres Gewissen und merken schneller, wenn wir uns von Gott entfernen und den Weg der Sünde einschlagen.

Ein gute, ehrliche Beichte gibt uns den Frieden mit Gott zurück, den wir uns so sehr ersehnen, befreit uns in aller Hinsicht von allem Bösen und lässt uns Ostern in rechter Weise feiern. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021