Fronleichnam B 2021
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Fronleichnam 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Warum machen wir heute eine Fronleichnamsprozession? Warum gehen wir am heutigen Tag hinaus auf die Straße? Warum verwendet der Priester ein Velum und berührt die Monstranz nicht mit den bloßen Händen? Warum geben wir die weiße Hostie in ein goldenes Gefäß? Warum geht der Priester unter dem sogenannten Himmel bei der Prozession? Warum wird die Monstranz beweihräuchert? Warum streuen Kinder Blumen? Warum schmücken wir die Häuser und den Prozessionsweg? Warum gehen wir mit Fahnen und in manchen Gegenden sogar mit Statuen mit? Warum?

Es kann nur eine Antwort auf die vielen Fragen geben: Weil es Gott der Herr ist, der in der Gestalt des Brotes unter uns gegenwärtig ist! Durch das Opfer am Kreuz hat er uns erlöst und am Gründonnerstag, am Tag vor seinem Sterben, hat er die Eucharistie eingesetzt: Das ist mein Leib, der für euch einen Tag später am Karfreitag hingegeben wird. Beim letzten Abendmahl hat er mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ den Auftrag gegeben dieses Kreuzesopfer immer wieder zu feiern.

Fronleichnam ist ein zweiter Gründonnerstag. Wir erinnern uns an diesen Tag zurück und darum wird es auch immer an einem Donnerstag gefeiert. Weil aber dieser Tag sehr unter dem Zeichen der Trauer steht, wegen des bevorstehenden Leidens Jesu, gibt es den heutigen Tag der Freude. Fronleichnam wird festlich gefeiert. Jesus ist unter uns. Wir zeigen ihn heute der Welt. Wir tragen die Eucharistie heute hinaus aus dem Raum der Kirche und tragen sie hinein mitten in den Raum unseres alltäglichen Lebens. So wie wir eigentlich jeden Sonntag Christus, der in der heiligen Kommunion in unser Herz gekommen ist, in unser Leben mit hinausnehmen sollen, so tragen wir heute Christus als sichtbares Zeichen durch die Straßen.

Es ist sicherlich ein großes Geheimnis. Viele können es nicht glauben. Für so manche ist es ein Stein des Anstoßes. Für einige war es sogar der Grund der Trennung vom katholischen Glauben. Für die evangelischen Christen ist es nur Brot. Heute aber zeigen wir der Welt, es ist nicht mehr Brot. Heute merkt es die Welt. Es kann gar nicht Brot sein, sonst wäre diese Prozession sinnlos. Es ist auch kein heiliges Brot, es ist Jesus Christus selbst.

Der selige Niels Stenson war im 17. Jahrhundert ein bekannter Naturwissenschaftler, ein berühmter Arzt ebenso wie auch ein gläubiger Lutheraner. Fronleichnam 1667 sah er eine prunkvolle Prozession. Da war er plötzlich vor die Glaubensentscheidung seines Lebens gestellt. Er sah die Ministranten, die Kerzen, den Weihrauch, den Blumenschmuck, den Priester, der die große Monstranz trug, Fahnen und die vielen Menschen, die anbetend mit der Prozession mitgingen oder am Straßenrand niederknieten. Da stellte sich ihm die Frage: „Entweder ist diese Hostie nur ein einfaches Stück Brot, und seine Verehrer sind alle ein wenig verrückt, oder hier ist der wahre Leib Christi, und weshalb bete nicht auch ich ihn an?“

Das ist die Frage nach der Wahrheit des Glaubens: „Wenn dieses Brot Gottes Sohn ist...“. Stenson ist dieser Frage nicht ausgewichen. Mit dem Denken eines Naturwissenschaftlers studierte er daraufhin Theologie, las die Bibel und sprach mit katholischen Freunden. Er hat sich von der Wahrheit überzeugen lassen. Diese Begegnung mit der festlich frohen Fronleichnamsprozession war ausschlaggebende für seine Bekehrung.

Unsere großen und schönen Fronleichnamsprozessionen sind Ausdruck unseres Glaubens, dass Jesus Christus wirklich gegenwärtig ist in den Hostien, die wir nach der Messe in der Prozession durch Dörfer und Städte tragen.

Es gibt diesen dreifachen Aspekt der heiligsten Eucharistie. Ich kann sie feiern. Ich kann sie kommunizieren und ich kann sie anbeten. Bei allen drei Momenten werden uns Gnaden geschenkt. Heute wird zusätzlich durch das Zeichen der Prozession der Anbetungscharakter hervorgehoben. Jesus, den wir in der Gestalt des Brotes verehren, ist Gottes Sohn. Ihm sie heute alle Ehre in Ewigkeit. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021