Gründonnerstag B 2021
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Gründonnerstag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Für jeden Priester ist der heutige Tag ein ganz besonderer Tag. Das, was er jeden Tag tut, wenn er die heilige Messe feiert, hat hier seinen Ursprung: Das ist mein Leib. Das ist mein Blut. Tut dies zu meinem Gedächtnis. Jesus hat an diesem Gründonnerstag das Sakrament der Eucharistie eingesetzt und seine Apostel damit beauftragt, dies zu feiern. Er hat sie damit zu Priestern geweiht und ihnen die Vollmacht übertragen, die heilige Messe zu zelebrieren. Damit hat das Sakrament der Priesterweihe im Abendmahlssaal seinen Anfang genommen. Das, was ich heute tue, hat vor fast 2000 Jahren im Abendmahlssaal begonnen. Darum ist auch bei dieser heiligen Messe vor den Wandlungsworten der Zusatz zu sprechen: „und das ist heute“.

Die Fußwaschung, die an diesem Tag des Verrates, dem letzten Abendmahl vorausgeht, hat Reinigungscharakter. Wir haben im Evangelium gehört, wie Jesus sich erniedrigt hat und den Aposteln die Füße gewaschen hat. Man kann ruhig an die heilige Beichte denken, die der heiligen Kommunion vorausgehen muss, wenn wir uns einer schweren Sünde bewusst sind.

Die Fußwaschung war ein Zeichen der Demut und der Erniedrigung. Es ist ein Sklavendienst. Damit hat Jesus ein großes Zeichen der Liebe gesetzt. Es ist eine Liebe, die bis zur Vollendung geht. Es ist die vollkommene Liebe, die nicht einmal halt macht vor dem eigenen Tod. Es war die Hingabe des eigenen Lebens. Jesus hat uns aufgefordert, es ihm gleich zu tun und auch zu dienen: Wer der Größte sein will, soll der Diener aller sein. Seht, ich habe euch ein Zeichen gegeben. Liebt einander!

Wenn wir uns den heutigen Abend, den Gründonnerstag damals, vor Augen halten, sehen wir eine unheimliche Dichte. Es ist so viel Wichtiges und Entscheidendes geschehen. Einerseits schenkt sich Jesus ganz in der Eucharistie, und er opfert sich hin. Er zeigt uns damit seine unendliche Liebe. Andererseits schweben dichte und düstere Wolken über diesem Abend. Es ist erstens ein „heiliger Abend“ wie zu Weihnachten, weil etwas ganz Heiliges geschah, und es ist zweitens ein so unheiliger Abend, weil es der Abend des Verrats ist. Judas ging hinaus und dann heißt es: Es war aber Nacht. Er, der Verräter ist unterwegs zu den Hohenpriestern, um Jesus für 30 Silberlinge auszuliefern. Es ist unfassbar und kaum zu verstehen, dass Judas, der ein Apostel war und zum engsten Freundeskreis Jesu gehörte, so eine schwere Sünde begeht. Es ist dies eine große Mahnung an uns alle, die wir uns Christen nennen und Christen heißen. Es kann nur die Bitte immer wieder ausgesprochen werden: Lieber Gott, bewahre mich vor Verrat und Sünde. Lass mich kein Judas sein! Und wenn ich falle, lasse mich nie verzweifeln. Lass mich immer an deine Barmherzigkeit glauben, dass du mich immer wieder annimmst, wenn ich reuevoll zu dir zurückkehre. Das war nämlich das große Unglück des Judas: Es war seine Verzweiflung, die ihn in den Selbstmord trieb. Er glaubte nicht, dass Jesus mit ihm barmherzig ist. Kannte er Jesus so wenig? Wusste er nicht, dass er auch ihm verziehen hätte? War er nicht dabei, als Petrus Jesus fragt: Wie oft muss man verzeihen? Siebenmal? Nein, siebenundsiebzigmal! Petrus hat es sich gemerkt. Auch er musste bekennen: Ich habe gesündigt. Ich habe dich dreimal verleugnet. Doch ich darf es wieder gut machen. Liebst du mich? Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Du weißt alles! Weide meine Schafe! Wer so bereuen kann, der darf sogar Hirte sein und dem vertraue ich sogar meine Herde an! Er wird der Fels, auf den ich meine Kirche baue. Er wird der erste Papst!

Für uns ist wichtig zu wissen, Jesus wird uns immer verzeihen, wenn wir reumütig zu ihm kommen. Da kann noch so viel schieflaufen. Ich kann noch so tief fallen und sündigen, Umkehr ist immer möglich.

Das soll am heutigen Tag, an dem einer daran verzweifelt ist, uns ganz fest ins Herz geschrieben werden. Gott ist Liebe und Barmherzigkeit. Wir erkennen es daran, wenn wir in diesen Tagen, sein Leiden betrachten, das er auf sich nahm, um uns von den Sünden zu erlösen. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021