10. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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10. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Immer mehr Menschen kommen zu Jesus. Es spricht sich wie ein Lauffeuer herum, dass er Menschen heilen kann, dass er Dämonen ausgetrieben hat. Es sind dies einfach Tatsachen, die keiner wegleugnen konnte, weil die Geheilten selbst Zeugnis dafür ablegten.

Jesus nimmt sich nicht einmal mehr Zeit zum Essen. Er ist ganz für den Menschen da, sodass man schon über ihn sagt: Er ist von Sinnen! Er ist verrückt. Er ist ein Schwärmer, den man wieder in das normale Leben zurückholen muss. So dachten seine Verwandten.

Die Schriftgelehrten griffen zur letzten und ärgsten Waffe, die sie hatten, um seine Macht, die von Tag zu Tag wuchs, zu bremsen. Sie behaupteten, er treibe die Dämonen mit Hilfe des Anführers der Dämonen, mit Beelzebul aus. Dies ist nun reine Bosheit.

Aber Jesus widerlegt ihnen dieses Argument, das in sich schon widersprüchlich ist. Wie kann der Satan den Satan austreiben? Wenn ein Reich in sich gespalten ist, kann es keinen Bestand haben. Wenn eine Familie in sich gespalten ist, hat sie keinen Bestand. Wir merken, wie wichtig die Einheit ist. Die Einheit bewirkt Kraft. Jesus hat deswegen für die Kirche und für Petrus gebetet, damit sie eins sind, so wie der Vater eins ist mit dem Sohn. Und er hat das einheitsstiftende Element der Kirche geschenkt: das Papsttum. Er hat Petrus zum Felsen gemacht, auf den er seine Kirche baut, sodass die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwinden können.

Darum hat die junge Kirche so eine Kraft gehabt. Sie waren ein Herz und eine Seele, so heißt es in der Apostelgeschichte.

Was können wir tun, um diese Einheit zu fördern? Wie schafft man Einheit? Wie gelingt Einheit? Ich glaube, eines müssen wir uns bewusst machen. Einheit können wir nicht machen, in dem Sinn, dass ich ein Haus mache. Ich kann mir ein Haus bauen, aber die Einheit ist ein Geschenk und eine Gnade, um die wir beten müssen. Das heißt also: Einheit geht nur mit Gott, und diese müssen wir erbitten.

Das Wichtigste ist, bei sich selbst anzufangen, indem wir erstens die Sünde meiden. Besonders die Sünde wider den Heiligen Geist ist sehr gefährlich. Jesus sagt, wer den Heiligen Geist lästert, findet keine Vergebung. Und was ist die Sünde wider den Heiligen Geist? Diese Sünde ist eine Sache des Willens. Wer nicht will, dass ihm vergeben wird, dem kann auch nicht vergeben werden. Der Mensch hat von Gott das kostbare Gut der Freiheit geschenkt bekommen, und Gott wird keinen zu seinem Glück zwingen. Diese nicht zu vergebende Sünde ist mehr eine innere Haltung. Sie ist eine Verstocktheit des Herzens. Es ist die Sünde gegen die eigene bessere Einsicht.

Das Zweite, was ebenso wichtig ist, ist den Willen Gottes erfüllen. „Wer den Willen Gottes erfüllt, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“ Was heißt den Willen Gottes tun? Der erste Schritt ist das Hören auf die innere Stimme, auf die Stimme des Heiligen Geistes in unserem Herzen, auf das Gewissen. Wir sollen uns oft die Frage stellen: Herr, was willst du von mir? Was soll ich jetzt in diesem Augenblick tun. Alles, was ich tue, soll der Wille Gottes sein, egal ob ich bete, arbeite, ruhe oder lerne. Wir sollen also Gott ins Leben miteinbeziehen und nicht ausklammern. Gott gehört zu allen Bereichen unseres Lebens, ob Arbeit, Freizeit oder Familie. Immer sollen wir versuchen den Willen Gottes gut zu leben, dann erfahren wir uns tatsächlich als Bruder, Schwester und Mutter. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021