12. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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12. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Jesus schläft im Boot, während ein heftiger Wirbelsturm das Boot mit den Aposteln fast zum Kentern bringt. Voller Angst wecken sie ihn und rufen: Kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen.

Immer wieder werden wir mit Stürmen konfrontiert. Es gibt Stürme in der Natur. Im Sommer kommen manchmal starke Gewitter und dann kann es schon passieren, dass der Wind gewaltig zum Blasen beginnt. Je stärker der Wind bläst, umso gefährlicher ist es. Ab einer Stärke von 75 km/h ist es ein Sturm. Ab 117 km/h ist es ein Orkan. Es gibt dann noch weitere verschiedene Sturmarten: ein Tornado ist eine Windhose, ein Blizzard ist ein Schneesturm, ein Zyklon ist ein tropischer Wirbelsturm, im asiatischen Raum nennt man ihn Taifun. Ein Hurrikan entsteht im Atlantik oder im Pazifik.

Wenn der Wind einmal so stark ist, dass man fast davongeweht wird, und dass man kaum vorwärtsgehen kann, dann wird das schon beängstigend und gefährlich.

Beim Struwwelpeter ist die letzte Geschichte die vom fliegenden Robert. Er geht bei wildem Wetter spazieren, und der Sturm trägt ihn davon. Jeder vernünftige Mensch meidet das Hinausgehen beim Sturm und bleibt in der geschützten Unterkunft. Wer in den Bergen von einem Gewitter überrascht wird, dem ist es schon manchmal sehr schlecht gegangen. Manche sind sogar dabei verunglückt.

Stürme kommen aber nicht nur in der Natur vor, sondern zweitens auch in jedem Menschenleben. Das sind Zeiten, in denen es uns nicht so gut geht oder in denen Veränderungen stattfinden. Stürmische Zeiten sind Phasen des Lebens, in denen sich etwas tut und bewegt. Zuerst versucht man dann mit eigenen Kräften der Lage Herr zu werden. Wenn das aber nicht so gelingt, die Angst immer größer wird und die Situation immer gefährlicher und unsicherer wird, dann denkt man intensiver an Gott und wird zu Jesus rufen: Macht es dir nichts aus, wenn ich untergehe? Warum schläfst du? Sei jetzt bei mir! Hilf mir! Steh mir bei! Ich brauche deine Hilfe! Wir dürfen uns da erinnern, dass Jesus dem Sturm gebieten kann und ihm ganz vertrauen.

Drittens gibt es dann auch Stürme in der Kirche. In den römischen Katakomben ist die Kirche dargestellt als Schiff und rettende Arche. Petrus steht am Steuer und Christus ist an Bord. Das ist das Bild der Kirche durch die Jahrhunderte. Die Zeichen standen oft auf Sturm. In den ersten Jahrhunderten wurden die Christen verfolgt. Es ist sicher der größte Sturm, wenn es um ein Menschenleben geht. Als dann Kaiser Konstantin der Kirche den äußeren Frieden schenkte, kamen die inneren Stürme. Es kamen die Irrlehrer, und es folgte der Kampf um den wahren Glauben. Es kam zu Glaubensspaltungen. Das waren alles große Stürme. Stürme müssen über die Kirche kommen, werden die Kirche aber nicht zerstören.

Don Bosco sieht in seiner berühmten Vision auch das Kirchenschiff. Hier ist der Sturm dargestellt mit den kleinen Booten des Teufels, die das Schiff beschießen, aber es geht nicht unter, weil es an zwei Säulen gekettet ist. Auf der einen Säule die Eucharistie und auf der anderen die Gottesmutter. Wenn wir uns daran halten, sind wir sicher.

Christus selbst hat es uns vorausgesagt, dass die Pforten der Hölle das Kirchenschiff nicht überwältigen können. Es wird nicht untergehen. Und Jesus kann bei jedem Sturm sagen: Schweig! Sei still! Aber er bestimmt den Zeitpunkt, wann es so weit ist und wann es genug gestürmt hat. Auf alle Fälle brauchen wir keine Angst haben. Wir sind immer in Gott geborgen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021