15. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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15. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Wenn wir in den Ferien jetzt Urlaub machen, dann gehören immer zwei Dinge dazu: Erstens packt man seinen Koffer, steckt passende Kleidung ein, auf jeden Fall auch Geld und dazu noch ein paar weitere Sachen, die für so eine Reise unentbehrlich sind. Zweitens hat man ein bestimmtes Ziel: eine Insel im Mittelmeer, eine Jugendherberge in den Bergen, ein Ferienhaus an der Nordsee. Ohne Ziel geht man normalerweise nicht auf eine Reise, und ohne einen Koffer auch nicht. Zuerst suche ich mir ein Ziel aus und dann packe ich dementsprechend meinen Koffer.

Genau das aber tun die Jünger, wie wir eben im Evangelium gehört haben, nicht. Sie sind ohne Koffer. Sie sollen kein Geld mitnehmen. Sie haben keine Kleidung zum Wechseln. Kein Essen ist dabei! Nichts! Und Jesus sagt auch nicht, wohin sie gehen sollen.

Zu zweit sollen sie gehen. Ein Minimum an Gemeinschaft ist nötig. Wo man auf sie hört und sie aufnimmt, da wird man sie auch ernähren. Wo man sie nicht aufnimmt, sollen sie „den Staub von den Füßen schütteln“. Das ist der Auftrag. Sie sollen zu den Menschen zu gehen. Sie sollen die Menschen von ihren Krankheiten an Leib und Seele heilen, und sie sollen die Leute, denen sie begegnen, zur Umkehr aufrufen. Sie sollen genau das tun, was Jesus tut. Er ruft auch den Menschen zu: „Kehrt um und glaubt, denn das Reich Gottes ist nahe!“ Und zum Zeichen, dass das wahr ist, was er sagt, heilt er sie von ihren Krankheiten.

Das also ist die Aufgabe der Jünger. Sie sollen tun, was Jesus tut. Sie sollen den Weg Jesu gehen. Eine leichte Aufgabe ist das nicht. Wer von uns tut das? Nicht einmal wir Priester sind so unterwegs. Da fehlt es noch weit.

Als die Kirche im Mittelalter sehr darnieder lag, da war einer, der diese Stelle wörtlich für sich genommen hat. Es war plötzlich einer da, der war ergriffen und fasziniert von diesem Bibelwort. Er lebte in einer Zeit, da das religiöse Leben fast den Nullpunkt erreichte. Er selbst ist in einer wohlhabenden Familie aufgewachsen. Sein Vater war ein reicher Kaufmann. Ich spreche von Franz von Assisi. Dieser hat das heutige Evangelium ernst genommen. Er hat wirklich alles hergegeben und ist in die Armut gegangen, und er hat dann seine Ordensbrüder zu zweit ausgeschickt, wie das damals Jesus getan hat. Viele haben begeistert dieses Ideal aufgenommen. Viele haben es ihm gleich getan. So wuchs der Franziskanerorden schnell an.

Die Größe des hl. Franziskus war es, die Worte Jesu nicht nur zu lesen, sondern in die Tat umzusetzen. Es störte ihn nicht, dass man ihn einen Narren nannte. Später sahen es alle: Er war eine der größten Gestalten der Kirche. Wir alle wissen, wir können es dem hl. Franziskus nicht nachmachen. Aber er soll uns doch wieder nachdenklich machen in unserer Wohlstandswelt, ob nicht manches Streben nach Geld und Reichtum abgelegt werden sollte. Ob wir nicht viel zu sehr Gefangene dieser Giergesellschaft geworden sind. Das Motto von vielen lautet: Ich will noch mehr. Noch mehr Geld, noch mehr Lust, noch mehr Reichtum, noch mehr Wohlstand. Der Geist des Evangeliums ist dieses Denken nicht. Die Botschaft Jesu lautet ganz anders. Er sagt: Wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel.

Wer sich senden lässt, der braucht keinen Koffer zu packen und der braucht nicht lange sich ein Ziel seiner Reise aussuchen. Jesus sandte die Zwölf aus, damit sie seine Botschaft in der Welt verkünden. Je mehr wir uns wieder bewusst machen, dass alle Güter der Erde nur Leihgaben sind, dass wir nichts von dieser Welt einmal mit hinübernehmen können, desto glaubwürdiger wird die Botschaft Christi wieder werden. Je mehr wir wieder die Lehre Christi in die Tat umsetzen, desto mehr Menschen werden wieder ihr volles Ja zur Kirche sagen, desto anziehender werden wir Christen sein und desto überzeugender wird unser Beispiel auf die Leute wirken. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021