23. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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23. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Es muss ganz schrecklich sein, wenn jemand nichts hört. Vielleicht weiss der eine oder andere ein bisschen wie das ist, wenn man schlecht hört. Wenn man älter wird, lässt oft auch das Gehör nach. Ich habe das wieder gemerkt, als ich zu Hause bei meinen jetzt schon alten Eltern war. Man muss laut und deutlich sprechen, damit sie einen verstehen. Immer wieder höre ich auch, dass sich alte Leute in der heiligen Messe schwer tun, wenn der Priester zu leise spricht. Es ist unangenehm, wenn man immer nachfragen muss, was der andere gesagt hat und bitten muss, doch lauter zu sprechen. Mancher traut sich gar nicht mehr so recht am Gespräch teilzunehmen, weil man Angst hat, etwas falsch verstanden zu haben und sich bei der falschen Antwort vielleicht lächerlich zu machen. Mit der Zeit wird man daher auch immer weniger sprechen und daher immer stummer werden.

So ein Mensch, der nicht hören und sprechen kann, wird im heutigen Evangelium zu Jesus gebracht mit der Bitte, er möge ihn berühren. Jesus heilt ihn und hat damit alles gut gemacht.

Bei jeder Taufe wird auf dieses Evangelium Bezug genommen, wenn der Priester die Ohren und den Mund des Täuflings berührt mit den Worten. „Wie er mit dem Ruf Effata dem Taubstummen die Ohren und den Mund geöffnet hat, öffne er auch dir Ohren und Mund, dass du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst zum Heil der Menschen und zum Lobe Gottes.“

Effata heißt „Öffne Dich“! Auch ich möchte heute rufen: Öffne dich! Ja, ich möchte euch zurufen: Öffnet euch für den Glauben und für die Botschaft Christi! Bekennt ihn auch! Sprecht doch öfter über diese befreiende Botschaft des Gottessohnes. Seid mutig und erzählt dem Nächsten, was euch so ergreift am Christentum. Öffnet euch! Wie viele sind verschlossen? Bei wie vielen dringt die Botschaft vielleicht ans Ohr, aber nicht ins Herz hinein und prallt außen ab! Wie viele sind desinteressiert? Und dabei geht es um das Entscheidende, um das ewige Leben, um ein Leben mit oder ohne Gott. Jesus heilt einen Taubstummen. Diese Wunder, die Jesus so oft gewirkt hat in seinem Leben, sind der Beweis seiner Gottheit. Sie sind ein Zeichen, dass er auch als Gott Sünden vergeben kann.

Jedem soll heute zugerufen werden: Öffne dich für die Gnade Gottes. Öffne nicht nur Ohren und Mund, sondern öffne dein Herz. Nimm die Botschaft Jesu nicht nur mit den Ohren auf, sondern auch mit deiner ganzen Seele und handle danach. Lass dich berühren von seinen Worten, von seinen Wundern und lass dich anstecken von den Worten. Er hat alles gut gemacht.

Wir können immer zu Jesus kommen und ihn um seine Gnade bitten. Er wird alles gut machen, wenn wir um Heilung bitten.

Öffne dich! „Öffne dich für die Botschaft Gottes“ ist der Ruf Jesu auch an uns. Wir wollen ihn wieder mehr in unser Herz lassen und uns erfüllen lassen von der Freude des Glaubens, von der Freude, die damals auch herrschte als Jesus den Taubstummen und viele Kranke heilte, so dass sie sagen konnte. Er hat alles gut gemacht. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021