24. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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24. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

In der Lesung hörten wir aus dem Jakobusbrief die wichtigen Worte: „Zeig mir deinen Glauben ohne die Werke, und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben.“ Zur Zeit der Reformation hatte Martin Luther große Probleme mit dieser Stelle aus dem Jakobusbrief gehabt. Für ihn zählte allein der Glaube. Es war dies wahrscheinlich eine Reaktion auf die Missstände, die durch den Ablasshandel in die Kirche eingedrungen waren. Manche meinten, man könnte sich den Himmel erkaufen durch „Geld spenden“ und ähnliche Werke. Weil im Jakobusbrief die Werke betont werden, nannte Martin Luther diesen Brief eine „strohene Epistel“. Er hielt den Brief nicht für apostolisch und wollte ihn aus der Bibel streichen, was ihm nicht gelang.

Die katholische Kirche hat dann auf dem Konzil von Trient richtig reagiert und deutlich gesagt, dass tatsächlich der Glaube rettet und nicht die Werke.

Umgekehrt wird heute auch die evangelische Kirche nicht mehr bestreiten, dass dem richtigen Glauben gute Werke folgen werden. Das heißt also, dass wir in diesem Punkt nicht weit voneinander entfernt sind.

Es ist eigentlich ganz klar. Einerseits müssen wir festhalten, dass, so wie dies beim rechten Schächer am Kreuz der Fall war, sein Glaube an Jesus ihn gerettet hat. Er konnte diesen Glauben nicht mehr durch Werke ausdrücken! Andererseits darf sich keiner ein Christ nennen, der nicht durch gute Werke seinem Glauben, sobald er kann, Ausdruck verleiht und ihn damit beweist.

Damals waren die Fronten aber sehr verhärtete und auch Martin Luther formulierte überspitzt und irreführend. Den Satz „Glaube fest und sündige tapfer.“ hat man ihm zum Vorwurf gemacht. Tatsächlich hat Luther an Melanchthon folgendes geschrieben und ihm diesen Rat gegeben. „Sei ein Sünder und sündige tapfer, aber glaube noch stärker.“ Man hat das Vertrauensglaube genannt. Der Mensch muss nur glauben und eben fest darauf vertrauen, dass Christus seine Sünden zudeckt. Der Mensch ist von Gott gerechtfertigt ohne jedes Zutun des Menschen. Natürlich soll der Mensch Gutes tun, aber für die Sündenvergebung hätten diese guten Werke nicht die geringste Bedeutung.

Es sind für mich zwei Extrempositionen. Ich kann mir die Sündenvergebung nicht mit Geld oder guten Werken erkaufen. Jakobus aber hat auch recht, dass einer, der einen großen Glauben hat, sich bemühen wird, viele gute Werke zu tun.

Es ist ganz ähnlich bei der Beichte mit der Sündenvergebung. Wenn wir beichten und unsere Sünden bereuen, vergibt uns der liebe Gott. Wir brauchen nicht vorher eine große Tat vollbringen. Wir brauchen nicht Gott Schlachtopfer darbringen, um ihn versöhnlich zu stimmen. Wir brauchen nicht, wie es in den Naturreligionen manchmal der Fall ist, der Gottheit ein Tier opfern oder manchmal waren es sogar Menschen, die getötet wurden, um die Gottheit gnädig zu stimmen. Aber der Priester gibt uns im Beichtstuhl eine Buße auf. Wir sollen dann nachher als kleines Zeichen der Wiedergutmachung z.B. ein Gebet sprechen oder eine gute Tat vollbringen.

„Zeig mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben!“ Wer ein echter Christ ist, der wird, so gut er kann, seinen Glauben mit vielen guten Taten bestätigen. So wollen auch wir immer um einen festen Glauben beten und Gott bitten, dass er uns die Gnade schenkt, diesen Glauben mit guten Werken zu beweisen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021