25. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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25. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Heute möchte ich über die Leidensankündigungen Jesu sprechen. Im Markusevangelium, das wir in diesem Jahr an den Sonntagen immer wieder hören, gibt es drei. Im Evangelium des letzten Sonntags haben wir bereits eine Leidensweissagung von Jesus gehört. Im 8. Kapitel des Markusevangeliums steht: „Der Menschensohn muss vieles erleiden, … muss getötet werden, usw.“ Heute spricht er wieder von seinem Leiden: „Der Menschensohn wird in die Hände von Menschen ausgeliefert und sie werden ihn töten.“ Es ist aus dem 9. Kapitel des Markusevangeliums. Noch ein Kapitel später, im 10. Kapitel, wird Jesus wiederum daran erinnern, dass er leiden muss. Immer schließt er diese Ankündigungen ab mit dem Hinweis, dass er auch auferstehen werde. Die Jünger aber verstanden es nicht. Es folgt jeweils auf diese Leidensankündigungen der Widerstand der Jünger: Das darf nicht sein! Besonders Petrus will dies verhindern. Beim ersten Mal wird er sogar von Jesus sehr gerügt und als Satan bezeichnet. Von Jesus folgt dann immer auch die Erklärung. Er belehrt sie darüber, doch sie können es mit ihrem Verstand nicht fassen. - Es ist auch unbegreiflich! Wer kann das kapieren? Warum muss der Sohn Gottes leiden? Welche große Tragik! Der, der unschuldig ist, der ohne Sünde ist, der uns von den Krankheiten und Leiden heilt, wird den Menschen ausgeliefert und von ihnen getötet. - Was sind das für Menschen gewesen, die diesen unschuldigen Jesus so grausam gequält und anschließend getötet haben? Die Antwort ist: Das sind nicht nur die Wenigen von damals, sondern das sind im Prinzip wir alle, weil jeder von uns ein Sünder ist. Unsere Sünden haben Jesus ans Kreuz geschlagen. Unsere Sünden haben Gott beleidigt, und dadurch haben wir uns von Gott entfernt. Jesus aber geht auf die Menschheit wieder zu und gibt ihnen die Gelegenheit, wieder zu Gott zu kommen. Die Erlösung, die durch Tod und Auferstehung geschehen ist, macht es möglich, dass der von Gott abgefallene Mensch wieder emporgehoben wird und in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen werden kann.

Was muss der Mensch nun tun?

Die 1. Belehrung im 8. Kapitel ist: Die Nachfolge durch Selbstverleugnung. Jesus sagt: „Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und so folge er mir nach.“ Jesus sucht tapfere Kreuzträger, die ihm bei seiner Erlösungstat helfen und beistehen.

Die 2. Belehrung heute ist: Wir sollen nicht der Erste sein wollen, sondern der Diener aller. Diese Anweisung wird von Jesus öfter betont. Er selbst gab dann beim letzten Abendmahl, am Tag vor seinem Tod, das große Beispiel, als er ihnen wie ein Sklave die Füße gewaschen hat. Auch in seinen Gleichnissen kommt dieser Gedanke öfter vor. Denken wir nur an das Gleichnis von der Hochzeit, bei der sich der geladene Gast nicht auf den ersten Platz setzen soll. Nun folgt im heutigen Evangelium noch der Hinweis auf ein Kind, das wir aufnehmen sollen. Dann nämlich, wenn wir das tun, nehmen wir Christus selber auf.

Die 3. Belehrung im 10. Kapitel ist die Zurechtweisung der beiden Zebedäussöhne, die den Platz zu seiner Rechten und zu seiner Linken haben wollen. Er weist hin, dass die Herrscher ihre Völker unterdrücken und die Macht missbrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein, usw.

Zusammenfassend können wir sagen, dass es bei den Leidensankündigungen Jesu anschließend immer um eine Belehrung geht, die uns daran erinnert, nicht nach Macht, Gewinn und den ersten Platz zu streben, sondern demütig zu sein und zu dienen. Auch wenn uns das auf den ersten Blick nicht sehr angenehm ist, ist es eine Lehre Jesu, die letztendlich glücklich macht und in den Himmel führt.

Üben wir uns darin! Jesus ist das große Vorbild, und er wird uns dabei auch helfen, wenn wir ihn flehentlich darum bitten. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021