28. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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28. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

„Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein.“ Das ist ein Satz, den man hin und wieder hören kann, wenn so mancher sehr weltfremd über die inneren Werte spricht und das Geld als zweitrangig hinstellt. „Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt ungemein.“ Dieser Spruch ist irgendwie der Schlüssel zum Verständnis des gerade gehörten Evangeliums. Stellen wir uns die Szene noch einmal vor: Viele Menschen, besonders die Jünger, sind wahrscheinlich um Jesus herum. Da läuft dieser Mann auf Jesus zu und kniet sogar vor ihm nieder mit der Frage: Meister, sag mir, was kann ich tun, um ein Leben zu leben, das sich lohnt. Ich möchte ein Leben hier auf Erden leben, das nicht umsonst ist, das einen Sinn hat. Es soll ein Lebensein, das mir schließlich das ewige Leben schenkt. Wie komme ich zur Erfüllung, zum ewigen Glück, zum wahren Sinn meines Lebens? Jesus hört ihm zunächst einmal zu, fragt auch nach und erkundigt sich nach seinem bisherigen Leben. Was der junge Mann dabei ehrlichen Herzens von sich behaupten kann, klingt in Jesu Ohren sympathisch. Er schließt ihn in sein Herz. Auch wir können nur Ehrfurcht vor diesem edlen Lebenswandel haben. Er befolgt von klein auf getreu die Gebote. Wer von uns könnte dieses Ungeheuerliche von sich sagen? Das ist sagenhaft! Es entsteht das Bild eines recht anständigen, gewissenhaften und gläubigen Menschen. Jesus gewinnt ihn lieb. Genau deshalb macht er ihm ein großartiges Angebot: „Verkaufe alles, was du hast: Gib es den Armen und werde mein Freund. Tritt meinem Jüngerkreis bei. Wir versuchen nämlich ein solches Leben zu führen, wie du es dir wünschst. Wir kennen die Reaktion des jungen Mannes. Er geht weg. Er, der Mann mit der Erfahrung, dass Geld nicht glücklich macht, aber auch mit der Erfahrung, dass Geld ungemein beruhigt, wählt traurig und betrübt das andere ruhige sichere Leben anstelle eines Lebens von tiefer Freundschaft, dauerhaften Glücks und ewigen Lebens. So jedenfalls sieht es Jesus, der ebenfalls traurig ist. Er hat gemeint einen jungen Mann vor sich zu haben, dem es für sein Leben um mehr geht, als nur um Ruhe und Sicherheit. Wie schwer ist es doch, sich Gott ganz anzuvertrauen? Und dann fällt der bekannte Satz von dem Kamel und dem Nadelöhr. Die Jünger sind davon schockiert. Jeden von uns muss dieser Satz schockieren. „Wer kann dann überhaupt noch gerettet werden?“ fragen sie entsetzt. Wer von uns, lebt danach? Wer von uns Priester lebt so? Keiner! Und was sagt Jesus? „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich.“ Aber wünschen würde sich Gott, dass wir nicht so sehr immer nach Sicherungen Ausschau halten. Wünschen würde er, dass sich der Mensch wieder mehr besinnt, dass er den Reichtum dieser Welt nicht mitnehmen kann ins ewige Leben. Das Leichentuch hat keine Taschen. Wünschen würde sich Gott, dass immer mehr Menschen sich nur als Verwalter der irdischen Güter sehen.

Petrus sagte: Wir haben alles verlassen. Jesus antwortete: Du wirst das hundertfache bekommen. Das Hundertfache, das Jesus verspricht, ist etwas anderes als irdisches Geld. Für uns Christen ist es ein besonderer Schatz. Hier auf Erden ist es die Zufriedenheit, die Bescheidenheit, die Liebe und die innere Freude. Für die Ewigkeit ist es der bleibende Schatz im Himmel. Wie können wir hier auf Erden so leben, dass andere Menschen merken, dass wir so einen noch größeren Schatz besitzen? Das ist, wenn wir etwas aus reiner Liebe tun, ohne etwas dafür zu erwarten, wenn wir geben ohne Hintergedanken, und wenn wir auf etwas verzichten, frei und ohne Zwang, um einem anderen eine Freude zu machen, und um damit Gott eine Freude zu machen. Dies kann etwas ganz kleines sein. Wenn jemand merkt, dass es uns eine Überwindung kostet, fragt er sich vielleicht, warum hast du mir das und jenes gegeben. Was besitzt du, dass du so manches ohne Probleme herschenken kannst?

In diesem Geist wollen wir das Evangelium leben und hin und wieder auf erlaubtes freiwillig verzichten. Jesus wollte den reichen Mann auf diese höhere Stufe führen. Leider ging er von Jesus weg. Es ist sicherlich eine schwierige Herausforderung, die Jesus stellt. Aber verkehrt ist es sich zurückzuziehen, weil ich vielleicht überfordert bin. Wir sollen einfach wagen anzufangen. Es ist nicht schlimm, wenn ich Rückschläge hinnehmen muss, wenn es nur kleine Schritte sind, die ich anfangs tun kann, wenn ich oft hinfalle und wieder aufstehen muss, aber wir dürfen diese Schritte riskieren, weil Jesus uns den Satz sagte: Für uns Menschen ist es unmöglich, dies zu schaffen, aber nicht für Gott, denn für Gott ist alles möglich mit seiner Gnade. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021