29. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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29. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Heute beginnt in den Diözesen die erste Vorbereitungsetappe zur Weltbischofssynode. Damit machen wir uns auf einen gemeinsamen wichtigen Weg, den wir bereits gehen, aber noch intensiver gehen wollen. Wir sind das pilgernde Gottesvolk. Wir sind unterwegs hin auf Gott. Jeder Pilger hat ein Ziel vor Augen. Diese Pilger überlegen im Vorhinein. Sie machen eine Standortbestimmung. Sie schauen gemeinsam, wo sie stehen, welches Ziel vor ihnen liegt, mit wem sie unterwegs sein werden und aus welchem Grund sie aufbrechen. Das ist unsere erste Aufgabe in diesem beginnenden diözesanen Prozess.

Im heutigen Evangelium begegnen uns 2 Brüder, Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, die auch ein Ziel haben. Das Ziel ist grundsätzlich richtig. Sie wollen einmal bei Jesus sein, aber die Forderung ist zu hoch. Sie überraschen mit einer recht außergewöhnlichen Frage. Sie möchten die Plätze im Himmel links und rechts von Jesus haben. Sie bringen Sonderwünsche vor. So sollen wir nicht in diesen synodalen Prozess hineingehen. Besondere Wünsche dürfen wir zwar äußern, aber wir müssen doch überlegen, ob all diese Wünsche realistisch sind und ob sie tatsächlich gottgewollt sind. Dieser synodale Prozess möchte nämlich vielleicht in unserem Denken auch etwas verändern.

Wer sitzt denn wirklich links und rechts von Jesus? Ist das unser Platz und unser Ziel? Nein! Ich meine, dieser besondere Platz ist reserviert für die würdigsten, für die, die auch im Leben Jesu hier auf Erden schon ihm am nächsten waren, für Maria und Josef.

Jesus antwortet den beiden Aposteln mit einer Gegenfrage: Könnt ihr den Kelch trinken? Sie wissen nicht, was Jesus meint. Und antworten selbstbewusst mit „Ja“. Alles ist den beiden Aposteln recht. Sie werden schließlich den Kelch trinken können, weil sie von Gott die Gnade bekommen, aber die Plätze verteilt Gott der Vater.

Was bedeutet dies nun: den Kelch trinken. Es ist der bittere Kelch des Leidens und der Nachfolge Jesu. Sie werden aus dem Kelch der Eucharistie, vom Blut Christi trinken. Sie werden als Priester die hl. Messe, das Kreuzesopfer Christi, feiern. Sie werden davon Zeugnis geben. Sie werden als Bischöfe in die ganze Welt hinausgehen, die Menschen taufen, dafür aber auch hin und wieder viel Spott und Hohn bekommen und sogar ihr Leben geben.

Jakobus ist der Erste von den Aposteln, der getötet wurde und als Märtyrer starb. Johannes wird zwar nicht getötet werden, aber dafür lange Zeit in der Verbannung auf der Insel Patmos leben müssen. Sie sind beide unerschrocken hinausgegangen und haben die Botschaft Christi verkündet.

In jedem Leben gibt es solche Kelche, die man trinken muss. Das Leben ist ein auf und ein ab.

Und was ist die Lösung, dass wir dieses Leben schaffen, dass es gelingt, dass der synodale Prozess erfolgreich ist? Papst Franziskus betont, dass es nicht um Mehrheiten geht, um die jeweils lautesten Stimmen oder um eine Meinungsumfrage, sondern es geht um uns alle, die wir mit der Taufe Teil einer Gemeinschaft sind. Die Lösung bei Jesus klingt schwer. Das, was Jesus fordert, ist auf den ersten Blick nicht süß und angenehm. Erst wenn man sich darauf einlässt, wird er es umwandeln und es wird uns freuen und das Leben gelingen lassen: Es ist das Dienen. Wer groß sein will, soll euer Diener sein. Der Erste soll der Sklave aller sein! Wer will schon Diener sein, geschweige Sklave sein! Aber Jesus, der Menschensohn, hat es uns vorgelebt. Er selbst hat gedient und den Aposteln sogar die Füße gewaschen.

Aber all diese Dinge, die momentan nicht schmecken, wie „Kelch trinken“, „Sklave sein“ und „dienen“, sind Teilhabe am Erlösungswerk Christi. Wir sind dann Kreuzträger. Wir helfen Jesus das Kreuz tragen, das hier auf Erden nicht wegdiskutiert werden kann. Es ist da! Durch die Sünde kam das Kreuz auf die Erde, und erst im Himmel kommt dies nicht mehr vor und es ist vorbei mit dem unangenehmen Leiden. Daher dürfen wir uns nach dem Himmel sehnen und freuen. Wir werden zwar nicht den Platz zur Rechten oder zu Linken haben, aber auch alle anderen Plätze sind so schön, dass wir dort überglücklich sein werden. Es geht dort nicht um Macht ausüben oder gegenseitigen Neid, sondern, um es mit der heiligen Theresia von Lisieux zu sagen, das Glas ist voll. Gott schenkt uns so viel Glück, wie wir ertragen können. Auf das wollen wir uns vorbereiten und dürfen uns jetzt schon freuen. Amen.  


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021