6. Sonntag im Jahreskreis B 2021
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6. Sonntag im Jahreskreis 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Immer wieder hat die Menschheit mit bestimmten Krankheiten ein Problem. Bei uns ist es momentan das Coronavirus. Die angeblich schlimmste Seuche aller Zeiten war bisher die spanische Grippe nach dem 1. Weltkrieg. Wenn wir in die Geschichte hineinschauen, gab es natürlich noch viele andere Seuchen: Wir kennen die Pest, die Pocken, Typhus, Cholera, Ebola, Schweinegrippe, Vogelgrippe, usw. Damals war in Israel der Aussatz eine schlimme und unheilbare Krankheit. In Österreich gibt es keine Aussätzigen mehr. Die Lepra haben wir bei uns im Griff. Doch Aussätzige im anderen Sinn gibt es überall. Ich meine damit Leute, die man wie Aussätzige behandelt, weil sie ein wenig komisch sind, weil sie behindert sind, oder weil sie einem auf die Nerven gehen. Man will mit ihnen nichts zu tun haben und grenzt sie aus. Man schiebt sie ab und lässt sie nicht am Gemeinschaftsleben teilnehmen.

Aussätzige waren von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Heute würde man sagen, sie waren in Dauerquarantäne bis zu ihrem Tod. Aussatz ist in bestimmten Ländern in Afrika, Südamerika, sowie in Indien, Indonesien und anderen Ländern immer noch ein Problem. Es gibt eigene Dörfer, in denen nur Aussätzige leben. Auch heute noch sind dort solche Menschen wie exkommuniziert, weil diese Krankheit höchst ansteckend ist. Sie ist zwar heilbar, aber noch nicht ausgerottet.

Was macht nun dieser Aussätzige? Er übertritt strenge Gesetze. Heute wäre das einer, der keine FFP2-Maske trägt und der den 2m Abstand nicht einhält, bzw. die Quarantänevorschrift ignoriert und missachtet. Normalerweise muss sich ein Aussätziger bekennen mit den Worten „Unrein, unrein“ und darf sich nicht nähern. Kein Wort davon ist zu hören. Der Aussätzige fiel vor Jesus auf die Knie und bittet um Hilfe. Dann kommt das, was alle überrascht und schockiert. Jesus macht etwas Anstößiges. Er streckt die Hand aus, nähert sich ihm, geht auf ihn zu und berührt ihn. Die Gefahr sich selbst anzustecken ist damit in höchstem Maße gegeben. Heute würden wir Jesus schnell eine Maske reichen und ein Desinfektionsmittel geben.

Was im Evangelium allerdings nicht berichtet wird, ist, ob sich die Leute darüber empören. Bei vielen Heilungen empören sich die Leute. Wir sehen das zum Beispiel, wenn Jesus am Sabbat heilt, wenn Jesus in das Haus eines Zöllners, eines Sünders geht, oder wenn Jesus Sünden vergibt. Die Schriftgelehrten machen immer wieder Stimmung gegen ihn. Er ist ihnen ein Dorn im Auge. Bei der Heilung des Aussätzigen wird nichts davon berichtet. Wahrscheinlich dachte sich der Evangelist, das brauche ich nicht extra zu erwähnen. Sicherlich haben sie sich empört und ihn kritisiert und ihn angegriffen. Das ist doch selbstverständlich und darf uns nicht wundern. Vielleicht war es diesmal nicht so laut oder nur in Gedanken, weil sich Jesus hier doch an die Gesetze der Schriftgelehrten hält und den Geheilten zu den Priestern schickt, die seine Heilung feststellen sollen, und er dann auch das darbringen soll, was Mose für die Reinigung festgesetzt hat.

Der Mann verkündete allerdings trotz Verbot allen, was Jesus getan hat und bringt ihn dadurch wieder in große Gefahr. Er konnte sich in keiner Stadt mehr zeigen. Ist das nicht vielleicht ein Hinweis, dass auch wir bei der Verkündigung klug sein müssen, manchmal nicht zu viel hinausposaunen und auf unsere Worte achtgeben sollen.

Jesus verhielt sich oft sehr klug, aber natürlich hat er nie Rücksicht auf die öffentliche Meinung genommen. Das wird ihm schließlich zum Verhängnis, doch das ist sein Sieg. Er wird, weil er sich über die Gesetze der Pharisäer hinwegsetzt, gehasst und schließlich kommt es soweit, dass sie ihn töten, aber durch die Auferstehung zeigt er uns, dass er Herr über Tod und Leben ist. Das ist immer wieder unsere Verkündigung. Jesus ist der Heiland, der Aussätzige heilen kann und der sogar Herr über den Tod ist und hat diesen aber durch seine Auferstehung besiegt hat. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021