2. Ostersonntag B 2021
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2. Ostersonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Die Jünger hatten am Ostersonntag abends aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen, weil sie Angst hatten. Sie hatten aber nicht nur die Türen verschlossen, sondern sie hatten auch ihre Herzen verschlossen, die noch mit tiefer Trauer, Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit erfüllt waren. In der Früh haben ihnen zwar die Frauen dieses unglaubliche Erlebnis erzählt, dass das Grab leer ist. Sie hörten von den geheimnisvollen Erscheinungen. Daher ist in ihrem Herzen ein Funke der Hoffnung entzündet worden, doch so ganz nach außen dringt dieser noch nicht. Keiner traute sich laut aufzujubeln, und keiner wagte es auszusprechen, was das alles bedeuten würde, wenn Jesus wirklich von den Toten auferstanden wäre.

Jesus, der alle Ängste, sogar Todesängste am eigenen Leib erlebt hat, kommt nun durch die verschlossenen Türen. Er tritt bei ihnen ein. Als er so vor ihnen steht, freuten sie sich, den Herrn zu sehen. Er klagt sie nun nicht an! Er verurteilt sie nicht! Nein, er wünscht ihnen den Frieden und zeigt ihnen die Wunden an seinen Händen und in seiner Seite. Damit will er ihnen diese Angst ganz wegnehmen. Wenn er tatsächlich lebendig da ist, brauchen sie keine Angst mehr haben.

Er hauchte sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist. Der Heilige Geist nimmt ebenfalls die Furcht. Das werden wir an Pfingsten sehen, als sie nach der Geistsendung mutig hinausgingen.

Jesus möchte uns auch immer die Angst nehmen. Wie oft sagt er: Fürchtet euch nicht. Der Engel am Grab sagt es. 365-mal soll es in der Bibel stehen, damit wir keinen Tag im Jahr Angst haben müssen.

Angst kommt oft vom bösen Feind. Er will uns immer wieder Angst einflössen. Es ist normalerweise ein Zeichen von Versuchung. Es ist ein Zeichen, dass unser Gottvertrauen noch sehr schwach ist. Wir brauchen aber keine Angst haben, denn Gott steht über allen Dingen und lenkt alles. Wir brauchen ihm nur vertrauen.

Einer, der noch ganz große Angst hatte, war der hl. Thomas. Er war an diesem Abend nicht bei ihnen und konnte es nicht glauben, dass Jesus auferstanden ist und ihnen sogar die Wundmale gezeigt hat. Er möchte diese selbst berühren, sonst glaubt er nicht. Er hat Angst, es könnte wieder eine Enttäuschung geben. Er hat Angst, dass das alles eine Einbildung ist. Er hat Angst, seine Freunde haben sich geirrt, sodass sich nach kurzer Zeit herausstellt, dass das alles doch nicht wahr ist. Er hat Angst, dass man dann erneut in diese schreckliche Depression und Enttäuschung fällt. Diese große Angst steckte in Thomas drin. Daher möchte er sichtbare Beweise. Der Mensch ist ein Sinnenmensch, und deswegen möchte Thomas Jesus nicht nur sehen, sondern er möchte ihn betasten. Er möchte Jesus an genau den Stellen berühren, die zum Tode führten. Das ist dann für ihn die Bestätigung, dass es wirklich Jesus selbst ist, der vor ihm steht, und dass bei ihm nicht auch die Fantasie vielleicht durchgegangen ist.

Das Schreckliche an der Angst ist, dass sie ausstrahlt. Wenn der andere merkt, dass du Angst hast, nützt er es vielleicht sogar aus.

Das ist auch bei Tieren oft so. Wenn Hunde spüren, dass wir Angst haben, bellen sie laut und beißen vielleicht. Wenn sie merken, dass man keine Angst vor ihnen hat, dann trauen sie sich meistens nicht.

Da Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung den Teufel besiegt hat, brauchen wir keine Angst mehr vor ihm haben, und der Teufel ist im Prinzip ein machtloses Wesen. Er bellt manchmal laut wie ein Hund, aber er ist angekettet. Wir dürfen nur nicht zu nahe an ihn herangehen. Schauen wir, wie lang die Kette ist, wie weit er laufen kann und bleiben wir auf entsprechenden Abstand, so wie wir das bei der momentanen Pandemie tun. Abstand müssen wir eben auch vom Teufel halten und ihm am besten ganz aus dem Weg gehen.

Wir dürfen vertrauen, dass Christus uns die Gnade und die Kraft gibt, den Teufel und seinen Versuchungen zu widerstehen und siegreich aus dieser Schlacht hervorzugehen. Lassen wir uns vertrauensvoll in die Hände Gottes fallen. Er wird uns in diesem Kampf beistehen. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021