3. Ostersonntag B 2021
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3. Ostersonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Wir haben soeben die Fortsetzung der Erzählung von den Emmausjüngern gehört. Ihnen ist Jesus erschienen, und die Freude darüber treibt sie nach Jerusalem zurück. Sie sind sofort, am Abend noch, voll Begeisterung aufgebrochen und in die Stadt zurückgekehrt, in der sie Jesus gekreuzigt haben. Dort haben sie sozusagen als Begrüßung von den Jüngern erfahren, dass Jesus anscheinend wirklich von den Toten auferstanden und dem Petrus erschienen ist.

Nun erzählten auch sie von ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen. Sicherlich waren sie alle ganz aufgeregt, und es gab an diesem Abend nur dieses eine Gesprächsthema: Was soll man von dem alles halten? Ein Funken Hoffnung und ein paar Lichtstrahlen am Horizont waren zu sehen. Ist das vielleicht doch alles wahr, dass der Messias leiden musste und am dritten Tag auferstehen wird, wie er es so oft vorausgesagt hat. Aber dann überfällt sie trotz allem wieder von neuem der Zweifel: Es kann nicht sein. Es ist unmöglich. Er ist nicht auferstanden. Auch die Emmausjünger litten an Einbildungen. Hatten sie nicht eben erzählt, dass die Erscheinung bei Tisch verschwand? Warum ist er nicht in dem Augenblick geblieben, wo sie ihn erkannt hatten?

Da steht plötzlich Jesus mitten unter ihnen. Oder ist es ein Geist, ein Gespenst? Doch jetzt spricht er sogar. „Friede sei mit euch.“ „Fürchtet euch nicht! Ich bin es.“ Und damit nicht mehr der geringste Zweifel bleibt, zeigte er ihnen die Hände und die Füße mit den Wunden. Aber immer noch starren sie ihn fassungslos an, und erst als er vor ihren Augen gegessen hatte, sind alle Bedenken und Zweifel weg. Er ist es wirklich: der Herr.

Der Zweifel am Anfang ist eine ganz normale Reaktion. Jeder von uns würde so denken. Sie wussten doch, dass er gestorben war, dass er von den Römern gekreuzigt wurde, und dass er ins Grab gelegt wurde. Die anscheinende Niederlage steckte noch fest in ihren Gliedern. Von daher kam diese Angst, die Bestürzung und der Zweifel. So vieles haben sie falsch verstanden. Jetzt mussten sie langsam umdenken lernen. Alles stand in der Heiligen Schrift, die sich erfüllen musste. Und er legte ihnen nochmals die Schrift aus, wie er sie schon den Emmausjüngern aufschloß. „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit einzugehen?“

Jetzt erklärte er ihnen, wie seine Auferstehung zu verstehen ist: Er ist kein Geist. Nein, er ist wirklich mit seinem Leib auferstanden. Sie wussten, das Grab ist leer. Der Leichnam ist weg, nicht mehr da. Und weil sie aber immer noch ungläubig schauten, lässt sich Jesus anfassen, berühren und begreifen. Er hat also Fleisch und Knochen. Der Auferstehungsleib ist derselbe Leib wie sein irdischer Leib. Der Leib ist identisch mit dem Leib, den sie ins Grab gelegt haben, allerdings verklärt, d.h. nicht mehr den physikalischen Gesetzen unterworfen. Es ist ein Leib mit den Wunden der Kreuzigung, die aber nicht mehr weh tun, die nicht mehr schmerzen, die nicht mehr bluten, und die den Leib nicht mehr verunstalten, sondern sogar schön machen.

Christus ist der Erste, der von den Toten auferstanden ist. So wie er auferstanden ist, so werden auch wir eines Tages auferstehen.

Im Matthäusevangelium heißt es: „Als Jesus gestorben ist, da riss der Vorhang des Tempels von oben bis unten entzwei, die Erde bebte, die Felsen zersprangen. Die Gräber öffneten sich und viele Leiber der Heiligen, die entschlafen waren, standen auf. Sie kamen nach seiner Auferstehung aus den Gräbern heraus, gingen in die Heilige Stadt (Jerusalem) und erschienen vielen.“

„Viele Leiber der Heiligen“, heißt es. Das sind die vielen Menschen, die bisher nach ihrem Gewissen und nach den Geboten gelebt haben. Es sind die, die das Gute getan und das Böse gemieden haben, angefangen von Abraham, Isaak, Jakob und die Propheten usw., die bisher auf die Erlösung warten mussten, die sicher nicht gelitten hatten, aber denen der Himmel bisher versperrt war.

Gott wird in seiner Allmacht unseren Leib wiederherstellen. So wie Christus mit seinem Leib auferstanden ist, so werden auch wir am letzten Tag mit unserem Leib auferstehen.

Der Mensch ist eine Einheit von Leib und Seele. Durch den Tod wird zwar diese Einheit zerstört, die unsterbliche Seele wird sich aber am Ende der Zeiten wieder mit unserem Leib vereinen, so wie sich der Leichnam Christi wieder mit seiner Seele verbunden hat, sodass er ihnen erscheinen konnte. Er erschien nicht als Geist, sondern wirklich mit Fleisch und Knochen. So ist er dann auch später in den Himmel aufgefahren, und so werden wir ihn wiedersehen, wenn er kommt in Herrlichkeit.

Er ist uns vorausgegangen. Er wird uns dort eine Wohnung bereiten. Der Osterjubel soll nicht gleich wieder aufhören. Es soll weiterhin in diesen Wochen das Herz mit der freudigen Botschaft von der Auferstehung Jesu erfüllt sein. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021