4. Ostersonntag B 2021
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4. Ostersonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Was würden sie sagen, wenn ich meine Predigt begonnen hätte mit den Worten: „Meine lieben Schafe!“ Ich bin mir ziemlich sicher, sie wären nicht nur verwundert, sondern vielleicht auch ein bisschen verärgert gewesen. Wer will schon ein Schaf sein. Man hätte geschmunzelt, wenn ich es falsch „gegendert“ hätte und gesagt hätte. Meine lieben Schafe und liebe Chefinnen.

In früherer Zeit hat der Vergleich mit dem Hirten und seiner Herde natürlich einen Sitz im Leben gehabt. Es gab vielfach den Beruf des Hirten. Aber heutzutage kennen nur mehr wenige Leute einen echten Hirten mit einer Schafherde. Ich habe in meiner Jugend einmal einen Hirten mit einer riesigen Schafherde an unserem Haus vorbeiziehen gesehen. Das war eine große Ausnahme und das haben die wenigsten erlebt.

Manche denken vielleicht beim Schaf an das Schimpfwort: Du dummes Schaf. Wir wollen nicht dumm sein. Aber ein Schaf ist nicht dumm, wenn es dem guten Hirten vertraut. Es weiß, der gute Hirt beschützt mich.

„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe!“ So hörten wir im Evangelium. Das ist das Erste: Jesus gibt sein Leben hin für die Schafe. Jesus hat für die Menschheit aus Liebe sein Leben hingegeben und geopfert. Für wen würden wir unser Leben aus Liebe hingeben? Für den Geliebten, den Ehemann, die Ehefrau, die Kinder, den Freund, die Freundin?

Ich möchte auf einen Heiligen kurz hinweisen, der im 2. Weltkrieg sein Leben hingegeben hat. Der hl. Maximilian Kolbe hat sein Leben geopfert für einen fremden Menschen, den er überhaupt nicht kannte, für einen Familienvater. 10 Menschen wurden willkürlich auserwählt, die im Hungerbunker sterben mussten, weil einer aus dem Gefängnis ausgebrochen war. Als dieser Familienvater in Jammern und Klagen ausbricht, tritt Maximilian hervor und bat sich selbst an, in den Hungerbunker zu gehen, was überraschenderweise angenommen wurde.

Es ist der größte Beweis der Liebe, wenn jemand für einen anderen stirbt. Die Märtyrer haben alle für Christus ihr Leben hingegeben.

Der gute Hirt gibt sein Leben für die Schafe. Und die Schafe hören auf die Stimme des guten Hirten, weil sie wissen, dass er sie beschützen wird, wenn Gefahr droht.

Es heißt dann auch zweitens: „Ich kenne die meinen und die Meinen kennen mich!“ Kennen heißt normalerweise lieben. Je mehr ich jemand kenne, desto besser kann ich ihn auch lieben. Von daher ist es eine umso größere und ergreifendere Tat, wenn ein Maximilian Kolbe für jemand sein Leben hingibt, den er gar nicht kennt. Aber er weiß auch, dieser ist ein Geschöpf Gottes und von Gott geliebt und darum liebe auch ich ihn und biete mein Leben an, weil dieser Mann Familie hat und ich, ein Priester, nicht.

Jesus ist aber nicht nur der Hirt, er ist zugleich auch das Lamm! „Seht, das Lamm Gottes!“ ruft Johannes der Täufer über Jesus aus. Nach dem Evangelium des Johannes stirbt Jesus am Kreuz genau zu dem Zeitpunkt, an dem im Tempel die Opferlämmer geschlachtet werden. Jesus ist der gute Hirt, der sein Leben hingibt für die Schafe, ja der sogar den Schafen gleich wird in ihrem Schicksal und sie dadurch erlöst. Er ist das Paschalamm, das geopfert wurde und am dritten Tage aber auferstand.

Es ist immer noch Osterzeit, und es kann nicht oft genug gesagt und betont werden, dass Jesus den Tod besiegt hat. So will ich auch jetzt wieder diese Predigt beenden mit dieser frohen Botschaft, dass Jesus lebt und durch seine Auferstehung uns gerettet hat. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021