6. Ostersonntag B 2021
www. Predigtdienst.net
Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
Navigation

6. Ostersonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Das Evangelium, in dem wir viel über die Liebe gehört haben, passt sehr gut zum heutigen Muttertag, denn am heutigen Tag werden die Kinder daran erinnert, der Mutter Liebe zu schenken.

Jesus sagt: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werde ihr in meiner Liebe bleiben.“ Die 10 Gebote können zusammengefasst werden im Doppelgebot der Liebe: die Gottes- und Nächstenliebe. Bei der Liebe zu unserer Mutter können wir sowohl an das 4. Gebot denken, das Elterngebot, als auch an das 5. Gebot, das Gebot der Nächstenliebe.

Und die Liebe zeigt sich äußerlich in Taten: „Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.“ Im Tun von guten Taten können wir unsere Liebe zeigen. Die guten Werke, die wir vollbringen, weisen hin auf unsere Liebe, die wir im Herzen tragen.

Heute geht es um die Liebe zu unserer Mutter, die wir zeigen wollen, weil sie uns auch ihre Liebe durch Werke gezeigt hat: indem sie uns ernährt hat, für uns gesorgt hat, uns gewaschen hat, für uns gebügelt hat, eingekauft hat, uns erzogen hat, hoffentlich mit uns gebetet hat, usw.

Ich kann mich noch erinnern, wie die Liebe meiner Mutter gelitten hat, weil sie aus finanziellen Gründen mir manches nicht kaufen konnte, was ich gerne gehabt hätte. Einmal kam ich von der Schule und erzählte ihr, dass mein Schulfreund einen Zauberwürfel hat. Ich war ganz begeistert und wollte auch einen, aber sie konnte sich das nicht leisten, dass sie mir auch einen kaufte. Es war für sie schmerzhafter als für mich. Das zeigte sich daran, dass sie es nicht vergessen hatte und es mir, als ich erwachsen war, in Erinnerung gerufen hat. Im Nachhinein war es wahrscheinlich gut, dass wir als Kinder nicht alles hatten, was andere hatten, weil wir so auch das Verzichten lernten, das notwendig. Es ist wichtig, dass wir auch das „Opfer bringen“ einüben. Wer immer alles bekommt, was er will, wird vielleicht einmal ein Problem bekommen, wenn er später eine andere Erfahrung macht. Wir hatten dafür die Mama zu Hause, die nicht Geld verdienen ging, sondern sich ganz um die Kindererziehung sorgte. Das war das viel größere Geschenk. Jede Mutter und natürlich auch jeder Vater schenkt dem Kind immer wieder Liebe, und diese Liebe soll heute erwidert werden durch kleine Zeichen der Kinder.

Wir stehen im Marienmonat Mai, und da erinnern wir uns, dass wir auch im Himmel eine Mutter haben. Die Gottesmutter Maria kümmert sich noch mehr um uns als die irdische Mutter, besonders um unsere Seele. Sie hat den Auftrag, Mutter zu sein, von ihrem Sohn bekommen, als er am Kreuz hing: Siehe dein Sohn. Zu Johannes sagte Jesus: Siehe deine Mutter. Von da an nahm sie der Jünger zu sich. Wir alle sind so ein „Johannes“. Wir alle sollen Maria zu uns nehmen. Er hat für sie gesorgt. Sie war Witwe. Sie hatte keine Kinder mehr. Ihr Sohn ist am Kreuz gestorben. So können auch wir, wenn wir Maria ehren, sie in gewisser Weise zu uns nehmen und die Liebe erwidern, die sie uns schenkt, weil sie bei ihrem Sohn Fürsprache für uns einlegt.

Denken wir also heute an unsere irdische Mutter und an unsere himmlische Mutter. Beide sorgen sich um uns und beide wollen nur das Beste für ihr Kind. Amen.

Videolink zur Homilie


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021