Palmsonntag B 2021
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Palmsonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Einen Esel sehen wir immer im Stall von Bethlehem. Wir nehmen an, dass Josef und Maria mit einem Esel auf diesem beschwerlichen Weg nach Bethlehem gingen, dass damit Jesus als ungeborenes Baby bereits auf einem Esel geritten ist, dass sie mit einem Esel nach Ägypten flüchteten und ebenfalls wieder mit so einem Tier zurück nach Nazareth gingen, als die Gefahr vorbei war.

Am Palmsonntag trägt wiederum ein Esel diesmal den erwachsenen Jesus, und hier zieht er triumphierend in Jerusalem ein. Die Leute jubeln ihm zu, legen Palmzweige und ihre Kleider wie einen Teppich vor ihm hin und rufen „Hosanna, dem Sohne Davids.“

Im Text des Heiligliedes der Heiligen Messe beten wir diesen Satz, den sie damals gerufen haben: „Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, Hosanna in der Höhe!“

Normalerweise zieht ein Sieger, ein siegreicher Feldherr, der im Krieg über den Feind gewonnen hat, der fremdes Land erobert hat, mit einem Pferd in einem Triumphzug in die Stadt ein. Oft war es auch ein Streitwagen, in dem er stehend gefahren wurde, und der von Pferden gezogen wurde, aber nie von Eseln. Der Esel zeigt schon, dass es bei Jesus ein etwas anderer Triumphzug ist, bei dem ihm zugejubelt wird.

Der Jubel wird sich in ein paar Tagen in ein hässliches Geschrei verändern. Das aufgewühlte Volk wird den Tod Jesu unbarmherzig von Pilatus verlangen: Kreuzige ihn!

Der Triumphzug Jesu ist also ein eigenartiger Weg über seinen Tod hin zu seiner siegreichen Auferstehung. Es ist ein schwerer Weg, aber es ist ein Triumphzug der Liebe in allen Phasen seines Lebens.

Jesus ist auch ein Sieger! Er hat den Teufel besiegt! Ihm wird deswegen ebenfalls zugejubelt! Doch will er nicht weltliche Macht, sondern die Macht über unsere Herzen haben.

Im Prozess gegen ihn wird ihm die Königswürde vorgeworfen. Pilatus fragt: Bist du der König der Juden? Jesus gibt es zu: Ja ich bin es. Pilatus überlegt: Aber warum stehst du dann machtlos vor mir? Die Antwort Jesu ist: Meine Diener sind die Engel, die, wenn ich es nur will, kommen würden. Und Jesus würde ihm gerne noch dazu sagen: Ich bin ein etwas anderer König, der eben auf einem Esel reitet, der eine Dornenkrone bekommt. Mein Thron ist das Kreuz. Mein Königsmantel ist der Spottmantel. Meine Macht ist die Macht über den Tod. Meine Waffe ist die Liebe.

Wir wollen heute Jesus versprechen, dass wir nicht nur ihm zujubeln, wenn alle ihm zujubeln, sondern dass wir ihm immer treu sind, auch wenn es schwer wird, auch wenn er seinen Leidensweg geht und uns einlädt, ihm nachzufolgen. Er möge uns die Gnade dazu schenken.

Es ist leicht, mit der Masse zu schwimmen. Es ist leicht, mit der Masse zu schreien. Schwierig wird es, wenn wir allein sind, wenn nur wenige auf unserer Seite sind, wenn wir fast keine Unterstützung haben.

Jesus ist mutig diesen schweren Weg gegangen, der sehr schwierig war, wo ihn fast alle verlassen haben. Er freut sich, wenn wir treu zu ihm stehen, auch wenn in unserer Zeit es auch immer schwieriger wird, Christus die Treue zu halten.

Die Palmzweige werden gerne in ein Kreuz gesteckt. Damit möchte man sich erinnern, dass die Gefahr da ist, wie es damals war, dass die Gleichen, die Jesus zugejubelt haben, auch sein Todesurteil geschrien haben. Wie schnell kippt oft die Stimmung. Bei Jesus darf sie nicht kippen. Bei Jesus wollen wir immer rufen: Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Amen.

Videolink zur Homilie (YouTube)


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2021