Pfingstsonntag B 2021
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Pfingstsonntag 2021 B

Messtexte | Word-Dokument

Der Heilige Geist wird manchmal der „unbekannte Gott“ genannt. Es ist die göttliche Person, die wir uns am schwersten vorstellen können. Gott Vater und Gott Sohn sind als Person leichter vorstellbar als der Heilige Geist.

Jesus nennt ihn den Beistand, den er uns senden wird. Es ist der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht. Es ist der Geist, der der Kirche verheißen ist, sodass sie die Heilswahrheiten irrtumslos verkünden kann. Es ist der Geist, der immer in der Kirche gewirkt hat bis herauf in die heutige Zeit.

Gottes Geist hat manches mit dem Wind gemeinsam, denn Gottes Geist ist nicht sichtbar, sondern nur fühlbar und spürbar. Dieser Wind kann unterschiedlich stark sein. Es kann ein leiser Hauch sein. Wir hörten es im Evangelium: Jesus hauchte sie an: Empfangt den Heiligen Geist! (Joh 20,22) Es kann aber auch ein Sturm sein. Denken wir an die Lesung aus der Apostelgeschichte: Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. (Apg 2,2)

Wenn wir uns das nächtliche Gespräch Jesu mit Nikodemus ins Gedächtnis rufen, merken wir, dass Jesus selbst dieses Bild vom Wind verwendet. Er sagt zu Nikodemus: „Der Geist weht, wo er will. Du hörst seine Stimme, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.“ (Joh 3,8)

Ein bekanntes Gebet zum Heiligen Geist lautet: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, entzünde in uns das Feuer deiner Liebe. Sende deinen Geist aus, und alles wird neu geschaffen, und du erneuerst das Antlitz der Erde.“

Wenn wir in den letzten Tagen um den Heiligen Geist gebetet haben, haben wir die Bitte ausgesprochen, dass er unsere Herzen erfüllen möge. Er möge unser Herz umwandeln. Er möge uns ein neues Herz schenken. Es soll ein Herz voll Liebe und ein Herz voll Begeisterung für den Glauben sein. Es soll kein Herz mit Furcht und Angst sein, sondern ein Herz, das mit Feuer für Gott brennt. Der Heilige Geist möge in unseren Herzen wirken, so wie damals vor fast 2000 Jahren. An diesem Pfingsttag begann für die Apostel, die sich ängstlich hinter fest verschlossenen Türen versteckt haben, ein völlig neuer Lebensabschnitt. Als das Brausen vom Himmel kam, veränderte der Heilige Geist, mit dem sie erfüllt wurden, ihr bisheriges Leben. Sie haben ein neues Herz empfangen und waren wie umgewandelt. Mutig und furchtlos predigten sie plötzlich die Botschaft Christi.

Im Tagesgebet hat es geheißen: „Allmächtiger Gott, was deine Liebe am Anfang der Kirche gewirkt hat, das wirke sie auch heute in den Herzen aller, die an dich glauben.“

Möge der Heilige Geist uns alle mitten ins Herz treffen und unsere Herzen umwandeln. Gott hat auch uns seinen Geist gesandt und uns mit seiner Kraft erfüllt. Wir bitten heute, dass diese Gabe neu in uns wirksam wird, und dass Gottes Geist uns neu erfüllt. Die Bitte um die Gabe des Heiligen Geistes ist also eine Bitte um ein neues Herz, in dem göttliches Leben brennt.

Wie erkennen wir den Heiligen Geist? Er bringt unserem Herzen den Frieden. Seine Früchte sind u.a. Freude, Langmut, Freundlichkeit, Güte und Sanftmut. Er verwandelt unser Herz immer mehr in das seine, indem diese Früchte in Vollkommenheit verwirklicht sind.

Wenn es im Gebet heißt „Sende aus deinen Geist, und das Antlitz der Erde wird neu.“, so will Gott diese Bitte auch durch unser Mitwirken erhören. Er erneuert unseren Mut und unseren Eifer. Er macht aus uns neue Menschen mit neuen Herzen, die geeignet sind, Werkzeuge für ihn in der Welt zu sein. Lassen wir uns vom Heiligen Geist ergreifen! Die Welt wird an der Begeisterung der Christen ihren Glauben messen, und viele werden daran die Kraft der Botschaft Christi erkennen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2024