7. Ostersonntag B 2024
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7. Ostersonntag 2024 B

Messtexte | Word-Dokument

Im Evangelium hörten wir gerade das sogenannte hohepriesterliche Gebet Jesu, das er im Abendmahlssaal gesprochen hat. Es ist ein sehr inniges und sehr persönliches Gebet zu seinem Vater. Es ist besonders auch ein Bittgebet für uns Menschen. Jesus betet: „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vom Bösen bewahrst.“ Er weiß, dass wir in der Welt vom Bösen umringt sind. Der böse Feind verführt uns immer wieder zur Sünde und er versucht uns. Wir sind deshalb in Gefahr, wenn wir zustimmen, uns von Gott zu trennen.

Im „Vater unser“ hat uns Jesus auch ein Gebet gelehrt mit vielen Bitten und die letzte Bitte lautet ähnlich: „erlöse uns von dem Bösen“. „Erlöse uns“ und „bewahre uns“ ist nicht das Gleiche, hat aber die gleiche Zielrichtung. Wir sollen vom Bösen befreit werden, aber am besten ist es, wenn wir vom Bösen gar nicht bezwungen werden.

Wir stehen eine Woche vor Pfingsten, dem Fest des Heiligen Geistes. In diesen neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten betet die Kirche besonders um die Herabkunft des Heiligen Geistes in der sogenannten Pfingstnovene. Es ist auch ein Bittgebet. Es ist ein Bittgebet um die Gaben des Heiligen Geistes. Wir brauchen den Heiligen Geist. Wir brauchen ihn in unserem Alltag, in den Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen müssen, bei unserer Arbeit, wenn wir mit Leuten zusammen sind, dass wir im Gespräch die richtigen Worte finden, dass wir die Liebe Gottes ausstrahlen können, usw.

Daher gibt es viele Gebete zum Heiligen Geist, die wir beten können. Es gibt Gebete zu Jesus. Und von Jesus lernen wir im Evangelium ein Gebet zu Gott Vater. Auch das „Vater unser“ ist ein Gebet zu Gott Vater. Jesus hat uns beten gelehrt.

Beten heißt nicht diskutieren, aber kann durchaus ein Ringen mit dem Willen Gottes sein. Beten heißt auch nicht nur Formelgebet herunterleiern. Jesus verurteilt das Plappern. Formelgebete können aber sehr wohl eine große Hilfe sein, sich zu Gott hinflüchten und in dieser Zeit bei Gott zu sein, auch wenn wir in unseren Gedanken nicht immer ganz beim Inhalt der Formelgebete sind. Beten heißt „Hören auf Gott“. Das richtige Beten ist immer eine Qual und eine Geißel für den Teufel. Er will nicht, dass wir auf Gott hören. Er will, dass wir uns von Gott entfernen. Er will, dass wir unsere Ohren vor Gott verschließen und taub sind für sein Sprechen zu uns.

Eine wichtige Art des Gebetes, so haben wir also gesagt, ist das Bittgebet. Es war bereits in der ersten Lesung so ein Bittgebet zu hören. Die Apostel baten Gott, er soll ihnen zeigen, wen sie zum Nachfolger des Judas Iskariot, der Jesus verraten hat, bestellen sollen. Und das Los fiel auf Matthias.

Wenn jemand in der Todesstunde, so wie Jesus am Kreuz, oder auch der erste Märtyrer der heilige Stephanus, noch für seine Feinde beten kann und für sie bittet, dass Gott ihnen verzeihen möge, der zeigt, dass er ganz eng mit der Barmherzigkeit Gottes verbunden ist, die will, dass alle gerettet werden. Jesus sprach: „Herr, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Und Stephanus betet ähnlich: „Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“ Es ist ein Gebet für die Feinde, für die Sünder.

Denken wir an die heilige Monika, die Jahrzehnte lang für ihren Sohn Augustinus gebetet hat, der ein sündiges Leben führte und der sich dann bekehrte und einer der größten Theologen der Kirchengeschichte wurde. Denken wir an die kleine heilige Theresia von Lisieux, die für den Verbrecher Pranzini gebetet hat, der ein mehrfacher Mörder war und der zum Tode verurteilt wurde. Sie wollte ihn im Himmel sehen und dann las sie am nächsten Tag in der Zeitung, dass er auf dem Weg zur Hinrichtung noch das Kreuz geküsst hat.

Bittgebete sind in gewissen Situationen schwer, aber doch auch oft sehr leicht, denn jeder hat Wünsche und Anliegen, mit denen er sich an Gott wendet. Besonders schöne Bittgebete sind dann die, wenn sie nicht uns betreffen, sondern andere Personen. Das ist dann ein Werk der Nächstenliebe, ein Fürbittgebet. Wenn wir so beten, dann bleiben wir in Gott und dann erfüllt sich das, was wir in der zweiten Lesung hörten: Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns. Gott ist die Liebe. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott.

So wünsche ich ihnen und mir, dass wir immer in der Liebe Gottes bleiben und dass uns die Bittgebete, die wir verrichten immer näher zu Gott hinführen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2024