Erscheinung des Herrn
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Eigentlich klingt alles wie in einem Märchen! Recht eigenartige Dinge werden uns heute zugemutet. Ein neugeborenes Königskind wird arm und schutzlos in einem Stall geboren. Von dieser Geburt haben fremde Könige gehört. Diese fremden Menschen folgen einem Stern und finden zur Krippe, beten das Kind an und bringen ihm Geschenke. Ein alter, grausamer König trachtet dem Kind nach dem Leben. Doch schließlich geht alles gut aus: Das Kind bleibt unentdeckt und kann heranwachsen.

Diese schöne und spannende Geschichte steht aber nicht in irgendeinem Märchenbuch. Es ist keine Geschichte, die sich einer ausgedacht hat, um uns zu unterhalten. Diese Geschichte steht im Evangelium und erzählt uns, wie Gott Mensch wurde und was da für wunderbare Dinge geschahen. Warum kommt Jesus in diesem ärmlichen Stall in Bethlehem zur Welt und nicht im Königspalast in der Hauptstadt Jerusalem? Warum kommen dafür Könige aus fremden Ländern zur Krippe, die ein Stern hergeführt hat?

Was sagt uns dieser Stern? Er sagt uns erstens, dass das neugeborene Kind ein König ist für die ganze Welt und nicht nur für Israel, für die Juden, für das Volk im heiligen Land. Von weit her sind die Heiden gekommen, und auch für diese ist Gott Mensch geworden, um sie zu erlösen, weil er sie liebt. Darum spielt es gar keine Rolle, von wo genau sie gekommen sind. Vom Osten heißt es. Entscheidend für uns ist, dass die Sterndeuter Menschen sind, die Gott suchen.

Das zweite Wichtige für uns ist. Es ist ein Kind, das sie gefunden haben; und zwar das Kind armer Eltern. Es war eben kein Kind von einem weltlichen Herrscher. Trotzdem haben die Weisen aus dem Morgenland das Kind als ihren König erkannt, sich hingekniet und ihm gehuldigt. Es ist ein deutliches Zeichen, dass er kein König sein wird, der weltliche Macht beansprucht. Er ist nicht gekommen, um zu herrschen, sondern um zu dienen. Es ist der König des Himmels und der Erde, der über die Herzen der Menschen herrschen will. Besonders den Armen und Schwachen, den benachteiligten und kranken Menschen wollte er nahe sein. Ihnen galt seine Liebe. Und wenn er als Königskind in dieser ärmlichen Umgebung auf die Welt kommt, ist dies gerade dafür ein Zeichen. Von diesem Kind empfangen wir keine Befehle, kein Machtwort und keinen Zwang. Es lockt durch einen leuchtenden Himmelsstern zu sich und möchte angebetet werden. Das sagt uns der Stern, den die Weisen aus dem Morgenland gesucht haben.

Eine Legende von einem vierten König gibt es. Sie kann helfen unseren Auftrag des heutigen Festes zu entdecken.

Dieser König ist aufgebrochen, um den höchsten Herrn zu erleben, wenn er auf die Welt kommt. Viele schöne wertvolle Dinge nimmt er mit, um sie ihm zu schenken. Je weiter der kleine König nach Süden zog, desto schlimmer wurde die Armut und das Elend der Leute. Überall gab es Krankheit und Not, und immer wieder nahm der kleine König von den wertvollen Geschenken aus seinen Taschen, um den Leuten zu helfen.

30 Jahre irrte er herum, tat Gutes und wurde dadurch von seinem Vorhaben abgehalten. Schließlich kam er in eine ihm unbekannte Stadt. Dort herrschten große Unruhe und Gedränge. Er zwängt sich durch die Menge und eilte zum Hügel vor der Stadt. Dort sah er drei Holzkreuze. Der Mann in der Mitte zog sofort seinen Blick an. Er hatte dieses Gesicht noch nie gesehen und doch glaubte er viele Gesichter, die er auf seinem langen Weg gesehen hatte, wieder zu erkennen, denen er geholfen hat, die ihn vom Weg des Sternes abgebracht haben. Aber plötzlich wusste er, dass diese ihn gar nicht vom richtigen Weg zum König abgebracht haben. Plötzlich wusste er: Der Mann am Kreuz war der König der Welt. Er war zufrieden mit ihm. Doch was sollte er diesem König schenken? Alles, was er einst für ihn mitgenommen hatte, hatte er weggegeben. Er sah den Herrn an: „Nimm mein Herz.“ sagte sein Blick, „nimm es! Es ist alles, was ich habe.“

Diese Legende sagt uns, dass unser Leben eine Suche nach dem Herrn ist. Dieser 4. König hat eigentlich in allem das Richtige getan. Er hat den Leuten geholfen. Er hat nicht aufgehört, Christus in seinem Leben zu suchen, bis er ihn gefunden hat. Solange wir nicht bei Christus sind, sind wir Menschen, die dem Stern noch folgen müssen. Allerdings wird es auf unserem Lebensweg Situationen geben, so wie beim 4. König, wo wir helfen müssen und Jesus wird zufrieden sein, wenn wir bereits hier das tun, was er von uns will: Licht für diese Menschen zu sein. Selber dadurch leuchten wie der Stern von Bethlehem. Anderen den Weg erhellen, sie dadurch zu Christus führen und auf dem Weg des Guten bestärken. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email