5. Fastensonntag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein!“ Mit diesem Satz entwaffnet Jesus die Ankläger. Keiner kann von sich behaupten, er habe keine Sünden und so müssen sie wahrscheinlich zähneknirschend ihre Steine fallen lassen und gehen leise weg. Gott sei Dank lebte Jesus nicht in der heutigen Zeit, denn da wären wahrscheinlich Steine geflogen, denn immer wieder höre ich von Leuten, die felsenfest behaupten, sie brauchen nicht beichten, denn sie haben keine Sünden.

Das Zwiegespräch am Schluss mit der Ehebrecherin ist nun sehr ergreifend: „Hat dich keiner verurteilt?“ „Auch ich verurteile dich nicht!“

„Geh hin und sündige nicht mehr!“ Das ist dann der alles entscheidende Schlusssatz im heutigen Evangelium. Jesus sagt nicht, dass der Ehebruch erlaubt ist. Im Gegenteil! Sündige nicht mehr! Das ist seine Weisung.

Ehebruch wurde im Alten Testament mit dem Tode bestraft. Die Steinigung war eine Möglichkeit, diese Todesstrafe in die Tat umzusetzen. Es ist daher sehr verständlich, dass diese Frau Todesängste hatte und ihrem Retter zu größtem Dank verpflichtet ist. Wenn Jesus nicht gewesen wäre, ein paar Minuten später, hätten die schweren Steine ihren Kopf und ihren Körper zertrümmert und sie wäre nicht mehr unter den Lebenden.

Meine Frage zu diesem Evangelium ist: Wo ist der Ehebrecher? Im Gesetz des Mose steht: „Wenn ein Mann mit der Frau seines Nächsten Ehebruch treibt, dann sollen der Ehebrecher und die Ehebrecherin des Todes sterben.“ Zu dieser Tat gehören immer zwei! Wo ist vielleicht der Verführer? Wie viel Schuld hat der Mann? Hat er nicht vielleicht sogar die größere Schuld? Was hat sie selbst für einen Ehemann? Auch diese Frage könnte man stellen! Gott allein weiß die ganz genauen Umstände.

Indem die Schriftgelehrten und die Pharisäer nur die Frau bringen, sehen wir schon ihre Heuchelei. Haben sie den Mann laufen lassen? Jesus erkannte sofort die Moral mit doppeltem Boden und schwieg zuallererst, weil ihm diese Art mit Menschen umzugehen nicht gefällt. Es ist uns nicht bekannt, was Jesus in den Sand geschrieben hat. Manche vermuten, es seien die Sünden der Schriftgelehrten gewesen.

Wir wissen, in der heutigen Zeit ist dieses Beispiel sehr aktuell, denn immer mehr Ehen gehen kaputt. Manchmal ist der Grund vielleicht so ein angeblich harmloser Seitensprung, der die Ehe vergiftet. Wie muss man aufpassen, dass das Vertrauen in einer Ehe nicht kaputt geht!

Als die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht aufhörten, Jesus zu drängen, beginnt er mit ihnen zu sprechen.

„Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ Das „an die eigene Brust klopfen“ haben wir oftmals verlernt. Gerade in der Fastenzeit ruft uns die Kirche aber wieder zu: „Schau in dein eigenes Herz! Bring in Ordnung, was schief gelaufen ist!“ Jesus wird zu jedem sagen, der in der Beichte zu ihm kommt: „Auch ich verurteile dich nicht! Deine Sünden sind dir vergeben! Geh hin in Frieden und sündige nicht mehr.“

Jesus hat vielleicht in diesem Augenblick den Pharisäern und Schriftgelehrten die Gnade geschenkt, ihren eigenen Seelenzustand zu sehen, der sie in diesem Augenblick erschrecken ließ: Was, so schlimm schaut es bei mir aus! Wie oft sehen wir den Splitter im Auge des Nächsten, den Balken im eigenen Auge bemerken wir leider nicht? Wie oft sehen wir die Sünden der anderen? Wie oft erzählen wir uns die Sünden der anderen und urteilen und merken gar nicht, dass wir verurteilen. Und wie oft versuchen wir damit unser eigenes Tun zu rechtfertigen? „Warum tun wir das?“, könnte man fragen. Die Antwort ist nicht allzu schwer und immer hochaktuell. Wir haben alle unsere verschiedenen Sünden. Aber wir haben Angst davor, mit diesen Sünden allein zu bleiben. Deshalb suchen wir – bewusst oder unbewusst – eine „Begleitung“ für unsere Sünden. Dazu brauchen wir dringend die Sünden der Anderen. So möchten wir uns in ein besseres Licht rücken und gut dastehen.

Wichtig ist aber nicht, dass wir vor den Menschen gut dastehen, sondern dass wir vor Gott gut dastehen. Gott sieht unser Herz und er kennt unseren guten Willen, aber auch unsere Schwächen. Wer diese Schwächen und Sünden nicht vertuscht, sondern um Verzeihung bittet, der steht vor Gott gut da, denn Gott ist der barmherzige Vater, der uns dann von diesen Fehlern und Sünden befreit. Amen.

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