Gründonnerstag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Am Gründonnerstag sind so viele wichtige Dinge geschehen und das so geballt und zentriert auf ein paar Stunden, dass es unmöglich ist, alles vollständig zu realisieren und in uns aufzunehmen.

Die Juden feierten das Pascha: die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten. Es ist die Befreiung aus der Sklavenschaft. Gott holt sie aus dieser langen Gefangenschaft und Unterdrückung heraus. Es gingen die grausamen 10 Plagen voraus mit dem Höhepunkt, dass jede Erstgeburt der Ägypter getötet wurde.

Diese Nacht der Befreiung war für die Juden etwas ganz besonderes. Jedes Jahr feierten sie dieses Ereignis mit dem Paschafest und vor dem Paschamahl wird immer die Frage gestellt: „Warum ist diese Nacht so ganz anders als alle anderen Nächte?“ Und dann erzählt der Hausvater die Geschichte von der Befreiung aus Ägypten. Er schildert das Schlachten des Paschalammes und erklärt, an was sie sich erinnern und warum sie sich freuen.

An diesem Tag nun, dem Gründonnerstag, feiert auch Jesus das Paschafest mit den Aposteln. Es ist ebenfalls etwas Besonderes: das letzte Essen, das letzte Abendmahl.

Auch diese Nacht wird so ganz anders sein als alle anderen Nächte. Es ist einerseits die Nacht der Liebe und andererseits die Nacht des Verrats. Der Verrat folgt kurz auf die Liebe. Der Verrat leitet das Leiden Jesu ein, das mit dem Tod am Kreuz endet. Dadurch aber befreit er uns aus der Gefangenschaft der Sünde, so wie damals Gott die Israeliten aus der Gefangenschaft der Ägypter befreite. Die Nacht des Verrats spielt sich auf dem Ölberg ab. Jesus wusste alles und seine Angst drückte sich aus im „Blutschwitzen“. Es ist eine Nacht, in der der Sohn Gottes mit dem Willen des Vaters ringt. Aber der Gehorsam siegt. Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine!

Es ist zweitens die Nacht der Liebe, die vor dem Verrat ihren Höhepunkt hat. Die Nacht der Liebe drückt sich an diesem Gründonnerstag aus: erstens in der Fußwaschung und zweitens in der Einsetzung der Eucharistie.

Das Erste ist ein unendlicher Akt der Demut. Jesus erniedrigt sich und macht einen Sklavendienst. Er, der Herr, wäscht seinen Aposteln die Füße. Es ist verständlich, dass Petrus sich dagegen aufbäumt. Es ist aber nur die Vorbereitung auf das noch Größere. Die Fußwaschung ist ein Zeichen des „Sich-klein-machens“. Wer der Größte sein will, soll der Diener aller sein.

Das noch Größere hingegen ist das „Sich-schenken“ in der heiligen Eucharistie. Er selbst gibt sich uns zur Speise. Er will auch in Zukunft bei uns sein in diesem Geheimnis des Tabernakels. Hier ist er im Leib Christi gegenwärtig. Keiner kann es ganz verstehen. Keiner kann dies Geheimnis ganz durchleuchten. Es bleibt ein Glaubensgeheimnis: die Gegenwart Gottes im Zeichen des Brotes und des Weines.

An jenem Abend setzte er dieses Sakrament ein. Seither feiert die Kirche es jeden Sonntag, ja täglich wird es den Priestern empfohlen. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Bei der hl. Messe geschieht immer Gründonnerstag, Karfreitag – Tod und Ostern – Auferstehung Jesu. Heute werden wir besonders in den Abendmahlssaal geführt. Für den Priester ist es auch ein Augenblick größter Ergriffenheit, denn seine Weihe hat hier ihren Ursprung. Jesus weiht seine Aposteln zu Priestern, zu Bischöfen und gibt ihnen diesen Auftrag, den auch ich bekommen habe. „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Dieses große Geheimnis wollen wir nun begehen und anschließend sind sie eingeladen mit Jesus auf den Ölberg zu gehen und eine Stunde mit ihm zu wachen. Mit der Ölbergandacht wollen wir uns mit Jesus vereinen, der Blut geschwitzt hat und mit dem Willen des Vaters gerungen hat, der aber schließlich „Ja“ zum Willen des Vaters gesagt hat. Dieses „Ja“ zum Willen Gottes wollen auch wir sprechen, auch wenn es uns manchmal schwer fällt. Amen.

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