11. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Es hat einmal jemand die Frage aufgeworfen: Warum ist am Anfang der heiligen Messe der Bußakt, das Bekenntnis der Schuld und die Bitte um Vergebung? Ist das nicht recht unpassend? Wir sind doch zu einem Fest versammelt! Kein Fest beginnt, sich gegenseitig die Fehler zu bekennen und um Verzeihung zu bitten. Am Anfang begrüßt man sich herzlich und man drückt die Freude darüber aus, sich zu diesem Fest zu treffen.

Wer so denkt hat etwas wichtiges nicht bedacht. Die heilige Messe ist sicher ein großes Fest. Sie ist sogar das größte Fest, das wir uns je vorstellen können. Ein größeres Fest auf Erden gibt es gar nicht. Und doch ist ein riesiger Unterschied zwischen der heiligen Messe und z.B. einem Geburtstagsfest oder ein anderes Fest dieser Art. Beim einen wird vielleicht ein Mensch gefeiert, bei der hl. Messe wird Gott gefeiert. Die Menschen, die sich treffen, stehen mehr oder weniger auf der gleichen Stufe. Zwischen Mensch und Gott besteht aber ein unendlicher Abstand. Wir sind Geschöpfe. Er ist der Schöpfer. Wir sind unvollkommen. Er ist der dreimal Heilige.

Und dann geziemt es sich, dass wir, wenn wir an diesem Geheimnis teilnehmen, uns vorher prüfen und das Herz bereiten. Die Sünde ist nicht bloß irgendeine kleine Übertretung eines Gesetzes. Die Sünde ist Lieblosigkeit und Zurückweisung Gottes.

Die Frau im Evangelium hat das in ihrem Herzen besonders gespürt. Sie wusste, dass durch ihre Sünden die Verbindung zu Gott unterbrochen ist. Sie tut etwas sehr eigenartiges. Ist die Situation nicht recht peinlich? Sie grenzt ja fast an einen Skandal. Der Herr ist bei einem vornehmen Pharisäer zum Essen eingeladen. Da stürzt diese Frau ins Zimmer. Sie ist eine verrufene Person, eine stadtbekannte Sünderin. Sie wirft sich weinend vor Jesus nieder. Sie benetzt mit ihren Tränen seine Füße, küßt sie und salbt sie mit Öl. Vielleicht sind zuerst alle wie erstarrt und gelähmt, aber sie warten schon gespannt auf das, was Jesus tun wird. Unser Herz schlägt auf der Seite der Sünderin. Im Haus des Pharisäers war es aber anders. Dieses Verhalten, dass sich Jesus mit Sündern und Zöllnern abgibt, wurde ihm immer wieder von den Pharisäern vorgeworfen.

In unserem Fall wird wieder deutlich, dass Jesus der Heiland der Sünder ist. Er kam, um zu suchen und zu retten, was verloren war, besonders bei denen, die reuevoll umkehren.

Wenn Jesus bei uns Reue findet, ist er auch bereit zu verzeihen und wird uns mit offenen Armen aufnehmen, so wie der barmherzige Vater den verlorenen Sohn aufgenommen hat. Es wundert uns nicht, dass er die Sünderin im Haus des Pharisäers in Schutz nimmt.

Faszinierend an ihr ist der Ausdruck ihrer Reue. Sie scheut sich nicht, sich vor allen Leuten zu demütigen. Sie schämt sich nicht auf die Knie zu fallen und diesen Akt der Reue zu setzen. Tränen wirken peinlich. Es ist ein Skandal, wenn ein Frau ihre Tränen zum Waschen der Füße eines Mannes verwendet.

Diese Reue aber war notwendig, damit Jesus ihr die Sünden verzeihen kann.

Wenn ich meine Sünden nicht bereue, kann Gott mir nicht die Sünden nachlassen.

Wir unterscheiden zwei Arten von Reue: die Furchtreue und die Liebesreue. Welche Reue ist leichter zu erwecken? Natürlich die Furchtreue. Wenn ich mir vorstelle, ich sterbe plötzlich mit meinen Sünden und komme in die Hölle, ist es nicht sehr schwierig meine Sünden aus Angst vor der Hölle zu bereuen. Die Furchtreue genügt für mein Bekenntnis im Beichtstuhl. Sie genügt nicht für schwere Sünden, wenn ich ohne Priester sterbe. Die Furchtreue ist nämlich nicht die vollkommene Reue. Die vollkommene Reue ist die Liebesreue, d.h. ich bereue meine Sünden aus Liebe zu Gott, weil mir bewusst ist, jedes noch so kleine Vergehen ist eine Beleidigung und Kränkung Gottes und zugleich deshalb ein Verlust an Liebe zu Gott und zum Nächsten.

Wenn wir nun nochmal ins Evangelium schauen, können wir sagen, dass bei unserer Sünderin eindeutig die Liebesreue vorhanden war. Sie weint über ihre Sünden aus Liebe zu Gott.

Diese Liebe drückt sie in besonderer Weise aus. Wir sehen es an ihrem Verhalten. Sie benetzt die Füße des Meisters mit ihren Tränen. Sie küßt sie und salbt sie mit Öl. Der Pharisäer hat kein Wasser zum Füßewaschen gegeben. Er hat den Begrüßungskuß verweigert und er hat Jesu Haar nicht mit Öl gesalbt. Die Sünderin tut es mit Jesu Füßen.

Für uns kann dies eine Erinnerung sein, öfter die Liebesreue wieder zu erwecken. Das heißt öfter Gott unsere Liebe zu sagen und um Verzeihung unserer Sünden zu bitten. Das muss nicht unbedingt immer mit Worten geschehen, das kann auch so wie bei unserer Sünderin allein durch unsere Taten, durch unser Verhalten und in Gedanken geschehen. Amen.

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