14. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe! Nehmt nichts mit! Grüßt niemand …“ Mit so manchen Aussagen des heutigen Evangeliums, tun wir uns wahrscheinlich momentan schwer. Wer möchte schon wie ein Schaf mitten unter ein Wolfsrudel geschickt werden? Wer kann in dieser heroischen Armut auf Missionsreise gehen – ohne Geldbeutel, ohne den geringsten Vorrat, gar ohne Schuhe? Wie kann ich so unhöflich sein und niemanden unterwegs grüßen? Wie kann Jesus einer Stadt, die seine Boten ablehnt, ein so schreckliches Gericht androhen? Als er selber einmal abgelehnt wurde, da hat er noch ganz anders gesprochen. Wir erinnern uns an das Evangelium letzten Sonntag. Da wollten die Jünger befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt. Es scheint also auslegungsbedürftig zu sein.

Wie ist das mit dem Satan, der vom Himmel fiel? Und wenn heute ein Missionar auf eine Schlange oder einen Skorpion tritt, müsste er das wohl mit Schmerzen oder gar mit seinem Leben bezahlen. Jesus sagt: „Nichts wird euch schaden können.“

Manche Christen auch in unserem Land sind allerdings tatsächlich in der Situation des Schafes unter Wölfen. Wir sind eine kleine Schar geworden, die am Sonntag in die Kirche gehen und viele sind alt, die nicht mehr ausgesandt werden können. Aber sie können beten und ich bitte sie, betet viel für uns Priester. Der Priester ist ja auch oftmals ein Sünder, der eben unser Gebet braucht. Betet viel für die Jüngeren, besonders vielleicht auch für die paar jüngeren, die noch den Weg in die Kirche finden. Betet für sie, dass sie weiterhin den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen. Die Messe gibt, wie wir wissen, Kraft. Doch wie oft lassen wir uns mitreißen von der Lauheit und von der Bequemlichkeit. Und wir müssen selber aufpassen, dass wir das Feuer des Glaubens nicht verlieren. Wer am Sonntag in die Messe geht, wird von den Wölfen verspottet. Wer sich als Christ bekennt, und wer die Kirche verteidigt, wird mit allen möglichen Vorwürfen konfrontiert und hat es nicht leicht. Der Teufel will, dass wir still sind. Er will uns zum Schweigen bringen. Aber Kapitulation wäre die falsche Antwort. Die Botschaft Christi hat ein Recht, dass sie verkündet wird. Die Wahrheit hat ein Recht, dass sie gesagt wird. Jesus hat uns dies aufgetragen. Geht hinaus! Verkündet das Reich Gottes! Er sendet uns wie Schafe unter die Wölfe!

Und zwar zweitens in Armut. Auf das möchte ich auch noch kurz eingehen.

Die Armut. Papst Franziskus nimmt sie sehr ernst. Erinnert uns daran. Allein schon durch die Wahl seines Namens. Nehmt nichts mit. Auch hier müssen wir uns immer wieder fragen. Passt unser Lebensstandard zum Evangelium? Machen wir nicht manchmal unsere Verkündigung unglaubwürdig durch unseren hohen Lebensstandard, durch unsere Ansprüche und durch unsere Bequemlichkeit?

Die Kirche wird sich auch wieder auf die Armut zurückbesinnen. Die Wölfe sorgen schon dafür. Aber sie wissen nicht, dass dies letztlich gut ist für die Kirche. Eine arme Kirche ist ebenfalls die Kirche Christi. Eine arme Kirche zeigt viel deutlicher das Antlitz Christi. Die Feinde der Kirche werden dies anstreben, und wenn uns alles genommen ist, dann sind wir wieder bei der Botschaft des Evangeliums und damit auf dem Weg Christi. Nehmt nichts mit auf den Weg! Das ist alles Ballast, unnötiger Ballast. Wie leicht lebt es sich, wenn diese Last von uns genommen ist und wir glauben es bloß nicht.

In der Kirche bleibt der, der das Anliegen und die Botschaft der Kirche verstanden hat. Wir brauchen die Kirche, um gerettet zu werden, um erlöst zu werden. Ohne die Kirche Christi ist kein Weg zum Heil. Christus hat die Kirche gegründet, damit wir zu ihm kommen können. Wir kommen nicht alle sofort in den Himmel, weil wir so brav sind. Wir brauchen Erlösung. Vielleicht ist das die Botschaft, die verstärkt verkündet werden muss. Wer nicht sündigt, der braucht keinen Erlöser und braucht Jesus nicht. Wir alle aber sind nicht vollkommen und daher sind wir dankbar, dass der Messias, der uns diese Last von uns genommen hat, gekommen ist. Wir brauchen uns nur in seine Hände fallen lassen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email