28. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Bei der Heilung der 10 Aussätzigen geht es wiederum um die Dankbarkeit, die uns in den letzten Wochen schon beschäftigt hat, weil wir beim Erntedankfest Gott gedankt haben.

Wir können Gott nie genug danken und wir können uns auch nie genug Gedanken über das Danken machen. Daher wollen wir auch heute noch einmal darüber nachdenken, wie wichtig das Danken ist. Denkende Menschen sind auch dankende Menschen.

Ein ergreifendes Beispiel für einen wahrhaft denkenden und dankenden Menschen finden wir in der Lebensgeschichte von Mutter Theresa von Kalkutta: Eines Tages wurde in einer indischen Großstadt ein todkranker, von seiner Kaste ausgestoßener Inder von einer der Schwestern der Mutter Theresa auf der Straße liegend entdeckt und in das Spital gebracht, das die Schwestern gerade für solche arme Menschen führen. Dieser arme Mensch hatte von seinen eigenen Landsleuten bisher nur Misshandlung und Ausgrenzung erfahren und hatte bisher nur die eisig kalte heidnische Lieblosigkeit erlebt.

Nun aber verspürte er zum ersten Mal echt christliche Nächstenliebe. Sein hart gewordenes und verbittertes Herz öffnete sich von Tag zu Tag mehr unter der liebevollen Pflege, obwohl der Tod sich immer mehr näherte und er immer schwächer wurde. Aber der Todkranke fing zu denken und nun auch zu danken an. Er spürte, ich muss die Güte und Liebe dieser Schwestern belohnen. Das stand schließlich bei ihm fest. Aber wie? Er besaß nichts. Er hatte kein Geld. Mit seinen zerrissenen Kleidern konnte er den guten Schwestern sicherlich auch nicht unbedingt eine Freude bereiten, wenn er dies ihnen aus Dankbarkeit nach seinem Tod vererbt. Endlich hatte er eine Lösung. Er rief die Schwester, die ihn bisher so treu und gut gepflegt hatte, an sein Bett und sagte: "Schwester, ich muss bald sterben. Da möchte ich doch aus Dankbarkeit etwas für euch tun. Aber ihr seht ja selbst, ich habe gar nichts, was ich euch geben könnte. Aber wenn ich gestorben bin, dann zieht mir bitte die Haut ab, macht Leder daraus und verfertigt damit Schuhe für euch!" Denkende Menschen sind dankende Menschen! Die Schwestern haben das natürlich nicht gemacht, doch waren sie sicherlich sprachlos und sehr beeindruckt über solch einen Vorschlag.

Bei unserem Evangelium von den geheilten 10 Aussätzigen findet nur einer zu Jesus zurück, der ihm dankt.

Dabei war er wahrscheinlich gar nicht besonders fromm und religiös, sondern das, was er tat, gehört ganz einfach zum Anstand. Das war ein Stück gute Erziehung. Denn warum sollte er nicht umkehren und danken? Er hat ja das Größte erfahren, was er niemals zu hoffen gewagt hätte: Er war vom Aussatz, der damals unheilbar war, vollkommen geheilt. Die Gesundheit wurde ihm wieder geschenkt und dadurch kann er eines neuen Lebens beginnen! Und um dafür zu danken, nimmt er gern diesen kleinen Umweg in Kauf.

Und die neun Anderen? Haben sie aus Bosheit gehandelt? Wohl kaum! Wahrscheinlich aus Gleichgültigkeit oder Oberflächlichkeit. Vielleicht haben sie wirklich nur auf das Danken vergessen. Doch das soll für uns eine kleine Mahnung sein. Ist nicht vielleicht auch bei uns der Mangel an Glauben darauf zurückzuführen? Wir vergessen das Danken, nicht weil wir schwere Todsünden begangen haben, sondern weil wir diese kleinen Selbstverständlichkeiten unterlassen haben. Wir danken nicht, weil wir gesündigt haben aus Gedankenlosigkeit und Vergesslichkeit. Auch diese, wie wir wissen auf den ersten Blick vielleicht unbedeutenden Kleinigkeiten, sind manchmal gar nicht so unwichtig. Bei näherem Hinsehen müssen wir doch auch sagen. Dem Aussätzigen wurde das Leben geschenkt! Was gibt es noch größeres? Hätte Jesus sonst so geklagt und gefragt: „Wo sind die anderen neun? Sind nicht alle gesund geworden?“ Undankbarkeit unter den Menschen kann wirklich auch eine schwere Sünde sein, denn der Undank kann dem Menschen das Herz brechen! Und Undank gegenüber Gott ist Mangel an Glauben, dass er mit uns ist und uns beisteht.

Drücken wir diesen Dank gegenüber Gott auch aus mit unserem Herzen, mit Worten und Taten. Denken wir oft an die Wohltaten Gottes, die er in unserem Leben schon gewirkt hat. Sagen wir es ihm durch unsere Dankgebete nach dem Essen, nach einer guten Beichte, nach der Kommunion, nach einer überstandenen Gefahr, nach einer glücklich vollbrachten Aufgabe und zeigen wir es auch durch gute Werke. Der beste Dank besteht sicher darin, dass wir immer mehr die Liebe Gottes zu uns mit Gegenliebe erwidern. Ein Zeichen dazu ist auch, wenn wir in der hl. Eucharistie ihm die Zeit schenken und sie am Sonntag mitfeiern. Eucharistie heißt Danksagung und wir wollen Gott bitten, dass er uns die Gnade schenke, immer besser und dankbarer an ihr teilnehmen zu können. Amen.

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