29. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Eine wunderbare Geschichte wird uns da von Jesus erzählt, in der eine benachteiligte Frau um ihr Recht kämpft. Eine Witwe war damals auf sich allein gestellt und hatte es sehr schwer.

Der Richter sollte eigentlich dieser Frau helfen. Aber Jesus nennt ihn ungerecht. Er ist ein Mann, der Gott nicht fürchtet und auch keinen Menschen. Obwohl die Frau gegen diesen Mann im Prinzip keine Chance hat, setzt sie sich trotzdem durch. Es ist ein Sieg der Geduld. „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Es kann eine Ermutigung für die vielen sein, die Unrecht erleiden und in scheinbar aussichtslosen Situationen dagegen kämpfen.

Aber geht es hier nur um die Geduld? Nein! Es geht auch um das Gebet. Ja, es geht um das beharrliche Beten. Es geht um das geduldige Beten. Mit diesem Satz wird das Gleichnis eingeleitet. Jesus sagt sogar: „Wir sollen allezeit beten.“

„Ich mag nicht beten!“ Das war vor kurzem die Antwort eines Kindes im Religionsunterricht, als ich wie immer am Anfang die Kinder aufstehen ließ und den Unterricht mit einem kurzen Gebet beginnen wollte. Es hat mich ein bisschen überrascht. Normalerweise beten Kinder noch ganz gern. Doch kommt diese Abneigung manchmal vor, wenn zu Hause überhaupt nicht gebetet wird. Dann ist ihnen das Beten fremd. Dann ist beten etwas, mit dem ich momentan nichts anfangen kann. Denn beten muss auch gelernt werden und gelernt sein.

Immer öfter finden wir Menschen, die überhaupt nicht mehr beten. Es gibt Familien, die kein Gebet mehr kennen. Und Jesus verlangt das Gegenteil: „Betet allezeit.“

Beten heißt: „Mit Gott sprechen.“ Im heutigen Evangelium geht es um das Bittgebet. Dieses Gebet gehört zu den einfachsten Gebeten. Jeder hat Wünsche. Und wenn wir diese Anliegen zum lieben Gott bringen, dann ist das ein Bittgebet. Wir dürfen allerdings nicht den lieben Gott mit einem Automaten vergleichen, in dem wir oben unsere 2 Euro hineinwerfen und unten dann die gewünschte Cola Dose herauskommt. Für viele aber ist Gott so eine Art Automat. Und wenn Gott die Bitte nicht erfüllt, dann bin ich beleidigt und höre auf zu beten. „Dieser Gott“ gibt mir nicht das, was mir zusteht. Aber: Mir steht überhaupt nichts zu. Ich kann nicht sagen, ich habe so viel gebetet und daher habe ich ein Recht auf Erhörung. Das wäre anmaßend. Es ist umgekehrt. Gott hat uns schon so viel geschenkt, dass wir es mit unseren Gebeten gar nicht mehr gut machen können.

Es ist so ähnlich wie die bekannte Rechnung der Mutter. Der Sohn schreibt der Mutter eine Rechnung. Fürs Abtrocken 1 Euro, fürs Einkaufen ein Euro, fürs Zimmer saugen 1 Euro usw. macht 5 Euro. Die Mutter gibt ihm die 5 Euro und schreibt ihm die Rechnung für 10 Jahre Wäsche waschen 0 Euro, für 10 Jahre Essen machen 0 Euro, für 10 Jahre Kleidung kaufen 0 Euro, usw. macht 0 Euro. Der Sohn wird darauf sehr nachdenklich und gibt ihr das Geld zurück.

Ist es nicht so auch beim lieben Gott? Wir möchten ihm immer vorhalten, was wir alles tun und vergessen, was er schon alles für uns getan hat!

Daher wäre das Dankgebet noch viel wichtiger.

 „Betet allezeit!“ Ist der Wunsch Jesu. Dazu ist wichtig, dass wir uns jeden Tag Zeiten zum Gebet bewusst nehmen: Morgen-, Abend- und Tischgebet! Zusätzlich wäre es schön, wenn wir vielleicht auch untertags einen Gedanken an den lieben Gott haben, wenn wir mit den sogenannten Stoßgebeten an den lieben Gott denken. Man könnte die „gute Meinung“ vor einer Arbeit machen. D.h., man richtet das, was man jetzt tut auf Gott hin aus, dann sind wir auch in der Arbeit mit Gott verbunden, dann machen wir die Arbeit zum Gebet.

Je mehr die Welt gottlos wird, desto mehr sind wir aufgerufen einen Ausgleich zu schaffen. Gott würde sich sehr freuen, wenn wir unsere Gebete steigern, wenn wir uns noch mehr mit ihm verbinden. Es wird uns nicht schaden. Er wird es uns tausendfach vergelten, wenn wir ihm dadurch unsere Liebe zeigen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email