30. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten.

Lassen wir momentan die beiden Männer noch beiseite und betrachten wir den zweiten Teil des Satzes: „Sie gingen in den Tempel, um zu beten.“

Ich denke jetzt an alle unsere getauften Katholiken. Wer geht noch in die Kirche, um zu beten? Wen betrifft das? Wer geht am Sonntag noch in die Kirche? Wenn man so seine Beobachtungen macht, sieht man viele Leute am Sonntag den Hund spazieren führen. Man sieht viele sogar, was ja alles löblich ist, mit den eigenen Kindern sich abzugeben. Dann wird das Auto gesäubert, gepflegt und repariert, am Haus gebaut, die Waschmaschine läuft, es wird gebügelt usw.

Dann sehe ich welche, die zwar in den Tempel gehen, aber nicht, um zu beten, sondern um die Messe abzusitzen und hoffen, dass sie bald aus ist. Es wird nicht mitgebetet, sondern nur geschwiegen, es wird rumgeschaut und hoffentlich nicht auch noch gegähnt. Wichtig ist, dass es nicht zu lange dauert.

Und jetzt komme ich drittens zu denen, die am Sonntag in die Kirche gehen, um zu beten. Da gibt es nun beim Gleichnis von Jesus den Pharisäer und den Zöllner.

Der Pharisäer geht nur in die Kirche, um sich „selbst anzubeten“. Es ist eine richtige Litanei, die er dem lieben Gott vorbetet. „Ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen bin, ich faste viel, ich spende viel Geld, ich tue viel Gutes damit usw., immer ich, ich, ich.“ Er braucht Gottes Barmherzigkeit und Gnade nicht. „Der liebe Gott schuldet mir Lohn, weil ich so gut bin. Der Herrgott muss ja schließlich auch froh sein, dass ich in einer Zeit lebe, in der die Zahl der Sonntagsgottesdienstbesucher immer kleiner und kleiner wird und ich mich immer noch, wenigstens gelegentlich, aufraffe und in die Kirche gehe und schließlich bin ich ja ein Muster von einem guten Katholiken. Ich habe nichts gestohlen, niemand umgebracht und niemand betrogen …“ Er denkt nicht daran, dass das Gebot der Liebe, das erste und größte Gebot ist und er denkt auch nicht daran, dass der Stolz die schlimmste Sünde ist.

Ich bin gut und daher brauche ich keine Bekehrung. Ich habe keine Sünden, daher brauche keine Reue, denn ich habe nichts zu bereuen.

Der Zöllner nun ging auch hinauf in den Tempel, um zu beten.

Warum geht dieser gerechtfertigt nach Hause? Weil er demütig und reuevoll war. Der Stolz ist etwas ganz Ekelhaftes in den Augen Gottes. Der Stolz des Pharisäers bricht ihm sein Genick. Hochmut kommt vor dem Fall. Stolz geht dem Sturz voraus. Der Stolz ist manchmal auch mit der Dummheit verheiratet. „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz“, lautet ein Sprichwort. Leere Kornähren stehen hoch, volle Ähren und voll Köpfe, in denen wirklich etwas steckt, neigen sich recht bescheiden.

Dieses Gleichnis möchte uns an die rechte Haltung Gott gegenüber erinnern.

Sie wissen vielleicht, wie das bei einem Kaiserbegräbnis in der Kapuzinergruft in Wien ist. Da wird das deutlich zum Ausdruck gebracht. „Wer begehrt Einlass?“ – „Der Kaiser von Österreich, der König von Ungarn …“ – „Den kenne ich nicht!“ Immer weniger wichtige Titel des verstorbenen Herrschers werden genannt. Immer wieder heißt es. „Den kenne ich nicht.“ Sogar als zuletzt nur noch der Name des verstorbenen Herrschers genannt wurde, hieß es. „Den kenne ich nicht.“ Erst als es hieß. „Ein armer Sünder begehrt Einlass!“, dann wurde aufgemacht.

Zwei Menschen vor Gott. Beide stehen im Tempel, beide glauben zu beten, aber nur einer betet wirklich. Nur diesem einem ist bewusst, dass er ein Sünder ist. Einer hat Reue und nur dieser wird von Gott gehört. Dem demütigen, reuigen Zöllner wird aufgetan, denn er geht gerechtfertigt nach Hause. Und so wird jedem anderen auch einmal das Himmelstor geöffnet, wenn er erkennt, dass er ein Sünder ist, dass er die Verzeihung Gottes braucht, dass er die Barmherzigkeit Gottes braucht. Die innere Gesinnung muss sein: „Gott, sei mir armen Sünder gnädig.“, denn vor Gott kann sich keiner rühmen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email