31. Sonntag im Jahreskreis
2013 C
logo
Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Der arme Zachäus! Er ist klein von Gestalt. Er möchte Jesus sehen und in dem Gewimmel von Menschen hat er keine Chance. Darum steigt er auf einen Baum. Hier muss Jesus vorbei kommen. Hier habe ich einen guten Platz, um diesen Mann, von dem ich schon so viel gehört habe, näher zu betrachten. Jesu Ruf ist ganz außergewöhnlich. Er heilt Kranke. Er gibt sich mit Sündern ab und vergibt sogar die Schuld. Sünden kann aber nur Gott nachlassen. Daher möchte ich mir diesen Menschen anschauen, denn auch ich werde als Sünder abgestempelt wegen meines Berufes als Oberzöllner. Aber ich habe ja auch wirklich bisher kein frommes Leben geführt und Menschen ausgenommen, zu viel Geld von ihnen verlangt, und sie dadurch betrogen.

Im Herzen dieses Zachäus liegt eine große Sehnsucht nach Jesus, der anscheinend mehr ist als bloß ein Mensch. Er ist einer, der mit göttlichen Ansprüchen auftritt und dabei natürlich Anstoß erregt. Ist er vielleicht der Messias? Ist es der Retter der Menschheit, die ja wirklich in der Sünde steckt? Wir alle sind doch erbarmungsvolle Sünder. Möge auch in unseren Herzen diese Sehnsucht nach Jesus wieder steigen und zunehmen. Wer keine Sehnsucht hat nach Jesus, der sucht Jesus nicht, der geht auch nicht in die Messe und dem „bringt die Messe nichts“.

Allerheiligen habe ich einen Menschen bemerkt, der sonst nicht in die Kirche findet, der nur zu „aller heiligen Zeiten“ geht. Bei dem hat man schon von weitem gesehen, dass er keine Sehnsucht nach Jesus hat: Ein großes Gähnen, wenn er die Augen aufgemacht hat. Dann hat er in der Kirche herumgeschaut. Das, was der Pfarrer da vorne machte, war ihm ganz egal. Seine Gedanken waren wahrscheinlich: „Der geht mir ziemlich auf die Nerven und hoffentlich ist die ganze Beterei bald vorüber.“ Sein Denken konnte man wirklich an seinem Gesichtsausdruck ablesen: „Es ist schon eine große Überwindung für mich heute in die Kirche zu gehen, weil man an Allerheiligen halt doch geht.“ Das ist das Gegenteil von Sehnsucht. Und ich gebe zu, es wäre bei mir auch nicht mehr viel Andacht gewesen, wenn ich weiterhin in die Menschen geschaut hätte. Ich habe nun bewusst versucht, mich auf das Gebet zu konzentrieren.

Zachäus hatte eine große Sehnsucht nach Jesus und damit nach Wahrheit, nach Vergebung und nach Liebe. Als Jesus nun sogar auf ihn zukommt, übersieht er ihn nicht, sondern spricht ihn auch noch an. Der Höhepunkt ist, dass Jesus sogar in sein Haus kommen will. Das hat er überhaupt nicht erwartet. Nun wird aus dieser Sehnsucht das Versprechen, sein Leben zu ändern. Ab jetzt will er mit den Armen teilen und gerecht sein. Das ist die Folge einer echten Bekehrung: der Wille nach Wiedergutmachung.

Jede Sünde schreit nach Wiedergutmachung. Es genügt nicht zu sagen: „Ich bereue es! Lieber Gott, verzeih mir! Du musst mir verzeihen, denn du bist ja der barmherzige Gott.“ Das wäre ganz und gar falsch und hochmütig, ja frevelhaft. Die Reaktion des Zachäus ist wahre Demut und ein richtiges Einschätzen von Sünde. Es wäre gut, wenn auch wir uns diese Denkweise aneignen würden. Zachäus sagt nicht: „Ich werde das zurückgeben, was ich zuviel gefordert habe.“ Nein! Das Vierfache möchte ich zurückgeben, wenn ich zuviel gefordert habe. Er rechnet nicht nach dem alttestamentlichen Regeln: „Aug um Aug, Zahn um Zahn.“ Plötzlich ist die mathematische Rechnung nicht mehr „wenn ich dir eines schulde, so gebe ich dir eines zurück“, sondern das Vierfache. Ich möchte Gutes tun und ich rechne jetzt nicht mehr genau auf, dass ich eben nur so viel gebe, wie nötig. Das christliche Denken ist weitherzig. Es will in Fülle geben und daher kann Jesus zu ihm sagen: „Heute ist diesem Haus das Heil geschenkt worden.“ Heute geschah bei dir, lieber Zachäus, Sündenvergebung. Heute kannst du jubeln und froh sein, denn Gott hat alles gut gemacht. Bei jedem, der so denkt und handelt, kann Jesus sagen: „Dir ist Heil geschenkt worden.“ Suchen auch wir dieses Heil. Auch unsere Gesinnung soll die eines Zachäus sein. Es soll erstens die Sehnsucht nach Jesus in unserem Herzen wecken und zweitens soll der Wunsch nach Wiedergutmachung, falls wir gefehlt haben, in die Tat umgesetzt werden. Dann heißt es für dein Herz auch: „Heute wurde dir das Heil geschenkt.“ Amen.

logo
piwik Datenschutz
© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email