9. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wir hörten im heutigen Evangelium den vertrauten Satz, den wir etwas abgewandelt immer vor der heiligen Kommunion beten: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort …“

Es ist der Hauptmann, der deswegen von Jesus gelobt wird, weil er ein solches Vertrauen hat, dass Jesus durch sein Wort auch aus der Ferne heilen kann. Und Jesus kann auch unsere Seele heilen. Wer dieses Gebet in der heiligen Messe ehrlich spricht, weiß um seine Schwäche, seine Hilfsbedürftigkeit, seine Schuld und Sünde. Es ist wichtig, dass wir immer wieder diesen demütigen Blick in unser Herz machen und dass wir Gott das nicht verheimlichen, was nicht gut ist in uns. Auch zu Beginn der heiligen Messe ist der Bußakt kein Versehen, sondern ein fast möchte ich sagen lebensnotwendiges Gebet und eine notwendige Bitte, Gott um sein Erbarmen anzurufen. Wir wollen immer wieder auch eingestehen, ich bin nicht o.k., ich bin nicht ganz in Ordnung. Wie viele sehen den Splitter im Auge des Nächsten und den Balken im eigenen Auge nicht. In der heutigen Zeit lautet oft die Devise: Durchsetzungsvermögen, Selbstbehauptung, ja Selbst-Heiligsprechung. Und das „an die eigene Brust klopfen“ ist unmodern und scheint überholt.

Doch in Wirklichkeit komme ich auf diesen Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein, das die Christen haben dürfen. Wir sind Ebenbilder Gottes und das gibt uns Menschen die große Würde. Dieses Abbild Gottes wird manchmal verschmutzt und ist nicht mehr so deutlich zu sehen. Daher wollen wir dieses makellose Abbild Gottes in uns immer wieder herstellen, in dem wir demütig darum bitten. „Herr, ich bin nicht würdig …“ Durch die Gnade Gottes wird das Abbild Gottes in uns wieder zum Glänzen gebracht.

Wer war dieser Hauptmann, der so demütig Jesus seine Bitte vortrug? Was wissen wir von ihm? Er war „nur“ ein Heide. Er war nicht Mitglied der jüdischen Gemeinde. Er war „nur“ ein Fremder, ein Römer. Er war nur einer von der an sich verhassten Besatzungsmacht. Aber er war den Juden positiv gesinnt. Er hatte Respekt vor diesem Glauben an den einen Gott. So war er ein großmütiger Mann und hat sogar ihre Synagoge erbaut. Daher waren die Leute sehr dankbar. Er war ein fürsorgender Mann, der sich hier nun einsetzt für einen Knecht, einen schwerkranken Sklaven. Er ist, wie gesagt, ein glaubender Mann, der Jesus zutraut, dass ein Wort von ihm ausreicht und dass er sogar aus der Ferne heilen kann. Er ist ein bescheidener Mann, wenn er sagt: Jesus, deswegen musst du nicht eigens kommen. Der römische Hauptmann weiß ja, dass die Juden nicht gerne in die Häuser der Heiden gehen. So will er dies auch Jesus nicht zumuten.

Nun merkt man auch, dass Jesus über so einen Glauben überrascht war. So einen starken Glauben hat er bisher nicht angetroffen bei den Juden, beim auserwählten Gottesvolk.

Auch hier dürfen wir für uns die Ermutigung holen, wagemutig zu bitten. Keine Bitte ist zu unverschämt. Um alles dürfen wir bitten. Alles dürfen wir von Gott erwarten und ihm alles zutrauen. Sicher wird Gott nicht alle unsere Wünsche erfüllen. Aber eines erfüllt er ganz bestimmt, wenn wir darum bitten: Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Er wird uns in unserem Innern, im Herzen gesund machen, wenn wir uns von ihm ansprechen lassen. Er spricht uns immer wieder an mit seinem Wort. Das Wort ist Fleisch geworden. Durch die Worte Jesu werden wir angesprochen. Sein Wort ist für uns Medizin, wenn wir sie einnehmen. Wenn wir sie verinnerlichen, dann hilft sie. Jesus will uns dadurch heilen, sodass wir wieder ein schönes Abbild Gottes sind. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email