Karfreitag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Seht, das Kreuz! Heute steht das Kreuz im Mittelpunkt. Im Kreuz ist Heil. Im Kreuz ist Leben. Im Kreuz ist Hoffnung! Das Kreuz ist der Schlüssel, der uns den Himmel erschloss. Das dürfen wir nie vergessen, wenn wir das Kreuz betrachten. Die Schuld, die zwischen uns und Gott lag und die uns den Himmel verschloss seit Adams Ungehorsam, ist durch das Kreuz aufgehoben. Wir wissen, das Kreuz ist ein Ärgernis für viele, die es nicht verstehen. Das war damals schon so und darum schrieb der hl. Paulus bereits, dass das Kreuz für die Juden ein empörendes Ärgernis ist und für die Heiden eine Torheit. Für uns Christen aber Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Das Kreuz ist für uns Christen ein Zeichen der Liebe. Wir sehen beim Betrachten des Kreuzes nur die Liebestat des Sohnes Jesus Christus für uns Menschen. Aus Liebe gibt er sein Leben hin. Aus Liebe zu uns und aus Liebe zu seinem Vater ist er diesen mühevollen Weg gegangen. Er hat mit seinem Vater diesen Tod in Liebe beschlossen. Das gibt seiner Tat ihren einzigartigen Wert, fordert aber auch unsere ganze Gegenliebe heraus. Auch wir müssen deshalb lieben und den Nächsten und Gott durch unsere Gegenliebe danken.

Das Sterben Jesu ist ein Akt seiner Freiheit gewesen. Nicht weil er musste, sondern ohne irgendeinen Zwang, freiwillig hat er uns dadurch erlöst. Er hätte ja eine Legion Engel aufbieten können, wenn er wollte, so sagte er dem Pilatus. Das wäre keine Schwierigkeit für ihn gewesen.

Der Gedanke hier, dass Jesus Gott ist, macht sein Leiden noch ergreifender. Unmenschliche Qualen haben auch zahllose heilige Märtyrer erlitten. Bei Jesus aber sehen wir einen Menschen blutüberströmt von den Striemen der Geißelung und ans Kreuz geschlagen. Und dieser Mensch ist Gott! Dieser lebendige Gott ist es, der mit einem Blick voll Leid und Liebe vom Kreuz herab auf uns schaut. Er ist in diesem Augenblick ein Gott, der sich nicht bewegen kann, obwohl er die ewige Allmacht ist, denn die Sünde hat ihn festgenagelt. Bewusst wollte er dadurch die Menschen mit seiner Gnade erfüllen und sie zu sich in den Himmel holen. „Heute noch wirst du bei mir im Paradiese sein.“

Der Grund für sein Leiden war also die Sünde. O Menschheit, schau auf deinen Schöpfer am Kreuz. Festgenagelt, schweigend wartend auf die Bekehrung der Sünder! Sehnsüchtig wartet er auf das Wort, das der rechte Schächer gesprochen hat: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Diese Sehnsucht des rechten Schächers am Kreuz nach dem Himmelreich soll bei jedem Menschen im Blick auf das Kreuz und auf Jesus wachgerüttelt werden.

Das Schlimmste für den Gottmenschen war wahrscheinlich der Gedanken, dass für so manche sein Sühneleiden umsonst war, dass er für diese Menschen sein Blut umsonst vergossen hat, dass manche trotz aller Gnade, ihn weiter ablehnen, weiter sündigen und freiwillig Gott von sich wegstoßen. Wie muss ihm das Herz wehtun, wenn dieser Gedanke in ihm aufsteigt! Umsonst gelitten und wäre es nur für eine Menschenseele, die für ewig verloren geht. Daher möchte er Menschen finden, die besonders am heutigen Tag bei seinem Leiden dabei sind und ihn durch die Anwesenheit allein trösten. Bei jeder hl. Messe, die wir mitfeiern, geschieht diese tröstliche Anwesenheit. So wie Maria und Johannes unterm Kreuz standen und durch ihre Anwesenheit Jesu großer Trost waren, so wollen auch wir oft unterm Kreuz verweilen und unser tägliches Kreuz annehmen und dadurch mitleiden und dadurch dürfen wir mitwirken an der großen Erlösungstat Christi. Amen.

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