5. Ostersonntag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Bald beginnt der Monat Mai. Er ist, so könnte man sagen, der Monat der Liebe. Warum? Er ist erstens der Marienmonat. Er ist der Gottesmutter geweiht, die auch in besonderer Weise die Liebe gelebt hat. Er ist zweitens der Monat, wo die Natur zu blühen beginnt. Die Blumen erfreuen unser Herz und besonders die Rosen, die bei den Blumen einen besonderen Stellenwert haben stehen auch für die Liebe. 3. Der zweite Sonntag im Monat Mai ist Muttertag. An diesem Tag wollen wir den Müttern unsere Liebe wieder zeigen. Und heute steht im Evangelium der schlichte Satz, der für einen Christen kennzeichnend sein muss: „Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.“ Auch wenn wir hier immer wieder hinter dieser hohen ethischen Anforderung zurückbleiben, ist es doch das, was für uns Christen ausschlaggebend ist. Es ist das, was einen Christen ausmacht und charakterisiert. „Seht wie sie einander lieben.“, so heißt es in der Apostelgeschichte von den Urchristen. Man hat den Christen erkannt an der Liebe, nicht am Streiten! Heute muss man schon gut abstrahieren können, sodass dieser Satz auch für uns Christen zutrifft, damit wir nicht sagen müssen. Seht, wie sie miteinander streiten, wie sie aufeinander losgehen, wie sie sich gegenseitig bekämpfen.

Meister Ekkehard (+973), ein Mönch von St. Gallen, wurde einmal gefragt, welches der wichtigste Mensch sei, die wichtigste Stunde und die wichtigste Tat im Leben. Ohne großes Nachdenken antwortete er: "Der wichtigste Mensch ist der, der dir jetzt begegnet, die wichtigste Stunde, das ist die gegenwärtige, und die wichtigste Tat, das ist eine Tat der Liebe, die du jetzt und heute tun kannst. Morgen könnte es bereits zu spät sein."

Was können wir tun, dass wir diesem Idealbild immer mehr entsprechen? Die Liebe ist ja doch eine übernatürliche Tugend. Sicherlich, Gott hat uns die Gabe der Liebe geschenkt: wir können lieben! Und doch müssen wir aber immer wieder uns darum bemühen. Liebe muss man auch lernen, damit wir Fortschritte machen in der Liebe und damit wir die Gnade geschenkt bekommen, noch mehr zu lieben. Ich kann nicht sagen: „Ab heute liebe ich noch mehr.“ Gott muss mir dabei helfen!

Wie kann ich z.B. die Feindesliebe üben? Wie kann ich mich hier verbessern? Das Gefühl, jemand zu lieben, den ich nicht mag, ist nicht da! Wie soll das also gehen? Man kann z.B. versuchen, positive Seiten dieses Menschen zu suchen und anderen davon zu erzählen, auch wenn es uns schwer fällt, und wenn wir lieber seine schlechten Seiten weitererzählen möchten, wo er uns gekränkt hat, wo er uns beleidigt hat, und wo wir von ihm mit Worten seinerseits schlecht gemacht wurden. Wir dürfen Gleiches nicht mit Gleichem vergelten. Diese Anforderung Jesu an uns war damals wie heute genau gleich schwer. Und doch, liebe Brüder und Schwestern, werfen wir die Flinte nicht ins Korn und sagen: „Das geht ja gar nicht.“ Beginnen wir zuerst mit dem Verzeihen. Bemühen wir uns, dass wir dem anderen nichts mehr nachtragen, und versuchen wir dann den nächsten Schritt: Aufeinander zuzugehen, miteinander wieder zu reden und vielleicht sogar miteinander wieder zu lachen.

Der Monat Mai ist der Monat der Liebe. Blumen können Streit vergessen lassen. Blumen, als Geschenk, können Versöhnung stiften.

Und auch die Gottesmutter kann uns hier helfen. Sie ist die Mutter der schönen Liebe. Sie hat die Liebe in ihrer Höchstform gelebt. Gehen wir in diesem Monat oft zu den Maiandachten. Dort wollen wir sie ehren und anrufen. Ihre Hilfe wollen wir erbitten, dass wir ihre Liebe nachahmen dürfen, dass wir ihre Liebe in unserem Leben in die Tat umsetzen dürfen, und dass wir oft Zeichen der Liebe setzen dürfen. Besonders die Liebe zu Christus soll in unserem Herzen vorherrschen. Jesus Christus selbst ist die Liebe. Gott ist die Liebe. Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und der kann Gottes Liebe auch weitergeben, sodass die Umwelt, der Nächste und unser Mitmensch ebenfalls von der Liebe ergriffen wird und staunend ausrufen kann. „Seht wie sie einander lieben.“ Auch ich möchte so leben, auch ich möchte lieben. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email