Palmsonntag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Über den heutigen Tag, dem Palmsonntag, liegt eine eigenartige Stimmung. Auf der einen Seite zieht Christus feierlich in Jerusalem ein mit den Hosanna-Rufen des begeisterten Volkes. Auf der anderen Seite wissen wir, wie dieses Hosanna-Rufen sich in wenigen Tagen wandelt in das „Kreuzige ihn“. Jesu Leidenswoche beginnt also mit einem Triumphzug hinein in die Stadt Jerusalem. Überall wird ihm zugejubelt. Ist das nicht schön? Wie wird sich Jesus gefühlt haben? Die Leute sind von ihm begeistert. „Hosanna dem Sohne Davids!“, rufen sie. Aber nicht alle. Es gibt an diesem Tag, wo er auf einem Esel reitend als König verehrt wird, wo ihm Kleider und Palmzweige als Teppich hingelegt werden und wo ihm so zugejubelt wird, vier verschiedene Gruppen:

1. Die Abwesenden

Das sind die meisten Pharisäer und Schriftgelehrten, der Hohe Rat, die Geistlichkeit, denen das Geschehen total zuwider läuft. Sie sind die hasserfüllten und verbissenen Gegner Jesu. Sie möchten ihn beseitigen, sitzen wahrscheinlich hinter ihren Schriftrollen und suchen vergeblich, Jesus mit der hl. Schrift zu überführen. Aber er muss sterben, das ist beschlossene Sache. Einen Plan haben sie schon.

2. Die Unzufriedenen

Einige Pharisäer aus der Menge, die doch die Neugierde gepackt hat und die sich wahrscheinlich besonders geärgert haben, weil die Menschen ihm so zujubeln. Diese Pharisäer rufen Jesus zu: „Meister, bring deine Jünger zum Schweigen.“ Er aber entgegnete ihnen: „Ich sage euch: Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“ Heute lässt sich Jesus feiern. Bisher hat er es immer abgelehnt. Er will ja kein irdischer König sein. Sein Königreich ist nicht von dieser Welt. Heute zeigt er ihnen, dass es für ihn ein Leichtes gewesen wäre, den Anführer zu machen und alle so zu begeistern, dass sie ihm folgen.

3. Die Mitläufer

Das ist die größte Gruppe. Das sind die, deren Begeisterung innerhalb sechs Tagen vollständig umschlägt und die dann rufen: „Ans Kreuz mit ihm!“ Diese Leute folgen der Mehrheit. Sie haben keine selbständige Meinung und sind wie die Windfahnen. Auf sie ist kein Verlass. Das, was sie heute sagen, kann morgen schon vergessen sein. Wie muss sich Jesus gefühlt haben, da er dies doch wusste? Wie oft sind auch wir schwache Menschen und lassen uns von der Menge mitreißen, von der allgemeinen Meinung?

4. Die überzeugten Jünger

Sie sind es, die mehr oder weniger still Jesus begleiten, sich zwar mitfreuen über den Jubel, vielleicht aber schon auch eine gewisse Vorahnung haben. Sie sind innerlich von seiner Wahrheit überzeugt. Heute freuen sie sich mit Jesus. Dann gehen sie aber auch mit ihm den Kreuzweg und leiden mit ihm. Nur ganz wenige sind es, die ihm sogar bis unters Kreuz folgen werden. Eine traurige Sache. Von den Aposteln nur der Jüngste: Johannes, der Lieblingsjünger, hat als Einziger den Mut.

Auf welcher Seite wären wir am Palmsonntag gestanden, als der Heiland in Jerusalem einzog? Auf Seiten der Abwesenden, der Mitläufer, der Überzeugten? Die Abwesenden sind die, für die nur irdische, persönliche Interessen ausschlaggebend sind, für die es besser ist, dass „ein Mensch für das Volk stirbt“. Die Abwesenden gehen über Leichen, um ihre Ziele zu erreichen. Die Mitläufer denken oberflächlich, haben keine böse Absicht, lassen sich aber auch zum Mitschreien am Karfreitag verführen.

Ein überzeugter Jünger ist der, der treu ist. Der nicht nur Ostern in die Kirche geht und ihm zujubelt, weil er von den Toten auferstanden ist. Ein überzeugter Jünger ist der, der ihm bis unters Kreuz nachfolgt. Wir wollen als überzeugte Jünger in die Karwoche eintreten, damit wir auch in Wahrheit als überzeugte Jünger seine Auferstehung mitfeiern dürfen. Amen.

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