Heilige Familie
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Die Stelle im Evangelium zeigt uns, dass es auch in der Heiligen Familie nicht immer ohne Sorgen abgegangen ist. Maria und Josef haben selbstverständlich Angst, dass Jesus etwas passiert ist. „Wie konntest du uns das antun?“ Wir stellen uns oft vor, dass in der Heiligen Familie immer Freude und Frieden herrschten und dass ihr Leben ohne Kummer war. In dieser Familie war doch der Gottmensch als Sohn, der ohne Sünde ist und Maria, der einzige Mensch, der ohne Sünde ist. In dieser Familie war doch deswegen wirklich alles in Ordnung. Aber nichts dergleichen! Schon die Geburt war voller Sorgen: keine Herberge, keine Unterkunft, nur Not und Ratlosigkeit! Wo können wir unterkommen? Ein armseliger Stall! Dann die Flucht nach Ägypten! Erneut Strapazen und Mühen! Und dann wird uns wiederum von einer Episode berichtet, in der wir nichts vom schönen, ruhigen, glücklichen Familienleben hören, sondern von Spannung. „Wie konntest du uns das antun?“ Dieser Satz ist schon ein herber Vorwurf. Er hat ihnen wirklich was angetan. Das gab doch den Eltern ein Stich ins Herz: die Sorge um das Kind. Ist ihm etwas passiert? Wurde er entführt? Was ist los? Er ist doch sonst nie einfach ohne etwas zu sagen weggelaufen!

Es war für die Eltern auf alle Fälle ein besorgniserregendes Ereignis. Drei Tage haben sie ihn gesucht. Das sind nicht drei Stunden. Ich kann mich noch erinnern, wie ich meine Mutter einmal als Kind ungefähr eine Stunde auf einem Adventmarkt gesucht habe und sie mich. Wie groß war hier schon die Sorge. Eine Stunde voller Sorgen kann lang dauern. Drei Tage aber sind ein bisschen länger.

Und das ganz Überraschende ist die Ruhe, mit der Jesus diese Sorge abtut und anscheinend gar nicht versteht. Warum? „Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters bin.“ „Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“ Und er spricht von einem anderen Vater: Vom Vater im Himmel! Haben die Eltern vergessen, dass Josef nicht der leibliche Vater war? Spätestens hier werden sie wieder daran erinnert.

Diese Sorgen von Jesu Eltern lassen uns nachdenken über die Sorgen vieler Eltern von heute. Wie viele haben Probleme mit ihren Kindern? Sie finden sie allerdings nicht in der Kirche. Ich spreche heute zu vielen Großeltern. Haben sie noch Sorge, dass ihre Kinder und Enkelkinder nicht in die Kirche gehen? Beten sie noch für sie? Oder haben sie schon resigniert? Es hat ja doch keinen Sinn. Ist es ihnen noch ein Anliegen? Tut es noch weh im Herzen? Ist ihnen die Seele ihrer Kinder und Enkelkinder wichtig? Sie können leider nur noch beten, aber das ist doch etwas. Das ist etwas ganz Großes vor Gott.

Bitte hören sie nie auf zu beten. Jeden Tag ein konkretes Gebet für dieses Anliegen! Wer im Gebet treu bleibt, den wird Gott erhören.

Die heilige Monika hat für ihren Sohn gebetet, und deswegen ist Augustinus ein so großer Heiliger geworden. Das geht auch in der heutigen Zeit. Es gibt Bekehrungen. Darauf dürfen wir vertrauen. Ich hab sie selber schon erlebt. Und das darf uns Trost sein.

Das Fest der Heiligen Familie sagt uns heute: Bete und suche dadurch Jesus und sei nicht überrascht, wenn du ihn in der Kirche findest. Er wird dir dann sagen: Ich bin bei meinem Vater. Ich bin der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist für euer Heil. Und ich war in einer Familie, in der auch nicht alles eitle Wonne war, sondern die Sorgen, die kamen, wurden gemeistert, wurden bewältigt. Mit Gottes Hilfe schaffen auch wir es, die Probleme, die wir haben, zu lösen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email