16. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Zu diesem Evangelium ist mir der Grundsatz aus der Tradition der Benediktiner eingefallen: „ora et labora“. „Bete und arbeite!“ Dieser Grundsatz beschreibt sehr gut die Regel des hl. Benedikt, die unser Abendland prägte. Viele Orden leben auch heute nach dieser Benediktinerregel.

„Ora et labora“, so könnte man auch dieses Evangelium betiteln, denn beides ist wichtig. Bete und arbeite, nicht bete oder arbeite.

Es ist nicht schwer die beiden Wörter auf die zwei Frauen zuzuordnen. Es liegt auf der Hand, dass Maria zum Wort „ora“ – „beten“ gehört und Martha die „arbeitende“ Frau ist. Und wenn Jesus die Martha ein wenig rügt, dann nicht deswegen, weil das Arbeiten nicht notwendig ist, sondern höchstens deswegen, weil das „ora“ an erster Stelle steht und weil Martha sich beschwert hat.

Gott steht immer an erster Stelle und daher ist es wichtig, sich diese Zeit für Gott zu nehmen. Maria hörte dem Herrn zu. Man könnte es auch Betrachtung nennen. Betrachtung ist Gebet. Sie möchte mehr über Gott und sein Reich wissen. Sie sitzt bei Jesus und erwägt seine Worte. Wenn ich jemanden liebe, dann möchte ich mehr über ihn wissen. Wer Gott liebt, der möchte auch mehr über ihn wissen und wird sich weiterbilden. Wer Gott liebt, möchte den Glauben näher kennenlernen. Maria hat diese Sehnsucht im Herzen. Sie will viel über Jesus wissen, über seine Lehre, über Gott! Deswegen ist momentan alles andere für sie unwichtig, und sie hängt mit ihren Augen an den Lippen ihres Meisters und vergisst, dass sie auch ihrer Schwester helfen könnte.

Martha steht nun für das „labora“, für das Arbeiten. Auch das ist wichtig. Der Mensch ist berufen zur Arbeit. „Mach dir die Erde untertan.“ Das ist ein Auftrag Gottes nach der Erschaffung des Menschen. Wie schlimm ist es, wenn Menschen arbeitslos sind, wenn sie keine Aufgabe haben und kein Geld verdienen. Der Staat wird alles tun, um die Arbeitslosigkeit möglichst gering zu halten. Wenn der Mensch keine Arbeit hat, ist das für ihn nicht leicht, nicht nur weil es ihm finanziell schlechter geht, sondern weil er sonst nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Er wird ein Tachinierer, ein Faulenzer. Martha weiß um ihre Aufgabe. Jesus, der ein Freund des Hauses ist und nun zu Besuch kommt, muss natürlich auch entsprechend empfangen und verköstigt werden. Sie ist fleißig in der Küche und wird sich für das leibliche Wohl der Gäste sorgen. Sie bereitet sicherlich das beste Essen vor und hat alle Hände voll zu tun. Und es ist auch allzu menschlich, wenn sie sich darüber ärgert, dass sie allein gelassen ist, nicht weiß vor lauter Arbeit, was sie als erstes tun soll und dass ihre Schwester ihr nicht hilft.

Für mich ist also eine Botschaft des Evangeliums das „ora et labora“ – „das bete und arbeite“. Beides ist im Leben des Menschen notwendig. Das Lob Gottes, das Gebet, die hl. Messe am Sonntag, das Ausruhen am Sonntag und das Arbeiten. 6 Tage sollst du arbeiten, am 7. Tage sollst du ruhen. Wer eines von beiden streicht, dem fehlt etwas Wesentliches für sein Leben und daher hat sich dieser Grundsatz gehalten und wird sich auch in Zukunft bewähren. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email