21. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Wenn wir dieses Evangelium hören, dann klingt das in unseren Ohren natürlich sehr dramatisch. Wie viele werden gerettet? Nur 144000 wie die Zeugen Jehovas behaupten? Wir wissen es nicht. Jesus gibt keine konkrete Antwort, sondern verlangt unser Bemühen. Er spricht von der engen Tür.

Da denke ich sofort an die Geburtskirche Jesu in Bethlehem. Den Eingang hat man so stark verkleinert, dass er nur noch 120 cm hoch und 79 cm breit ist. Da kommt niemand hinein, der auf dem hohen Ross sitzt. Wer die Geburtskirche betreten will, der muss sich richtig bücken, klein machen, sonst kommt er nicht rein.

Enge Türen gab es früher auch an den Stadttoren. Abends wurden die großen Tore dicht gemacht. Wenn ein Kaufmann zu spät dran war, war das Stadttor verriegelt, und nur eine kleine Tür, ein streng bewachtes Schlupfloch, ließ sich noch öffnen. Das bekannte Nadelöhr. Eher geht ein Kamel durch Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.

Wer da zu spät war und mit großem Gepäck angereist kam, der konnte die Nacht draußen vor dem Tore verbringen, stets in der Gefahr, von Räubern ausgeplündert zu werden.

Jesus fordert seine Zuhörer heute auf, sich nach Kräften zu bemühen, um durch die enge Tür zu kommen, die zum himmlischen Festsaal führt.

Was das heißt, sich nach Kräften zu bemühen, das wissen nicht nur die Sportler. Wer gut sein will, muss täglich trainieren. (In Rio sehen wir das schon seit Wochen. Nur die besten bekommen eine Medaille.) Wer siegen will, braucht Disziplin, muss auf so einiges verzichten. Ohne Schweiß kein Preis! Der Ausdruck „sich nach Kräften bemühen“ ist noch harmlos übersetzt. Eigentlich steht im Original ein Begriff, der meint: kämpfen mit aller Kraft, bis zum letzten, kämpfen auf Leben und Tod. – So drastisch formuliert das Jesus! Und er spricht davon, dass viele versuchen hineinzukommen und es nicht schaffen. Er wendet sich an die, die mit ihm gegessen und getrunken haben, an die, denen er gepredigt hat. Sie haben die Wahrheit gehört und sie haben von Jesus geoffenbart bekommen, um was es geht. Das ist eine große Gnade, und Jesus verlangt von diesen ein besonderes Bemühen, sonst hören wir die furchtbaren Worte. „Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan.“

Wenn ich das Evangelium aber bis zum Ende so durchbetrachte, sehe ich eine überraschende Wende und eine eigentlich doch frohmachende Botschaft. Man wird von Osten und Westen, von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Von überall her, werden die Leute also sein, die im Himmel sind. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Und der Himmel steht offen wir alle Menschen, die auf der Erde leben. Allen gilt die Einladung. Und so manche, die nicht die Gnade hatten, von der Wahrheit Christi zu hören, Gegenden, in denen es verboten ist, Christ zu sein. Da gibt es sicherlich auch Menschen, die die Wahrheit suchen, die nach ihrem Gewissen leben, die Gutes tun und das Böse meiden. Auch denen, steht der Himmel offen.

Es ist also genügend Platz im Reich Gottes. Wie viele gerettet werden, das hat Jesus nicht beantwortet, und das können daher auch wir nicht beantworten. Es bleibt die Ungewissheit, und es bleibt auch für uns nur der Hinweis Jesu: Bemüht euch mit all euren Kräften. D.h. wer sich aber bemüht, der wird hineinkommen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email