23. Sonntag im Jahreskreis
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Im Evangelium hörten wir heute den provokanten Satz: „Darum kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ Ein Satz, den sich der hl. Franziskus zu Herzen genommen hat und der auch auf unseren Heiligen Vater passt, weil er auch diese einfache Lebensweise nicht nur predigt, sondern auch vorlebt.

Und auch der andere Satz ist nicht ohne. Schwer zu verdauen: „Wer nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, das alles gering achtet, kann nicht mein Jünger sein.“

Aber hat nicht Jesus selbst auch das alles vorgelebt? Als Wanderprediger ist er durch die Lande gezogen, hatte kein Zuhause. Die Vögel haben ihre Nester, die Füchse ihre Höhlen, der Menschensohn aber hat nichts, keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.

Und bereits als 12-jähriger ist er lieber im Tempel geblieben, als mit Maria und Josef nach Nazareth zurückzugehen. Auch für ihn ist Gott wichtiger als Vater und Mutter. Und er hat uns gelehrt, dass wir Gott mit ganzem Herzen lieben sollen. Gott muss die Mitte unseres Lebens sein. Für viele ist er vielleicht ein Teil ihres Lebens. So wie eine Blume viele Blütenblätter hat, so ist Gott auch ein Blatt davon. Das ist aber zu wenig. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Rebzweige. Gott ist nicht ein kleiner Rebzweig unter vielen.

In der heutigen Zeit gibt es immer mehr, bei denen Gott nicht einmal mehr ein Blatt ist, nicht einmal mehr ein Rebzweig, geschweige denn der Weinstock, der Wichtigste, das Zentrum, von dem wir alles bekommen und daher auch unser Leben darauf ausrichten. Gott spielt leider bei bestimmten Menschen gar keine Rolle mehr. Aber Gott ist eben auch nicht mit einem Blatt, mit einer Traube, mit einem Rebzweig zufrieden. Jesus möchte uns mit dem Evangelium sagen, dass man nicht „ein bisschen“ glauben kann, weil uns auch Gott nicht „ein bisschen“ liebt, sondern ganz. Wenn er die Mitte unseres Lebens sein darf, dann gibt es nichts, was wichtiger ist als er. Dann wird am Sonntag immer in die hl. Messe gegangen, weil der Sonntag der Tag des Herrn ist. Dann wird jeden Tag gebetet, weil beten heißt „mit Gott sprechen“.

Auch wenn ich einmal nicht dazu aufgelegt bin, wenn ich müde bin, wenn es Überwindung kostet, dann ist das das Kreuz, von dem Jesus spricht. Das tägliche Kreuz sollen wir tragen. Wenn es also einmal schwer wird, dann nicht stöhnen, sondern auf das Kreuz Christi schauen, wie er es tapfer vorausgetragen hat.

Ich wollte eigentlich nicht über das Kreuz predigen, weil ich schon öfter darüber gesprochen habe, aber wir kommen am Kreuz nicht vorbei, wir können uns vor dem Kreuz nicht drücken. Es steht bei uns im Zentrum, weil es auch immer wieder im Alltag uns einholt. Ein Christ ist einer, der zwar das Kreuz nicht leicht lieben wird - kein Mensch kann ein Kreuz lieben, - aber doch im richtigen Sinn annehmen wird, wenn es kommt, und es kommt zu jedem in der einen oder anderen Form. So wie Jesus sein Kreuz getragen hat, so wird er auch uns helfen, unsere Kreuze zu tragen, wenn wir ihn in die Mitte stellen, wenn er in unserem Leben das Zentrum ist und nicht nur ein Blatt oder ein Rebzweig. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email