5. Ostersonntag
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Weitere Predigten kommen demnächst.

 

Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

„Ein neues Gebot gebe ich euch. Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“

Der Heiland will, dass wir einander lieben, so wie er selbst uns geliebt hat. Was ist das Neue an diesem Gebot? Warum sagt Jesus, ein neues Gebot gebe ich euch? Es steht ja schon im Alten Testament, dass wir Gott und den Nächsten lieben sollen. Das ist nichts Neues.

Jesus verlangt aber wirklich etwas Neues. Er verlangt eine Nächstenliebe von uns, die wirklich über der bisherigen Nächstenliebe steht. Er verlangt nicht die normale Nächstenliebe, die sich überall findet, die sich bei Guten und sogar bei bösen Menschen findet. Ich erinnere nur an die Worte Jesu: Wenn ihr nur denen Gutes tut, die euch Gutes tun, welchen Lohn bekommt ihr. Auch die Sünder tun dasselbe. (Ja sogar die Feinde lieben!) Also so einfach ist es nicht. Wir sollen den Nächsten so lieben wie wir Gott selber lieben sollen, mit der gleichen Liebe.

In den Abschiedsreden wiederholt das Jesus. Es ist gewissermaßen sein letzter Wille, sein Testament. Die letzten Worte eines Menschen, den wir lieben, wollen und müssen wir natürlich sehr ernst nehmen.

Der heilige Hieronymus schreibt in einem Kommentar über einen Paulusbrief, dass der Apostel Johannes in hohem Alter, als er auf den Armen seiner Jünger zur Kirche getragen wurde, da er vor Schwäche nicht mehr allein dorthin gehen konnte, nur das eine Wort gepredigt hat: „Kinder, liebt einander.“ Das hat er dauernd wiederholt. Die Jünger waren dieser ständigen Wiederholung der Mahnung überdrüssig geworden und haben ihn gefragt, warum er das dauernd wiederhole. Es geht uns schon auf die Nerven. Da antwortete er. „Weil es das Gebot des Herrn ist. Wenn ihr das erfüllt, dann genügt es.“

„Seht wie sie einander lieben.“ So beschreibt der antike Schriftsteller Tertullian (2. Jh.) den Zusammenhalt der ersten Christen. Gott sei Dank haben die Christen von Anfang diesen Auftrag ernst genommen. Wenn wir diese Liebe leben, dann werden wir anziehend sein.

„Sie waren ein Herz und eine Seele.“ So beschreibt Lukas in der Apostelgeschichte die Christen. Auch wenn es natürlich nicht immer gelungen ist und es auch Uneinigkeit gegeben hat, Paulus spricht von Spaltungen, so gab es sehr wohl das Bemühen um die Liebe. Je mehr wir es erfüllen, desto mehr wird die Welt erkennen, dass wir Jünger Jesu sind.

Da es nicht immer leicht ist, die Liebe zu leben, müssen wir uns gegenseitig daran erinnern und hinweisen. Manchmal sogar mahnen.

Der heilige Paulus spricht immer wieder davon. Im Kolosserbrief erinnert er die Gläubigen mit den Worten: „Über all dem habt die Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist!“ Im Petrusbrief heißt es. „Vor allem habt eine dauernde Liebe untereinander! Die Liebe deckt viele Sünden zu.“

Paulus im Hohenlied der Liebe sagt: „Am Höchsten aber ist die Liebe.“ Diese Liebe ist geduldig und gütig, erträgt alles, auch die Schwächen und Unvollkommenheiten des Nächsten. Und im 1. Johannesbrief steht so schön: Lasst uns nicht mit Worten und mit der Zunge lieben, sondern in der Tat und Wahrheit. Wir sollen also unsere Liebe durch Werke zeigen.

So wollen auch wir immer wieder uns ermutigen lassen, diesen Auftrag der Liebe in unserem Leben umzusetzen, dass wir in Wahrheit Christen genannt werden dürfen. Machen wir unsere Augen auf und sehen wir nicht immer nur den Streit unter den Christen, der uns oft präsentiert wird, den es natürlich auch gibt, aber sehen wir auch die vielen Vorbilder. Schauen wir auf die Heiligen! Vergessen wir nicht die vielen guten Taten, die unsere christlichen Mitmenschen tun! Das Gute geschieht oft im Verborgenen und so dürfen auch wir das tun und dieses neue Gebot, das uns Jesus selbst ja vorgelebt hat, im Alltag verwirklichen. Amen.

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© 2018 · Pfarrer Christian Poschenrieder · email