www. Predigtdienst.net
Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
Navigation

3. Adventssonntag 2018 C

Messtexte | Word-Dokument

Ich war einmal bei einer älteren Frau vor vielen Jahren regelmäßig bei der Krankenkommunion. Körperlich ging es nicht mehr so wie früher, doch geistig war sie noch bewundernswert rege. Diese Frau sagte öfter zu mir: „Herr Pfarrer, vergeht die Zeit bei ihnen auch immer schneller. Bist schaust, ist Weihnachten. Sie rennt dahin.“ Da sie geistig aktiv war, ihr Aufgabe so gut es geht noch machte, verging bei ihr die Zeit wirklich wie im Flug.

Wenn man etwas zu tun hat, wenn ich verschiedene Aufgaben zu erledigen habe, vergeht die Zeit tatsächlich doppelt so schnell. Am langsamsten ist die Zeit vergangen bei mir als Kind am Heiligabend Nachmittag, als wir auf das Christkind warteten. Jede Minute war eine halbe Ewigkeit. Wenn es wenigstens öfter Schnee gehabt hätte, dann hätten wir draußen etwas unternommen, aber meistens war das nicht der Fall.

Einerseits klagen viele Leute im Advent über die Zeit, andererseits ist es ein Zeichen, dass man ein bisschen mehr zu tun hat, und daher empfinden wir es so, dass die Zeit schneller vergeht.

Wer nicht weiß, was er tun muss, bei dem vergeht die Zeit langsam und ihm ist langweilig. Den Leuten zur Zeit Jesu war es, glaub ich, nicht langweilig, als sie Johannes den Täufer fragten: „Was sollen wir tun?“, sondern die Frage deutete hin auf die Offenheit der Menschen von damals. Wer jemanden fragt, was er tun soll, der ist einmal grundsätzlich bereit, sich den Ratschlag des Anderen anzuhören und eventuell auch umzusetzen. Leider hört man in der heutigen Zeit viel zu wenig diese Frage. Die meisten wissen anscheinend, was zu tun ist. Die meisten brauchen keine Ratschläge. Die meisten leben so dahin und denken gar nicht darüber nach, ob und was sie eventuell ändern sollten.

Warum hören wir so selten diese Frage: Was sollen wir denn tun? Mir scheint, dass viele Leute nicht zur Ruhe kommen. Sie wissen genau, was zu tun ist in diesen Tagen und Wochen. Ich muss noch ein paar Geschenke für den und den einkaufen. Ich muss noch dahin rennen und dorthin etwas besorgen und über ihr Leben wird leider oft zu wenig nachgedacht: Über den Sinn des Lebens, über das woher und wohin. Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben? Was will Gott von mir? Und z.B. auch, was will Gott mir sagen mit dem Weihnachtsfest? Allein, wenn wir heute dem lieben Gott die Frage stellen: „Was soll ich denn tun?“, dann wird er mir antworten. Die Antwort des Johannes ist, fast möchte ich sagen, zweitrangig. Die Antwort des Johannes ist, wenn jemand nachdenkt, logisch. Sie liegt auf der Hand. Den Leuten sagt er, sie sollen jemanden geben, der nichts hat, der nichts zu essen hat, der kein Gewand hat. Es ist dies ein Akt der Barmherzigkeit. Unser Gewissen sagt uns das schon, wie wichtig es ist, die Not des Nächsten zu sehen. Den Zöllnern sagt er, sie sollen das verlangen, was festgesetzt ist. Sie sollen also gerecht sein, nicht in die eigene Tasche wirtschaften und nicht betrügen. Das ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. Die Soldaten erinnert er, sie sollen niemand misshandeln und erpressen. Sie sollen genügsam und zufrieden sein. Ich habe mir keine andere Antwort des Johannes erwartet.

Wichtig ist allein schon die Frage: Was sollen wir tun? Stellen wir uns diese Frage öfter! Denken wir öfter nach, jetzt im Advent, in der Stille des Advents: über den Sinn von Weihnachten nachdenken. Was feiern wir? Wen erwarten wir? Ist es nicht der Sohn Gottes? Gott selbst wird Mensch! Wir erwarten den Messias, den Johannes vorausverkündet hat. Viele stellten sich damals die Frage, ob Johannes nicht selbst der Messias ist, und Johannes wird seiner Aufgabe gerecht, Vorläufer zu sein: Ich bin ihm nicht wert die Schuhe aufzuschnüren. Der nach mir kommt, ist stärker als ich.

Und dann kommt der geheimnisvolle Satz: „Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen!“ Was bedeutet das? Wie kann man mit Feuer taufen? Was bedeutet Feuer? Wer sich auf Jesus einlässt, in dem wird das Feuer der Liebe entzündet und er wird merken, was er tun soll. Und die Antwort auf die Frage „Was soll ich tun?“ ist eindeutig: Ich soll ein liebender Mensch sein. Der Advent erinnert mich, dass die Liebe Gottes Mensch wurde, damit auch ich an die Liebe erinnert werde und die Liebe weitergebe an den Nächsten und an den Mitmenschen im Alltag. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019