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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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Allerheiligen 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Zu Allerheiligen denken wir an alle, die „Vollendeten“, d.h. die sicher im Himmel sind, die Heiligen. Sie haben ihre Vollendung in der Ewigkeit erreicht. Wenn wir dann auf den Friedhof gehen, denken wir an alle, die "vollendet" haben und noch nicht im Himmel sind. D.h. dass es auch noch eine zweite Gruppe gibt, die durch das Tor des Todes gegangen sind und noch nicht im Himmel sind.

Einerseits sind das Menschen, die im Fegefeuer noch warten müssen, die noch nicht bei Gott sein können und in diesem Läuterungsort ihre Sünden abbüßen. Es sind dies die armen Seelen, die viel Heimweh haben, die sicher wissen, dass sie gerettet sind, die aber wegen ihrer Unvollkommenheiten in diesem Wartezustand ausharren müssen, bis ihre Seelen ganz rein sind. Wir nennen diese die leidende Kirche.

Andererseits ist das die triumphierende Kirche, die bereits im ewigen Glückszustand sich befindet und bei Gott Wohnung genommen hat. Einen geringen Teil dieser Menschen nur hat die Kirche offiziell heiliggesprochen. Weil heute all diese Seelen, die schon im Himmel sind, geehrt werden, heißt dieser Tag Allerheiligen.

An Allerheiligen denken wir an alle, die „Vollendete“ waren im Sinne von „Vollkommene“. Sie sind an dem Ort, den der hl. Paulus folgendermaßen beschreibt: „Kein Auge hat es gesehen, kein Ohr hat es gehört und in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die Ihn lieben.“ Das ist die Verheißung, die auf uns wartet, wenn wir nach Gottes Geboten leben: „Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel.“ Das rufen uns die Heiligen zu: „Vergesst es nicht! Es lohnt sich wirklich, Christus nachzufolgen und auch dafür Opfer zu bringen.

Wir denken aber nicht nur an die, die wirklich „Vollendete“ waren, sondern auch an die vielen, die noch nicht Vollendete waren, aber die schon ihr kurzes Erdenleben vollendet haben, weil sie bereits von uns gegangen sind und weil sie mit leichten Sünden gestorben sind. So manche gibt es, die noch gerne weitergelebt hätten, vielleicht auch deshalb, weil sie spürten, noch nicht vollendet zu sein. Immer wieder hören wir von unerwarteten Sterbefällen, von Verkehrstoten, die ihr Leben noch vor sich gehabt hätten und in der Blüte des Lebens standen. Je älter man wird, desto mehr kennt man all jene, die schon nicht mehr unter uns sind und umso nachdenklicher wird man bei dem Gedenken an all diese vielen Menschen, die uns nur vorausgegangen sind und deren Weg wir auch einmal gehen werden, wenn wir durch das Tor des Todes schreiten.

Und doch trauern wir Christen nicht wie die Heiden, die keine Hoffnung haben, so erinnere ich oft bei den Begräbnissen. Das Mahnwort, das wir zu Aschermittwoch hören „Gedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zu Staub werden wirst.“, dürfen wir nicht falsch verstehen, in dem Sinn, dass mit dem Tod alles aus ist und vom Menschen nur noch ein Häuflein Asche übrigbleibt, die vom Wind verweht wird. Man müsste im Glauben sagen: Gedenke Mensch, dass du eine unsterbliche Seele hast, die zu ewigem Glück in der ewigen Heimat berufen ist. Wenn wir an den Gräbern heute stehen, dann deshalb, weil wir um die eigentliche Vollendung des Menschen wissen und auch um die Kraft des Gebetes. Die armen Seelen sind unendlich dankbar für jedes Gebet, das wir für sie sprechen, und sie werden es nicht vergessen und umgekehrt für uns bei Gott Fürsprache einlegen. Vergessen wir unsere Toten nicht! Das Band ist nicht zerschnitten, wenn wir für sie beten. Es ist ein Zeichen der Liebe, das wir setzen; ein Zeichen des Glaubens an ein Leben nach dem Tod. Mit dem Tod beginnt erst das Leben.

Die Heiligen im Himmel sprechen davon und rufen uns zu, dass es sich lohnt, danach zu streben. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019