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Die katholische Predigtsammlung von Pfarrer Poschenrieder
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1. Fastensonntag 2019 C

Messtexte | Word-Dokument

Wir hörten soeben im Evangelium, dass sogar Jesus, der Sohn Gottes, selbst versucht wurde. Dreimal hat es der Teufel probiert und wollte ihn zu Fall bringen. Nachdem Jesus 40 Tage in der Wüste gefastet hat, so dachte sich Satan, ist er doch schwach und hat Hunger. Der Teufel kam mit ganz menschlichen Bedürfnissen: Essen, Besitz, Macht.

Doch Jesus ist wirklich der Sohn Gottes und lässt sich vom Teufel nicht in Versuchung führen. Er widersteht der Versuchung. Er ist standhaft im Gegensatz zu uns. Wir erliegen immer wieder den hinterlistigen Versuchungen.

Was ist die Versuchung? Bei einer Versuchung werden wir Menschen auf die Probe gestellt. Sie kommt nicht von Gott, aber Gott lässt sie zu, um uns zu prüfen.

Abraham wurde geprüft, als er seinen Sohn opfern sollte. Das Liebste, was er überraschenderweise im Altar durch die Gnade Gottes doch noch bekommen hat, soll er wieder hergeben. Das ist das Schwerste. Stellen Sie sich vor, sie müssen das, was sie am Liebsten haben, weggeben! Das ist nicht leicht. Abraham hat Gott vertraut und ihm geglaubt, dass er alles gut machen wird. Daher wird er der Stammvater des Glaubens genannt.

Die Versuchung an sich ist noch nicht die Sünde. Adam und Eva wurden von der Schlange versucht: Die Frucht war lieblich anzuschauen. Sie konnten nicht widerstehen. Sie wussten, es ist verboten und haben trotzdem gegessen. Sie waren ungehorsam und die erste Sünde geschah.

Die Versuchung ist ein Anreiz zur Sünde. Der Käse in der Mausfalle ist die große Versuchung für die Maus, ihn zu verzehren. Doch die Folge wird schlimm sein. Der Unterschied zu einer Versuchung zu uns Menschen ist groß. Die Maus weiß nicht, dass der Tod auf sie wartet. Die ersten Menschen wussten, dass es nicht erlaubt ist, zu essen, und sie wussten sehr wohl, dass die Folge der Tod sein wird, denn das wurde ihnen von Gott angedroht.

Jetzt in der Fastenzeit ist es vielleicht auch eine Versuchung etwas zu essen, wenn wir uns vorgenommen haben, zu fasten, weniger zu essen, Süßigkeiten zu meiden oder auf andere Dinge zu verzichten. Hoffentlich widerstehen wir dann oft dieser Versuchung und stärken dadurch unsere Tugenden.

Die Wurzel, der Ursprung oder die Quelle der Versuchung war also bei Adam und Eva der Versucher, der Teufel. Seither ist es auch die böse Begierlichkeit, die die Folge der Erbsünde ist. Die böse Begierlichkeit ist der ungeordnete Drang nach vergänglichen Gütern. Wenn nun böse Menschen selbst andere verführen, kann eben auch der sündige Mensch die Wurzel der Versuchung für andere sein.

Der liebe Gott selbst kann, wie gesagt, nicht in Versuchung führen. Was beabsichtigt aber Gott mit den Versuchungen? Warum lässt er sie zu? Er könnte Sie uns ja auch ersparen. - Der liebe Gott hofft, dass wir sie bestehen und dass wir dadurch gestärkt werden im guten Willen. Er will uns einmal dafür auch belohnen. Belohnung hat nur Sinn, wenn wir auch etwas tun und leisten.

Selbst eine Versuchung, die wir nicht bestanden haben, kann etwas Positives an sich haben. Das ist dann der Fall, wenn wir sie demütig beichten und wiedergutmachen. Dann werden wir nämlich wieder gereinigt und die Sünde ist ausgelöscht. Dann war es eine glückliche Schuld, wie es zu Ostern im Exsultet heißt: die glückselige Schuld Adams, die durch Christus wiedergutgemacht wurde. Sie hat als Folge die wunderbare Menschwerdung Gottes, für die wir unendlich dankbar sein müssen.

Stellen wir uns die Frage noch: Was kann ich gegen Versuchungen tun? Das Erste ist und bleibt das Gebet: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet.“ Wichtig ist auch die Übung zur Selbstüberwindung. Durch diese Selbstüberwindung stärken wir immer wieder unseren guten Willen und üben uns in der Demut. Demut lernen wir aber nicht in der Theorie, sondern nur in der Praxis. Da gibt es von der Kirche dieses Mittel, das die Demut besonders stärkt. Bei der heiligen Beichte können wir in der Praxis zeigen, dass wir demütig sind. Mir scheint, dass der Mensch oft krank ist an zu wenig Demut, wenn er hier große Schwierigkeiten hat.

So will ich sie ermuntern, den Kampf gegen die Versuchung auf sich zu nehmen, die Fastenzeit als Zeit der Gnade wieder ernst zu nehmen, sich einen Vorsatz machen und Gott bitten, dass er uns stark macht, den Versuchungen des bösen Feindes zu widerstehen. Amen.


© Pfarrer Christian Poschenrieder 2019